Druckversion
Freitag, 10.04.2026, 11:54 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/nachrichten/n/vgh-baden-wuerttemberg-az13s105922-autobahn-seitenstreifen-betriebsausfahrten-journalist-blaulicht-reporter
Fenster schließen
Artikel drucken
53417

VGH verneint Ausnahmegenehmigung für die Autobahn: Blau­licht-Reporter darf nicht auf dem Sei­ten­st­reifen fahren

14.12.2023

Verkehr auf der Autobahn

Keine Privilegierung im Straßenverkehr für Journalisten: Ein Blaulicht-Reporter muss sich an die ganz normalen Straßenverkehrsregeln halten, so das VGH. Foto: AdobeStock/Radmila Merkulova 

Ein Journalist, der über Unfälle auf Autobahnen berichtet, wird nicht privilegiert und muss ich an die ganz normalen Verkehrsregeln halten. Die Pressefreiheit wird dadurch nicht unrechtmäßig beeinträchtigt, so der VGH in Mannheim.

Anzeige

Der Verwaltungsgerichtshof (VGH) Baden-Württemberg hat die Berufungsklage eines Blaulicht-Reporters abgewiesen, der Ausnahmegenehmigungen nach § 46 Straßenverkehrsordnung (StVO) begehrt (Urt. v. 08.11.2023, Az. 13 S 1059/22). Der Mann berichtet über Unfallorte auf Autobahnen und wollte die Ausnahmegenehmigungen haben, um beispielsweise auf Autobahnen den Seitenstreifen befahren oder Betriebsausfahrten nutzen zu dürfen.

Bereits 2020 hatte der Mann beim zuständigen Regierungspräsidium einen Antrag auf die Ausstellung dieser Ausnahmegenehmigungen gestellt. Das Regierungspräsidium hatte den Antrag des Journalisten jedoch abgelehnt und dabei auf Risiken für die Verkehrssicherheit verwiesen, etwa dass der Journalist mit seinem Wagen vor Ort hinderlich für die Rettungskräfte sein oder wichtige Zufahrten blockieren könnte.

Der Mann klagte daraufhin gegen das Land Baden-Württemberg und die Autobahn GmbH des Bundes. Er argumentierte, dass seine Grundrechte (Pressefreiheit, Art. 5 Abs. 1 Grundgesetz (GG), und Berufsfreiheit, Art. 12. Abs. 1 GG) unrechtmäßig eingeschränkt würden, wenn er die Ausnahmegenehmigungen nicht bekäme. Seiner Ansicht nach ist das Ermessen der zuständigen Behörden auf Null reduziert, weshalb ihm die Genehmigungen nach § 46 StVO auszustellen seien.

Keine Ermessensreduktion auf Null, kein milderes Mittel vorhanden

Der VGH hat nun entschieden, dass der Blaulicht-Reporter keinen Anspruch auf Erteilung der beantragten Ausnahmegenehmigungen hat. Eine entsprechende Erteilung stehe im Ermessen der zuständigen Behörden. Der gerichtlichen Prüfung unterliege nur der Ermessenspielraum, so der VGH, und diesbezüglich seien keine fehlerhaften Ermessensausübungen erkennbar. Jedenfalls sei das Ermessen nicht zugunsten des klagenden Journalisten "auf Null reduziert".

Auch sei nicht unrechtmäßig in die Pressefreiheit und die Berufsfreiheit des eingegriffen worden. Eingriffe in diese Grundrechte könnten nämlich durch das ebenfalls geschützte Grundrecht auf Leib und Leben Dritter (Art. 2 Abs. 2 S. 1 GG) gerechtfertigt sein, so der VGH. Wie das Regierungspräsidium bei Versagung der Genehmigungen bereits argumentiert hatte, könnten durch die Sondernutzung des Seitenstreifens oder der Betriebsausfahrten durch den Journalisten erhöhte Gefahren für Unfälle entstehen. Insbesondere besteht auch nach Auffassung des VGH das konkrete Risiko, dass Einsatzkräfte bei der Anfahrt zu Unfallorten behindert werden.

Insgesamt habe das zuständige Präsidium alle grundrechtlich geschützten Interessen sowohl des klagenden Journalistens als auch möglicher Dritter berücksichtigt und umfassend miteinander abgewogen. Es komme im Rahmen der Verhältnismäßigkeitsprüfung auch keine milderes Mittel infrage, beispielsweise eine Markierung des Fahrzeugs des Journalisten.

Revision ließ der VGH nicht zu.

so/LTO-Redaktion

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

VGH verneint Ausnahmegenehmigung für die Autobahn: . In: Legal Tribune Online, 14.12.2023 , https://www.lto.de/persistent/a_id/53417 (abgerufen am: 10.04.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Verwaltungsrecht
    • Verkehrsrecht
    • Öffentliches Recht
    • Auto
    • Grundrechte
    • Journalismus
    • Straßenverkehr
  • Gerichte
    • Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg
Kerzen und Blumenkränze am Unfallort in Moers, 29.04.2019. 08.04.2026
Ausweisung

VG Düsseldorf zum "Raser von Moers":

Aus­wei­sung nach ille­galem Auto­rennen recht­mäßig

Nach einer Verurteilung wegen eines illegalen Autorennens ordnete das Amt die Ausweisung eines Mannes in den Kosovo an. Zu Recht, befand das VG Düsseldorf, und begründete das mit der Rücksichtslosigkeit der Tat.

Artikel lesen
Die Unfallstelle in Ludwigsburg 07.04.2026
Mord

LG Stuttgart zu Raserfall:

Mor­dur­teile nach ille­galem Auto­rennen mit zwei Toten

Nach einem illegalen Autorennen hat das LG Stuttgart die Angeklagten wegen Mordes verurteilt. Zwei unbeteiligte junge Frauen wurden bei dem Rennen getötet.

Artikel lesen
Ein Uber und ein Bolt Fahrzeug 02.04.2026
uber

Essen wollte Preisbremse für Bolt, Uber und Co:

Gericht stoppt Min­dest­preise für Miet­wa­gen­fahrten

Die Stadt Essen wollte das Taxigewerbe schützen und verpflichtete deshalb Mietwagen-Dienste zu Mindestpreisen. Doch das VG Gelsenkirchen hat das Preisdiktat im Eilverfahren vorerst ausgebremst.

Artikel lesen
Zahlreiche Teilnehmer einer Demonstration des Christopher-Street-Day in Dresden. Eine Person hält ein Schild "CSD statt AfD" mit Regenbogenfarben hoch. 31.03.2026
Versammlungen

CSD soll Versammlungseigenschaft verlieren:

Zu viel Party für Politik? Sachsen und Dresden streiten über CSD

Sachsens Landesdirektion versucht seit Jahren, Teilen des CSD die Versammlungseigenschaft zu entziehen. Nun will sie Dresden per Weisung dazu zwingen. Was daran problematisch sein könnte und wie die Dresdener Politik reagiert.

Artikel lesen
Aktenordner zu DUH-Klimaklagen beim BGH 23.03.2026
Klimaschutz

DUH-Klimaklagen scheitern vorm BGH:

Kein Ver­b­renner-Aus für BMW und Mer­cedes ab 2030

Drei Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe wollten in Karlsruhe ein Verbrenner-Aus ab 2030 für zwei deutsche Autohersteller durchsetzen. Der BGH sieht aber einzig den Gesetzgeber in der Verantwortung.

Artikel lesen
Jürgen Habermas 21.03.2026
Rechtsphilosophie

Was junge Juristen von Habermas lernen können:

Recht bejahen und kri­ti­sieren

Um zu verstehen, wie konkret Habermas zum Handeln auffordert, muss man ihm durch sein Werk folgen. Klaus Günther zeigt den Weg von der Theorie der kommunikativen Vernunft zur Bedeutung der Grund- und Menschenrechte in der Demokratie.

Artikel lesen
lto karriere logo

Deine Karriere beginnt hier.

Registrieren und nie wieder einen Top-Job verpassen

logo lto karriere
Jetzt registrieren bei LTO Karriere

Finde den Job, den Du verdienst 100% kostenlos registrieren und Vorteile nutzen

  • LTO Job Matching: Finde den Job & Arbeitgeber, der zu Dir passt.
  • Jobs per Mail: Verpasse keine neuen Job-Angebote mehr.
  • One-Klick Bewerbung: Dein Klick zum neuen Job, einfach und schnell.
Das Passwort muss mindestens 8 Zeichen lang sein und mindestens einen Großbuchstaben, einen Kleinbuchstaben, eine Zahl und ein Sonderzeichen enthalten (z.B. #?!@$%^&*-).
Pflichtfeld *

Nur noch ein Klick!

Wir haben Dir eine E-Mail gesendet. Bitte klicke auf den Bestätigungslink in dieser E-Mail, um Deine Anmeldung abzuschließen.

Weitere Infos & Updates einfach und kostenlos direkt ins Postfach.

LTO Karriere Newsletter

Das monatliche Update mit aktuellen Stellenangeboten & Karriere-Tipps.

LTO Daily

Jeden Abend um 18 Uhr die wichtigsten News vom Tag.

LTO Presseschau

Jeden Morgen um 7:30 Uhr die aktuelle Berichterstattung über Recht und Justiz.

Pflichtfeld *

Fertig!

Um die kostenlosen Nachrichten zu beziehen, wechsle bitte nochmal in Dein Postfach und bestätige Deine Anmeldung mit dem Bestätigungslink.

Du willst Dein Bewerberprofil direkt anlegen?

Los geht´s!
ads lto paragraph
lto karriere logo
ads career people

Bereit für Karriere? Spannende Karriere-Chancen für Volljuristen.

Direkt zu passenden Stellen
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von White & Case
Wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­te­rin / wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter...

White & Case, Düs­sel­dorf und 3 wei­te­re

Logo von Universität Kassel
Wis­sen­schaft­li­che:r Mit­ar­bei­ter:in (m/w/d)

Universität Kassel, Kas­sel

Logo von White & Case
Re­fe­ren­da­rin / Re­fe­ren­dar (m/w/d)

White & Case, Düs­sel­dorf und 3 wei­te­re

Logo von IHK zu Schwerin
Stabs­s­tel­len­lei­tung Recht, Steu­ern und Per­so­nal (m/w/d)

IHK zu Schwerin, Schwe­rin

Logo von Flick Gocke Schaumburg
Rechts­an­walt (m/w/d) Ar­beits­recht / M&A

Flick Gocke Schaumburg, Bonn und 6 wei­te­re

Logo von Bundesamt für Verfassungsschutz
Voll­ju­ris­tin­nen und Voll­ju­ris­ten (m/w/d)

Bundesamt für Verfassungsschutz, Ber­lin

Logo von Freshfields
Re­fe­ren­da­re/ wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ter (m/w/x) - Kar­tell­recht und...

Freshfields, Düs­sel­dorf

Logo von ADVANT Beiten
Re­fe­ren­da­re (w/m/d) – Wirt­schafts­straf­recht / Com­p­li­an­ce

ADVANT Beiten, Düs­sel­dorf

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Fachanwaltslehrgang Transport- und Speditionsrecht im Fernstudium/ online

10.04.2026

Legalthon 2026

18.04.2026, Frankfurt am Main

Verschmelzung und Spaltung von GmbHs

13.04.2026

VPP-Frühjahrsfachtagung 2026

23.04.2026, Dortmund

Gestaltungssichere Umwandlung einer GmbH in eine Personengesellschaft

14.04.2026

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH