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Bleiben oder gehen?: Wann es Zeit wird, die Kanzlei zu wech­seln

von Dr. Anja Hall

13.09.2016

© Minerva Studio - Fotolia.com

"Mit welchem Gefühl gehe ich jeden Morgen zur Arbeit - das ist die wichtigste Frage, die sich jemand stellen sollte, der darüber nachdenkt, die Kanzlei zu wechseln", sagt Carmen Schön.

Ein angestellter Anwalt hat drei Gruppen von Kontaktpersonen, mit denen er möglichst gut zusammenarbeiten sollte: Erstens der Partner, dem er unterstellt ist. Zweitens die Kollegen, mit denen er auf Augenhöhe zusammenarbeitet. Und drittens das Sekretariat und andere Mitarbeiter, die ihm hierarchisch untergeordnet sind.

"Leitfragen, die man sich stellen kann, sind: Wie ist mein Verhältnis zu all diesen Gruppen? Wie verläuft die Kommunikation? Gibt es gegenseitiges Vertrauen, Verbindlichkeit? Teilen alle ähnliche Wertvorstellungen?", sagt Schön. 

Wenn hier etwas nicht harmonisch ist, empfiehlt es sich weiter zu fragen: Liegt es an mir selbst? Inwiefern kann ich mein Verhalten ändern, um kritische Situationen zu entspannen? Gibt es auch Dinge, die sich von selbst erledigen werden – verlässt z.B. der ungeliebte Partner ohnehin bald die Kanzlei oder ist es denkbar, in das Team eines anderen Partners zu wechseln?

"Ziehen Sie ein Fazit: Lohnt es sich, auf eine positive Entwicklung zu hoffen? Wie fühlt sich dieser Gedanke für Sie an?", empfiehlt die Karriereberaterin. Ihrer Erfahrung nach entscheiden viele Anwälte bei der Wahl des Arbeitgebers vor allem nach rationalen Gründen und vernachlässigen den Faktor "Kanzleikultur". "Sie gehen etwa dorthin, wo sie das höchste Gehalt bekommen und merken leider dann erst später, dass es menschlich nicht passt", erzählt Schön. 

Zitiervorschlag

Anja Hall, Bleiben oder gehen?: Wann es Zeit wird, die Kanzlei zu wechseln . In: Legal Tribune Online, 13.09.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/20568/ (abgerufen am: 11.12.2019 )

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Kommentare
  • 13.09.2016 16:18, Reibert

    "Ein angestellter Anwalt hat drei Gruppen von Kontaktpersonen, mit denen er möglichst gut zusammenarbeiten sollte: Erstens der Partner, dem er unterstellt ist. Zweitens die Kollegen, mit denen er auf Augenhöhe zusammenarbeitet. Und drittens das Sekretariat und andere Mitarbeiter, die ihm hierarchisch untergeordnet sind."

    Richtig. Mandanten sind schließlich keine Kontaktperson, sondern -bestenfalls- ein notwendiges Übel. Ohne wäre man besser dran...