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Anwalts-Marketing: "...und widmet sich hin­ge­bungs­voll der Kön­ig­s­pudel-Zucht"

Eine Satire von Dr. Anja Hall

11.09.2015

Anwaltsprofile auf Kanzlei-Websites – eine Gratwanderung: Man will sich professionell darstellen, aber zugleich menschlich rüberkommen. Die LTO-Service-Redaktion gibt Tipps, wie Sie sich im besten Licht präsentieren.

Seien wir ehrlich: Anwaltswahl ist wie Partnerwahl – am Ende entscheidet die Sympathie, und die Vernunft hat nur wenig mitzureden. Es ist deshalb gute Praxis geworden, dass Anwälte sich in Ihrer Außendarstellung nicht nur als Experte für Arbeits-, Kartell- oder Gesellschaftsrecht empfehlen, sondern auch als Mensch wie Du und ich. Ein Mensch, der Hobbys hat, sich ehrenamtlich engagiert oder einfach nur gerne Zeit mit Familie und Freunden verbringt.

Anwaltsprofile auf Kanzlei-Websites eignen sich ganz hervorragend, um etwas persönliche Note einzubringen. Sie präsentieren dort nicht nur Ihren beruflichen Werdegang, sondern schreiben auch ein paar Sätze darüber, was Sie machen, wenn Sie einmal nicht arbeiten. Das schafft Sympathie beim Mandanten und bietet gute Small-Talk-Themen.

Beziehungsstatus? Lieber nicht!

Allerdings, die Tücke liegt im Detail. Sie sollten genau überlegen, was und wie Sie sich als Privatperson zeigen. Wir von der LTO-Service-Redaktion haben uns für Sie ein paar Gedanken gemacht.

Etwas problematisch finden wir die – allerdings recht beliebte - Vermengung von Familienstand und Hobby in einem Satz, etwa in "Ist verheiratet und spielt gerne Schach". Denn es wirft einige Fragen auf: Mit wem spielt der Anwalt Schach? Mit seiner Frau? Spielt die Frau auch so gerne Schach? Oder tut sie es nur ihrem Mann zuliebe? Haben sich die beiden womöglich beim Schachturnier der juristischen Fakultät kennengelernt?

Dringend raten wir auch davon ab, den Familienstand in einen CV einzupflegen, denn der Beziehungsstatus kann sich bekanntlich schneller ändern als einem lieb ist. Wenn Sie aufrichtig bleiben wollen, müssten Sie im schlimmsten Fall alle paar Monate anpassen: "Ist getrennt lebend und spielt gerne Schach", "ist geschieden und spielt gerne Schach" oder "ist in dritter Ehe mit einem russischen Ex-Model verheiratet und spielt gerne Schach".

Vorsicht bei Ortsangaben

Auch eine Formulierung wie "verbringt seine freie Zeit am liebsten am Südstrand von Fehmarn" halten wir für wenig gelungen. Eine solche präzise Ortsangabe sollten Sie nur wählen, wenn es Ihnen ganz sicher nichts ausmacht, dass ein Mandant "zufällig" den Strandkorb neben Ihnen belegt und mit Ihnen – "weil wir ja gerade so gemütlich zusammensitzen" - ein paar kapitalmarktrechtliche Fragen diskutieren will.

Solch lästigen Mandanten können Sie allerdings eins auswischen, indem Sie gar nicht nach Fehmarn fahren, sondern nach Sylt. Dann sitzen Sie dort in Ihrem Ferienhaus und lachen sich ins Fäustchen.

Unser Vorschlag: Nehmen Sie es mit der Wahrheit nicht so genau, erfinden Sie einfach irgendetwas. Geben sie beispielsweise vor, eine seltene Hunderasse mit möglichst unaussprechlichem Namen (kleiner Tipp: Xoloitzcuintle) zu züchten. Ein Mandant, der vor einem Treffen mit Ihnen davon auf Ihrer Website liest, wird es sich nicht merken können. Er wird höchstens fragen: "Sie mögen also Hunde?" Diese Frage sollten Sie dann allerdings schon mit einem Ja beantworten.

Zitiervorschlag

Anja Hall, Anwalts-Marketing: "...und widmet sich hingebungsvoll der Königspudel-Zucht" . In: Legal Tribune Online, 11.09.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/16883/ (abgerufen am: 19.06.2019 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 12.09.2015 12:01, Bladebrother

    Also der Artikel ist wenig gelungen. Ich bin sehr empört, dass hier tatsächlich empfohlen wird, in der Außendarstellung zu lügen ("es mit der Wahrheit nicht so genau zu nehmen"). Keinen Beziehungsstatus, keine (zutreffenden) Urlaubsorte nennen, sondern lieber etwas Ausgefallenes daher lügen und hoffen, dass es niemand merkt. Das ist die Quintessenz des Artikels. Was für ein Bullshit ist das denn bitte? Unglaublich!

  • 12.09.2015 12:05, Bladebrother

    Okay, sorry, es steht Satire in der Überschrift. Trotzdem erschließt sich mir der Sinn nicht wirklich. Möglicherweise reicht eine intellektuelle Kapazität nicht aus, den Humor zu entdecken, der irgendwo sein muss. Doofer Artikel!

  • 12.10.2015 17:06, RAin Dr.+Anette+Hartung,+aHa+Kanzleientwicklung

    Einspruch, eure Ehren - Persönlichkeit herüberzubringen ist in jedem Fall ein Kunsthandwerk. Die Kunst liegt aber just darin, das Persönliche authentisch u-n-d behutsam einzupflegen und nicht über dem interessierten Seitenleser auszukübeln. Und das dann am besten noch zu einem Passfoto von loriothafter Ernsthaftigkeit. Da hat die Autorin doch vollkommen recht: Die Tücke liegt im Detail. Gut, dass mal jemand drauf hinweist.

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