Max Uthoff: Kaba­rett­bühne statt Anwalts­kanzlei

Constantin Körner

26.11.2011

Aufgewachsen in einer Theaterfamilie schlug Max Uthoff erst die Juristenlaufbahn ein, "um die spröde Materie des Rechts satirisch zu unterwandern". Nach ein paar Jahren als Rechtsanwalt widmete er sich beruflich ganz dem Kabarett – und wird mit dem diesjährigen Förderpreis des Deutschen Kabarett-Preises ausgezeichnet. Ein kleines Portrait eines ungewöhnlichen Satirikers.

Gleich sein erstes Programm "offenbart", so die Jury des Deutschen Kabarett-Preises, "einen genauen Beobachter und scharfen Analytiker des politischen Lebens, der seine klugen Ideen dem Publikum häufig in überraschend konstruierten Zusammenhängen präsentiert. Seine glasklaren, geschliffenen Formulierungen weisen ihn als virtuosen Meister der präzisen Sprache aus. Schnell, trocken und pointiert reagiert er auf tagesaktuelle Ereignisse".

Weil sein Vater Betreiber des Rationaltheaters in München war, hatte Uthoff, Jahrgang 1967, bereits früh Kontakt mit Kabarett und Kleinkunst. Trotzdem stieg er zunächst nicht in dessen Fußstapfen, sondern entschied sich für eine Juristenlaufbahn. "Wenn man Umwege macht, lernt man das umliegende Gebiet besser kennen. Dass ich dabei allerdings auf das weite Feld der Juristerei gelaufen bin, war Zufall", räumt er rückblickend ein. Jedenfalls habe er sein Studium "wenigstens größtenteils" als "spröde Materie" empfunden: "War es Uwe Wesel, der die Diskrepanz zwischen der hohen Qualifizierung des Juristen und der Banalität seiner meisten Fragestellungen beklagt hat?"

"Ich bin einfach aus dem Alter raus, andauernd bedruckte T-Shirts zu tragen."

Dass er sich nach seinem zweiten Staatsexamen im Jahre 2002 für den Anwaltsberuf entschied, war hingegen kein Zufall mehr: "Der Grund ist derselbe, warum jemand, der die 100 Meter in 14 Sekunden läuft, nicht zu den deutschen Meisterschaften eingeladen wird. In Bayern schaffen es nur 3 % zu einer Benotung, die zur Staatslaufbahn berechtigt. Das Richteramt ist bei uns kein Teil der freien Berufswahl".

Als Anwalt beschäftigte er sich mit Schadensrecht, privatem Baurecht und Gewerbemietrecht: "Von allem etwas, nichts richtig." Weil er "mehr freiwillige, weniger unfreiwillige Komik" wollte, hängte er im Jahr 2006 schließlich seine Anwaltsrobe an den Nagel, um sich fortan beruflich dem Kabarett zu widmen. Dabei hat es ihm bereits mit seinem ersten Programm "Sie befinden sich hier", das er anfangs auf der elterlichen Kleinkunstbühne aufführte, die Politsatire angetan: "Ich bin einfach aus dem Alter raus, andauernd bedruckte T-Shirts zu tragen."

Wie es sich für einen politischen Kabarettisten gehört, dienen ihm insbesondere die Parteien als satirische Zielscheibe. Dann heißt es zum Beispiel: "Die FDP, das war immer auch Resozialisierung, noch bevor die Straftat begangen wurde. Ein Auffangbecken für Halbseidene wie Jürgen Möllemann, dem Mann, der den Begriff Himmelfahrt auf so erfrischende und neue Weise interpretiert hat und dem an dieser Stelle noch einmal ein herzliches 'rest in pieces' zugerufen sei. Einem Sterbenden gleich bäumte sich die Umfallerpartei kurz vor ihrem Ableben noch einmal auf und erreichte unter einem Mann, der die Verachtung für Arme verkörperte wie kein zweiter, G Punkt Westerwelle, noch einmal einen Höhepunkt. Guido, die Freiheitsstatue aus Bad Honnef, führte die Partei an ihren Sehnsuchtsort, den zweistelligen Bereich, um in der Folge durch seine Arbeit zu beweisen, dass die FDP eben nicht das kleinere Übel war, sondern das größere Erbrechen."

"In Bayern lassen wir die Drecksarbeit in der Regel von Juristen erledigen."

Immer wieder schießt er sich auch auf die Juristerei ein: "In Bayern lassen wir die Drecksarbeit in der Regel von Juristen erledigen. Das haben sie ja auch lange genug studiert. Das Bayerische Verwaltungsgericht hat zum Beispiel in München eine Moschee abgelehnt mit der hinreißenden Begründung, dass sie zu viele Gläubige anlocken würde, weil sie zu attraktiv werden würde. […] Die Moslems sollten sich also ein Gebetshaus bauen, das so unattraktiv ist, dass kaum einer hingehen will. Da fragen sich die Moslems natürlich zu recht: Warum sollen wir denn eine evangelische Kirche bauen?"

Zwar kann er sich ein ganzes Programm über die Juristerei zurzeit nicht vorstellen. Aber er werde "immer wieder einzelne Rechtsfragen" aufgreifen. Zu seinen Favoriten zählt mit Matthias Beltz ein Berufskollege im doppelten Wortsinn: "Der eine Jurist, der als Kabarettist einer der Größten war".

Dass Jurastudenten zwar fleißig Staatsorganisationsrecht büffeln, gleichzeitig aber nur selten als politische Menschen in Erscheinung treten, findet er jedenfalls nicht: "In welchem Beruf ist das anders? Und, ist das wirklich so?". Stattdessen stichelt er abschließend: "Gut die Hälfte des deutschen Bundestages besteht gefühlt aus Juristen. Angesichts bestehender Ungerechtigkeiten in diesem Land sollten wir vielleicht froh sein, dass sich nicht noch mehr Juristen politisch engagieren".

Sein Programm "Sie befinden sich hier!" ist bei WortArt als CD erschienen.

 

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Constantin Körner, Max Uthoff: Kabarettbühne statt Anwaltskanzlei . In: Legal Tribune Online, 26.11.2011 , https://www.lto.de/persistent/a_id/4903/ (abgerufen am: 27.10.2021 )

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