Druckversion
Sonntag, 16.08.2026, 19:34 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/nachrichten/n/bverwg-1c921-reisepass-reiseausweis-auslaender-auslaenderbehoerde-eritrea-schutzbeduerftige-subisdiaerer-schutz-reueerklaerung-diasporasteuer-unzumutbar-versto-grundrechte
Fenster schließen
Artikel drucken
49858

BVerwG zum Ausländerreisepass: Erit­rei­sche "Reueer­klär­ungen" zu Straf­taten sind unzu­mutbar

11.10.2022

Eine Person hält einen Reisepass von Eritrea in der Hand

Ein eritreischer Reisepass - um einen solchen zu erhalten, müssen illegal Ausgereiste eine Erklärung abgeben, dass sie eine Straftat begangen haben und "Diasporasteuer" zahlen. Foto: AS Photo Project/stock.adobe.com

Schutzbedürftige aus Eritrea müssen für den Erhalt eines eritreischen Reisepasses schriftlich eine Straftat zugeben. Dazu darf laut BVerwG aber niemand gezwungen werden, Deutschland muss daher einspringen und einen Pass ausstellen.

Anzeige

Die Ausstellung eines Reiseausweises für Ausländer:innen darf subsidiär Schutzberechtigten nicht deshalb verweigert werden, weil sie einen Reisepass von ihrem Herkunftsstaat erhalten können, wenn sie eine "Reueerklärung" mit einer Selbstbezichtigung einer Straftat abgeben. Die Abgabe einer solchen Erklärung ist unzumutbar, entschied das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) in einem Urteil von Dienstag (Urt. v. 11.10.2022, Az. BVerwG 1 C 9.21).

Ein eritreischer Staatsangehöriger flüchtete nach Deutschland, wo ihm subsidiärer Schutz gewährt wurde. Denn illegal Ausgereisten droht in Eritrea Haft, verbunden mit Folter oder unmenschlicher und erniedrigender Behandlung. Der Geflüchtete beantragte in Deutschland bei der Ausländerbehörde später einen Reiseausweis für Ausländer:innen, der Antrag wurde jedoch abgelehnt. Es sei ihm zumutbar, einen Reisepass in der Botschaft Eritreas zu beantragen.

OVG: Passbeantragung in der eritreischen Botschaft zumutbar

Dagegen klagte der Mann aus Eritrea und hatte in erster Instanz auch Erfolg, das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht in Lüneburg stimmte jedoch der Ausländerbehörde zu und sah die Voraussetzungen für die Ausstellung eines Reisepasses als nicht erfüllt an. Denn es sei nach § 5 Abs. 1 der Aufenthaltsverordnung nicht schon deshalb unzumutbar, einen Pass bei der eritreischen Botschaft zu beantragen, wenn "dem Betroffenen ernsthafter Schaden durch staatliche Behörden drohe".

Dazu müssten erst weitere Umstände wie die Gefährdung von im Herkunftsstaat lebenden Verwandten hinzukommen. Die Zahlung einer "Aufbau- oder Diasporasteuer" in Höhe von zwei Prozent seines Einkommens und die Abgabe einer "Reueerklärung", in der bedauert werden muss, dass man seiner "nationalen Pflicht" nicht nachgekommen sei und dafür eventuell verhängte Strafen akzeptiere, reiche nicht aus.

Das sah das BVerwG nun grundlegend anders und verpflichtete die Ausländerbehörde, dem Mann einen Reisepass auszustellen. Denn es sei dem subsidiär Schutzbedürftigen nicht zuzumuten, eine Erklärung dieses Inhalts gegen seinen ausdrücklich bekundeten Willen abzugeben. Das Gericht wog seine Grundrechte mit den staatlichen Interessen, die auf die Personalhoheit des Herkunftsstaates Rücksicht zu nehmen hätten, ab und entschied zu Gunsten des klagenden Mannes. Denn niemand dürfe zur Erklärung einer Straftat gezwungen werden, auch dann nicht, wenn die Bestrafung dadurch nicht erhöht und das Strafmaß vielleicht sogar verringert würde.

ast/LTO-Redaktion

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

BVerwG zum Ausländerreisepass: . In: Legal Tribune Online, 11.10.2022 , https://www.lto.de/persistent/a_id/49858 (abgerufen am: 16.08.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Asyl- und Ausländerrecht
    • Asyl
    • Aufenthaltsrecht
    • Biometrischer Reisepass
    • Flüchtlinge
    • Grundrechte
    • Menschenrechte
    • Menschenwürde
    • Migration
  • Gerichte
    • Bundesverwaltungsgericht (BVerwG)
Bundesumweltminister Carsten Schneider im Portrait 13.08.2026
Grundgesetz

Umweltminister Schneider will das Grundgesetz ändern:

Mehr Geld vom Bund für den Hit­ze­schutz?

Kommunen sollen Flächen entsiegeln und mehr Schattenplätze schaffen. Umweltminister Carsten Schneider will ihnen dafür Geld vom Bund geben. Doch die Finanzverfassung setzt Grenzen und müsste dafür geändert werden.

Artikel lesen
Außenansicht des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe 31.07.2026
Richter

Verfassungsbeschwerde erfolgreich:

Reni­tente Fami­li­en­rich­terin muss sich keiner ärzt­li­chen Unter­su­chung unter­ziehen

Wegen auffälligen Verhaltens einer Richterin ordnete der LG-Präsident eine ärztliche Untersuchung an. VG und OVG billigten das – das BVerfG widerspricht: Ein hartnäckiger Streit über Gerichtszuständigkeiten trägt keinen Paranoia-Verdacht.

Artikel lesen
Ein ukrainischer Soldat hilft seinem Kameraden den Helm aufzusetzen. 30.07.2026
Ukraine-Krieg

Keine vereinfachte Aufnahme mehr in die EU:

Was ändert sich für wehrpf­lich­tige Ukrainer?

Viele ukrainische Männer wollen nicht im Krieg gegen Russland kämpfen. Sie fliehen unter anderem nach Deutschland. Doch das wird jetzt schwieriger, die vereinfachten Aufnahmeregeln sollen nicht mehr gelten.

Artikel lesen
Eine Person fasst sich an eine elektronische Fußfessel die sich an seinem Knöchel befindet. 28.07.2026
Fußfessel (elektronische)

BGH zur Terrorgefahr:

Fuß­f­essel auch ohne kon­k­reten Anschlags­plan

Ein ausreisepflichtiger Afghane war tief in der radikal-islamischen Szene vernetzt. Wegen Terrorismusverdachts trug er eine Fußfessel. Das OLG nahm sie ihm ab, legte dabei aber einen zu strengen Maßstab an, entschied der BGH.

Artikel lesen
Richter von Aleman, fotografiert von hinten mit Richterrobe, wie er an einem Tisch sitzt 27.07.2026
Richter

Berliner Verwaltungsrichter bedroht:

"Ich hatte Sorge, dass das in Gewalt umschlagen könnte"

Nach seinen Beschlüssen zu Asyl-Zurückweisungen 2025 wurde der Richter Florian von Alemann bedroht. Im Interview sagt er, was sich ändern muss, was er Kollegen rät – und warum er versteht, dass die Politik die Grenzpraxis nicht sofort aufgab.

Artikel lesen
Ein Mitarbeiter vom BAMF Bundesamt für Migration und Flüchtlinge steht im Flughafen Hannover vor Afghaninnen und Afghanen aus den Bundesaufnahmeprogrammen, 20.11.2025. 24.07.2026
Afghanistan

BVerfG rügt aktuelle Bundesregierung:

Pau­schaler Afg­ha­nistan-Auf­nah­me­stopp ver­stößt gegen das Will­kür­verbot

Erfolg in Karlsruhe für eine Afghanin und ihre Söhne: Die Bundesregierung hätte nicht pauschal die Aufnahmeerklärungen im Rahmen der "Menschenrechtsliste" für ungültig erklären dürfen. Ob die Familie ein Visum erhält, ist aber fraglich.

Artikel lesen
lto karriere logo

Deine Karriere beginnt hier.

Registrieren und nie wieder einen Top-Job verpassen

logo lto karriere
Jetzt registrieren bei LTO Karriere

Finde den Job, den Du verdienst 100% kostenlos registrieren und Vorteile nutzen

  • LTO Job Matching: Finde den Job & Arbeitgeber, der zu Dir passt.
  • Jobs per Mail: Verpasse keine neuen Job-Angebote mehr.
  • Easy Apply: Die einfache und schnelle Bewerbung zu Deinem neuen Job.
Das Passwort muss mindestens 8 Zeichen lang sein und mindestens einen Großbuchstaben, einen Kleinbuchstaben, eine Zahl und ein Sonderzeichen enthalten (z.B. #?!@$%^&*-).
Pflichtfeld *

Nur noch ein Klick!

Wir haben Dir eine E-Mail gesendet. Bitte klicke auf den Bestätigungslink in dieser E-Mail, um Deine Anmeldung abzuschließen.

Weitere Infos & Updates einfach und kostenlos direkt ins Postfach.

LTO Karriere Newsletter

Das monatliche Update mit aktuellen Stellenangeboten & Karriere-Tipps.

LTO Daily

Jeden Abend um 18 Uhr die wichtigsten News vom Tag.

LTO Presseschau

Jeden Morgen um 7:30 Uhr die aktuelle Berichterstattung über Recht und Justiz.

Pflichtfeld *

Fertig!

Um die kostenlosen Nachrichten zu beziehen, wechsle bitte nochmal in Dein Postfach und bestätige Deine Anmeldung mit dem Bestätigungslink.

Du willst Dein Bewerberprofil direkt anlegen?

Los geht´s!
ads lto paragraph
lto karriere logo
ads career people

Bereit für Karriere? Spannende Karriere-Chancen für Volljuristen.

Direkt zu passenden Stellen
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von HÄRTING Rechtsanwälte PartGmbB
Part­ne­rin (w|d|m) ge­sucht – Ar­beits­recht

HÄRTING Rechtsanwälte PartGmbB, Ber­lin

Logo von Erzdiöse Freiburg
Rechts­re­fe­rent/-in (w/m/d)

Erzdiöse Freiburg, Frei­burg im Breis­gau

Logo von Skadden, Arps, Slate, Meagher & Flom LLP
As­so­cia­te (m/w/d) Ca­pi­tal Mar­kets

Skadden, Arps, Slate, Meagher & Flom LLP, Frank­furt am Main

Logo von Skadden, Arps, Slate, Meagher & Flom LLP
Re­fe­ren­da­riat (m/w/d)

Skadden, Arps, Slate, Meagher & Flom LLP, Frank­furt am Main

Logo von CMS
Er­fah­re­ne/r Rechts­an­walt (m/w/d) Ar­beits­recht

CMS, Ham­burg

Logo von Redeker Sellner Dahs
Rechts­an­wäl­tin / Rechts­an­walt im Ar­beits­recht mit Be­ruf­s­er­fah­rung (m/w/d) –...

Redeker Sellner Dahs, Bonn

Logo von Skadden, Arps, Slate, Meagher & Flom LLP
Wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­beit (m/w/d)

Skadden, Arps, Slate, Meagher & Flom LLP, Frank­furt am Main

Logo von McDermott Will & Schulte
As­so­cia­te (m/w/d) mit Be­ruf­s­er­fah­rung im Be­reich Li­ti­ga­ti­on

McDermott Will & Schulte, Düs­sel­dorf und 1 wei­te­re

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Logo von Latham & Watkins LLP
Days of Giving Back

10.09.2026, Frankfurt am Main

RVG: Kostenfestsetzung 1 - Grundlagen

17.08.2026

Karriere-Powerworkshops: Souverän sichtbar statt zurückhaltend!

18.08.2026

Logo von Deutsches Anwaltsinstitut e.V.
Schnittstellen Miet- und WEG-Recht: Erprobte Konzepte bei Problemen mit der vermieteten ETW

18.08.2026

Fehlerquellen im Erbschaftsteuerrecht

18.08.2026

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH