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Film Die Dunkle Seite des Mondes: Anwälte passen nicht in den Wald

von Tobias Sommer

14.01.2016

Was macht ein M&A-Anwalt mit einer toten Katze in seiner Aktentasche? Er wirft sie hinter einen Baum, beginnt eine Affäre mit ihrer Besitzerin und gerät auf einen Pilztrip, der alles für immer verändert.

Die Szene mit der toten Katze stammt aus dem Psychothriller Die Dunkle Seite des Mondes des Regisseurs Stephan Rick, der ab Donnerstag im Kino zu sehen ist. Er hat viele Vorschusslorbeeren erhalten, ist unter anderem in die Vorauswahl zum Deutschen Filmpreis 2016 in der Kategorie Bester Spielfilm aufgenommen. Laut dem Magazin Indiekino Berlin ist er "ein faszinierendes Stück Kino", das Portal Filmstarts nennt ihn  "ein spannendes und erstklassig besetztes psychologisches Thrillerdrama". Das Branchenblatt Blickpunkt: Film: "Ein raffinierter Cocktail aus Wirtschaftskrimi, Survivalthriller und Selbstfindungstrip."

Der Film basiert auf dem gleichnamigen erfolgreichen Roman des Schweizers Martin Suter aus dem Jahr 2000. Wie in dem namensgebenden Pink-Floyd-Album The Dark side of the moon aus dem Jahr 1973 geht es um die dunkle Seite im Menschen. Sie macht aus dem erfolgreichen Bestverdiener Urs Blank (Moritz Bleibtreu) einen Waldmenschen, der einem Pilz hinterher jagt, um ihn als Gegengift nach einem missglückten Drogenrausch einzusetzen.

Aus rechtlicher Sicht bietet der Film einiges: vom vorsätzlichen Drogenmissbrauch und dem Ausstieg aus der Partnerschaft in einer gut gehenden Wirtschaftskanzlei über das Jagdrecht ("Wolfsjagd, ist das nicht verboten?") oder langwierige Zulassungsverfahren für ein Medikament. Doch all das sind nur kurze Stationen des Films auf dem Weg zum Psychothriller. Auserzählt werden diese Geschichten nicht. Im Zentrum stehen die dunkle Seite des M&A-Anwalts und seine Versuche, diese in den Griff zu bekommen.

Strafrecht von AT bis BT, von Brandstiftung bis Schuldunfähigkeit

Die Gewaltspirale dreht sich schnell auf der dunklen Seite des Mondes.  Sie beginnt bei der Tötung der Katze, steigert sich über Gewalt gegen Frauen, die geschlagen und bedroht werden, und ein illegales Autorennen im öffentlichen Straßenraum samt provoziertem Unfall und endet mit Mord und Brandstiftung. Strafrecht pur: Insgesamt drei Menschen sterben in dem Film einen gewaltvollen Tod. Es wird gelogen, betrogen und für Geld gemordet wie in einem Mafiafilm, Beweismittel werden erst unterdrückt und später  für eine Erpressung genutzt.

Am tiefsten steigt der Film in das Thema Schuldunfähigkeit ein. Er zeigt, wie die Gewalt unkontrolliert aus dem Anwalt herausbricht. Wenn der Film - wie es mit seiner  Buchvorlage bereits geschieht - zu Ausbildungszwecken genutzt werden soll, ist sein Einsatz auch bei angehenden Juristen gut denkbar: In Strafrechtsseminaren können der Vorsatz und die Schuldunfähigkeit wegen seelischer Störungen sowie die verminderte Schuldfähigkeit nach §§ 20, 21 StGB diskutiert werden.

Blank bereut seine Taten und versucht im Laufe des Films Personen, die ihm nahe stehen, vor sich selbst zu beschützen. Er konsultiert auch seinen Freund und Psychiater, der ihm den legendären Tipp gibt: "Als Dein Psychiater rate ich Dir, mach eine Therapie und als Freund rate ich Dir, hör auf Deinen Psychiater."

Zitiervorschlag

Tobias Sommer , Film Die Dunkle Seite des Mondes: Anwälte passen nicht in den Wald . In: Legal Tribune Online, 14.01.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/18146/ (abgerufen am: 12.08.2020 )

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Kommentare
  • 25.01.2016 22:50, Hainer

    Der Titel sollte eher lauten.: Anwälte passen nicht in diese Welt!