Editorial: Warum Sie nie aufhören, Jurist zu sein

Moritz von Bismarck

26.04.2010

"Was machen Sie eigentlich beruflich?" Wird einem Juristen diese Frage auf einer Party gestellt, macht sich bei vielen Berufskollegen Angst breit. Denn sie wissen nur zu gut, wie das Gespräch in den nächsten Stunden sehr wahrscheinlich verlaufen wird: Zum deutschen Rechtssystem wird jeder Gast vermutlich eine Erfahrung, mindestens aber eine Meinung haben. Und ausbaden muss dies der eine Jurist, der gerade greifbar ist.

Genauso gerne und selbstverständlich wird seine fachliche Einschätzung zum letzten Verkehrsunfall oder dem aktuellen Nachbarschaftsstreit erwartet – umgehend, fundiert und natürlich unentgeltlich. Neben den Vertretern des juristischen Berufsstandes werden sehr wahrscheinlich nur noch Mediziner derart auf ihre berufliche Rolle reduziert. Verkannt wird, dass auch Juristen so etwas Ähnliches wie ein Privatleben haben: Die meisten lieben und leben ihren Beruf, und trotzdem interessieren sie sich auch für Sport, Reisen, Mode, Autos und Technik. Dennoch wurde bis jetzt kein Medium der Tatsache gerecht, dass ein Jurist nicht nur über aktuelle Urteile, sondern auch über die neuesten Handys Bescheid wissen sollte. Bis jetzt.

Juristische Fachinformationen werden in unzähligen fundierten Aufsätzen bis ins letzte Detail wissenschaftlich diskutiert, Gesetzestexte bis auf jedes Komma analysiert – und das ist auch gut so. Allerdings gehen Job und Freizeit mittlerweile für viele Juristen fließend ineinander über; wenn es die Zeiten eines Acht-Stunden-Tages im Büro für Juristen jemals gegeben hat, sind sie für die meisten Kollegen des Berufsstandes längst vorbei. Dies bedeutet nicht nur, dass sich Teile des Jobs regelmäßig ins Privatleben drängen, sondern auch, dass man sich im Rahmen eines modernen Berufsverständnisses auch während der Arbeit die Zeit nimmt, um sich über das aktuelle Weltgeschehen zu informieren oder ein wenig Zerstreuung zu finden.

Es gehört heute einfach dazu, dass ein Jurist nicht nur in seinem Fachgebiet auf der Höhe ist, sondern genauso gut über die aktuelle Nachrichtenlage Bescheid weiß und auch bei sonstigen Themen ausreichend Gesprächsstoff für den Small Talk beim Geschäftsessen parat hat; nicht zuletzt weil fast jedes nachrichtliche Thema auch eine juristische Implikation hat. Der Anspruch zielt auf breite und vor allem über das juristische Spezialgebiet hinausgehende Kompetenz und es ist eine Selbstverständlichkeit, dass Mandanten, Kollegen und Kunden diese erwarten.

Nichts steht mehr für sich, alles ist miteinander verwoben und verbunden: Privates und Berufliches, Politisches und Rechtliches, Freizeit und Arbeitszeit. Die Digitalisierung begünstigt und beschleunigt diesen Trend noch einmal: Zwischen der privaten und der beruflichen Mailbox liegt nur ein Klick – wenn es denn überhaupt noch zwei getrennte Postfächer gibt. Und dank der modernen Technik haben die meisten von uns fast immer und überall Zugriff auf berufliche Daten. Wir haben darüber hinaus gelernt, auch gedanklich immer schneller und flexibler zwischen den unterschiedlichen Lebensbereichen und Rollen umzuschalten. Kurzum: Eine strikte Trennung von privater und beruflicher Rolle entspricht weder der heutigen Zeit noch den Anforderungen, die die moderne Arbeitswelt an viele von uns stellt.

Die meisten Juristen leben ihren Beruf als biografische Berufung und empfinden diese Vermischung von Privatem und Beruflichen nicht als Last. Sehr wahrscheinlich werden sie in ihrem Umfeld auch genau aus diesem Grund so oft auf ihre berufliche Rolle reduziert. Doch selbst der größte Workaholic definiert sich nicht nur über seinen Beruf; wir sind Väter und Mütter, haben Freunde, beschäftigen uns mit Hobbys, fahren in Urlaub und letztlich sagen auch unsere Kleidung und unser Konsumverhalten viel über uns aus.

Bisher gab es für Juristen jedoch kein Medium, das sowohl ihre beruflichen als auch privaten Interessen bediente, sie wurden immer nur punktuell bedient. Die juristische Medienlandschaft zeichnet sich durch die hohe Qualität der Fachinformationen aus, "fachfremde" Themen finden aber nicht statt. Umgekehrt sind auch juristische Hintergrundanalysen von aktuellen Ereignissen in den klassischen Publikumsmedien eher selten und werden vielfach nur ausnahmsweise dem Anspruch des informierten Experten gerecht.

Zunehmende Verschmelzung von Privat- und Berufsleben auf der einen Seite und die fortschreitende Digitalisierung der Medienlandschaft auf der anderen Seite waren uns Grund genug für die Entwicklung eines in Deutschland einzigartigen Onlinemagazins für Juristen und juristisch Interessierte. Die Legal Tribune ONLINE setzt das aktuelle Tagesgeschehen in einen juristischen Kontext, liefert Juristen berufsrelevante Neuigkeiten und Serviceangebote und bietet ihren Lesern Nachrichten und Lifestylethemen sowie wichtige Hintergründe zu aktuellen Entwicklungen und Diskussionen. Neu daran ist neben der thematischen Breite der journalistische Ansatz, mit dem zugleich ein weitreichender verlagsübergreifender Neutralitätsanspruch verbunden ist.

Juristische Fachinformationen wie die aktuellen Rechtsprechungsübersichten werden in der von Wolters Kluwer Deutschland gewohnt hohen Qualität aufbereitet, aktuelle Nachrichten kommen aus der Redaktion von SPIEGEL ONLINE, mit welcher auch darüber hinaus redaktionell eng kooperiert wird. Deutlich über die weitreichende Expertise der Verlagsmarken Heymanns, Luchterhand und Werner hinaus bündeln wir hier die Fachkompetenz renommierter Experten in diesem neuartigen Angebot für Sie.

Hinzu treten Journalisten, die über die neuesten Trends aus verschiedenen Themenbereichen wie "Work-Life-Balance", "Stil", "Kultur", "Technik" oder "Essen & Trinken" schreiben. Die Legal Tribune ONLINE ist damit der erste zentrale Anlaufpunkt für deutsche Juristen, an dem sie alles auf einer Seite finden, was sie für ihren Job brauchen und alles, um auch außerhalb des Jobs auf dem Laufenden zu sein: Eine Seite für alle Seiten ihres Lebens. Jeden Tag aufs Neue.

"Was machen Sie eigentlich beruflich?" Wird Ihnen als Jurist diese Frage auf einer Party gestellt, können Sie entspannen. Denn Sie wissen nur zu gut, dass und mit welchen Themen Sie das Gespräch in den nächsten Stunden beherrschen werden. Ab jetzt! Denn dafür haben Sie Ihre Legal Tribune ONLINE.

Ihr Moritz v. Bismarck

Zitiervorschlag

Moritz von Bismarck, Editorial: Warum Sie nie aufhören, Jurist zu sein . In: Legal Tribune Online, 26.04.2010 , https://www.lto.de/persistent/a_id/431/ (abgerufen am: 29.06.2022 )

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