Druckversion
Dienstag, 11.08.2026, 16:40 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/nachrichten/n/untersuchungsausschuss-bundestag-breitscheidplatz-anis-amri-zentralisierung-polizei-sicherheit-verfassung-foederalismus
Fenster schließen
Artikel drucken
28691

Untersuchungsausschuss im Bundestag zu Anschlag auf Breitscheidplatz: Zen­tra­li­sie­rung als Ant­wort auf Terror?

17.05.2018

Die Polizeipräsenz auf Weihnachtsmärkten hat deutlich zugenommen

© campre83 - stock.adobe.com

Wie reagiert man auf den Terror und was ist juristisch überhaupt möglich? Um diese Fragen ging es am Donnerstag in der Anhörung des Untersuchungsausschusses zum Anschlag auf den Berliner Breitscheidplatz.

Anzeige

Der Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz im Dezember 2016 hat den islamistischen Terrorismus nach Deutschland gebracht. Doch veränderte sich damit nicht nur das Bedrohungsgefühl vieler Bürger, auch die sicherheitspolitische Diskussion gewann plötzlich an neuem Schwung.

Der Untersuchungsausschuss im Bundestag, der die Vorkommnisse rund um den Anschlag und die mangelhafte Überwachung des Terroristen Anis Amri aufarbeiten soll, befasste sich in einer Sachverständigenanhörung am Donnerstag nun mit der Frage: Wie kann so etwas künftig verhindert werden?

Die Meinungen darüber gingen, nicht zuletzt juristisch, deutlich auseinander. So erklärten einige der geladenen Experten eine stärkere Zentralisierung für geboten und auch verfassungsrechtlich machbar. Der Mainzer Staatsrechtler Matthias Bäcker sah zum Beispiel keine allzu hohen Hürden für eine Ausweitung der Bundes-Befugnisse. Es gebe für eine striktere Koordinierung zwischen Bund und Ländern und sogar "partielle Zentralisierung" der Terrorabwehr "erhebliche Spielräume", erklärte Bäcker.

Juristen uneins über verfassungsrechtliche Zulässigkeit weiterer Zentralisierung

Die Strafverfolgungsbefugnis von Bundeskriminalamt und Bundesanwaltschaft bietet nach seiner Ansicht eine ausreichende Handhabe, um strafrechtliche Instrumente "sehr weit beim Bund zu zentralisieren". Doch auch im Bereich der Prävention könnten die Kompetenzen des Bundeskriminalamtes gegenüber den Landesbehörden ausgeweitet werden. Ein einheitliches Verfahren zur Identifizierung von Gefährdern sei länderübergreifend mittlerweile vereinbart, doch auch eine reine Bundeskompetenz sei hier denkbar, so Bäcker.

Anders sah dies sein Bayreuther Kollege Heinrich Amadeus Wolff, der meinte, die Gesetzesnovellen der vergangenen Jahre hätten die Befugnisse des Bundes schon "bis an die Grenze des verfassungsrechtlich Zulässigen" ausgeweitet. Nach Ansicht des Freiburger Staatsrechtlers Benjamin Rusteberg indes lagen die Gründe für das Versagen der Sicherheitsbehörden bei dem Anschlag in Berlin ohnehin ganz woanders. So sei vor allem die völlig unterschiedliche IT-Ausstattung der Bundes- und Landesbehörden eine gefährliche Fehlerquelle bei der Übertragung von Daten.

In die gleiche Kerbe schlug auch der ehemalige Vizepräsident des Bundeskriminalamts Jürgen Maurer. Zudem lobte er die Grundprinzipien des Förderalismus, an denen auch in einer solchen Krise nicht gerüttelt werden dürfe.

Ein anderer renommierter Vertreter der Sicherheitsbehörden, der ehemalige Chef der Berliner Landespolizeischule Otto Dreksler, trat dem entgegen und plädierte für die Abschaffung der Verfassungsschutzbehörden auf Landesebene, die eine "enorme Bremswirkung" bei der Ermittlungsarbeit hätten. Die förderale Sicherheitsstruktur sei den modernen Anforderungen von radikalislamischem Terrorismus nicht mehr gewachsen.

mam/LTO-Redaktion

Anzeige
  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

Untersuchungsausschuss im Bundestag zu Anschlag auf Breitscheidplatz: . In: Legal Tribune Online, 17.05.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/28691 (abgerufen am: 11.08.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Polizei- und Ordnungsrecht
    • Staatsrecht und Staatsorganisationsrecht
    • Anti-Terror-Gesetze
    • Bundestag
    • Innere Sicherheit
    • Terrorismus
    • Untersuchungsausschuss
Eine Drohne vom Typ Falke A1 Argus Interceptor der Heimatschutzdivision der Bundeswehr, fliegt am Himmel. Im Vordergrund steht ein Bundeswehrsoldat. 10.08.2026
Drohnen

Nach Vorfall am Leipziger Flughafen:

Wer ver­tei­digt Deut­sch­land gegen Drohnen?

Wer ist zuständig? Wer hat überhaupt die technischen Fähigkeiten? Und sollte die Bundeswehr im Inneren mehr unterstützen dürfen? Die kontroverse Debatte um die Luftverteidigung ist trotz neuer Regelungen wieder in vollem Gange. Der Überblick.

Artikel lesen
Der Angeklagte Farhad N. (3.v.l.) steht zu Prozessbeginn mit seinen Anwälten Ömer Sahinci (l) und Johann Bund (2.v.l.) im Prozesssaal. 06.08.2026
Extremismus

OLG München:

Lebens­lange Haft nach Auto-Anschlag auf Verdi-Demo

Farhad N., der 2025 mit seinem Auto in eine Demonstration in München raste und zwei Menschen tötete, muss lebenslang ins Gefängnis. Das Gericht sieht ein islamistisches Motiv und stellte die besondere Schwere der Schuld fest.

Artikel lesen
Die Angeklagten stehen im Sitzungssaal im Strafjustizgebäude in Hamburg 05.08.2026
Rechtsextremismus

Hanseatisches Oberlandesgericht:

Haft­strafen im Pro­zess gegen "Letzte Ver­tei­di­gungs­welle"

Seit März standen in Hamburg mutmaßliche Mitglieder der rechten Terrorgruppe "Letzte Verteidigungswelle" vor Gericht. Weil sie so jung sind, war die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Nun hat das Hanseatische OLG Haftstrafen verhängt.

Artikel lesen
Ein Strafgesetzbuch liegt auf einer Ausgabe des Jugendgerichtsgesetzes 05.08.2026
Jugendkriminalität

Debatte ums Jugendstrafrecht:

Kommt die Reform früher als geplant?

Eine vom BMJV in Auftrag gegebene Studie soll bis 2028 herausfinden, ob bei Heranwachsenden nur noch im Ausnahmefall das Jugendstrafrecht zur Anwendung kommen soll. Nach dem CSD-Anschlag wächst der Druck. Kommt die Reform deshalb früher?

Artikel lesen
Ein Polizist steht am Eingang zur Kleingartenkolonie Burgwallschanze in Berlin-Spandau 05.08.2026
Polizei

Tödlicher Polizeieinsatz nach dem Berliner CSD-Anschlag:

Warum musste Abdul Bal­lout sterben?

Die Erschießung von Abdul Ballout erschwert die Ermittlungen zum CSD-Anschlag. Die vier abgegebenen Schüsse werfen Fragen auf, doch Polizei und Staatsanwaltschaft verweigern LTO Antworten. Was sagt ein Polizeiexperte zu derartigen Einsätzen?

Artikel lesen
Tiergaren, Polizeieinsatz am Tatort nach CSD-Anschlag 01.08.2026
Podcast

CSD-Anschlag / BVerfG zu Abgeordnetenrechten / Komplott am IStGH?:

Jus­tiz­ver­sagen im Fall Abdul Bal­lout?

Hat die Justiz beim CSD-Anschlag versagt, wie schnell darf der Bundestag Gesetze beschließen? Und steckt hinter der Absetzung von IStGH-Chefankläger Karim Khan ein Komplott? All das in Folge 65 der LTO-Rechtslage.

Artikel lesen
lto karriere logo

Deine Karriere beginnt hier.

Registrieren und nie wieder einen Top-Job verpassen

logo lto karriere
Jetzt registrieren bei LTO Karriere

Finde den Job, den Du verdienst 100% kostenlos registrieren und Vorteile nutzen

  • LTO Job Matching: Finde den Job & Arbeitgeber, der zu Dir passt.
  • Jobs per Mail: Verpasse keine neuen Job-Angebote mehr.
  • Easy Apply: Die einfache und schnelle Bewerbung zu Deinem neuen Job.
Das Passwort muss mindestens 8 Zeichen lang sein und mindestens einen Großbuchstaben, einen Kleinbuchstaben, eine Zahl und ein Sonderzeichen enthalten (z.B. #?!@$%^&*-).
Pflichtfeld *

Nur noch ein Klick!

Wir haben Dir eine E-Mail gesendet. Bitte klicke auf den Bestätigungslink in dieser E-Mail, um Deine Anmeldung abzuschließen.

Weitere Infos & Updates einfach und kostenlos direkt ins Postfach.

LTO Karriere Newsletter

Das monatliche Update mit aktuellen Stellenangeboten & Karriere-Tipps.

LTO Daily

Jeden Abend um 18 Uhr die wichtigsten News vom Tag.

LTO Presseschau

Jeden Morgen um 7:30 Uhr die aktuelle Berichterstattung über Recht und Justiz.

Pflichtfeld *

Fertig!

Um die kostenlosen Nachrichten zu beziehen, wechsle bitte nochmal in Dein Postfach und bestätige Deine Anmeldung mit dem Bestätigungslink.

Du willst Dein Bewerberprofil direkt anlegen?

Los geht´s!
ads lto paragraph
lto karriere logo
ads career people

Bereit für Karriere? Spannende Karriere-Chancen für Volljuristen.

Direkt zu passenden Stellen
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von Gleiss Lutz
Wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­beit (m/w/d) Health­ca­re/Öf­f­ent­li­ches Recht

Gleiss Lutz, Ber­lin

Logo von PwC Legal AG
Ju­ris­ti­scher Mit­ar­bei­ter Tax & Le­gal (w/m/d)

PwC Legal AG, Mün­chen

Logo von PwC Legal AG
Ju­ris­ti­scher Mit­ar­bei­ter Tax & Le­gal (w/m/d)

PwC Legal AG, Han­no­ver

Logo von PwC Legal AG
Ju­ris­ti­scher Mit­ar­bei­ter Tax & Le­gal (w/m/d)

PwC Legal AG, Ham­burg

Logo von PwC Legal AG
Ju­ris­ti­scher Mit­ar­bei­ter Tax & Le­gal (w/m/d)

PwC Legal AG, Ber­lin

Logo von Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen
Voll­ju­rist (m/w/d) Bau- und Im­mo­bi­li­en­recht

Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen, Wies­ba­den

Logo von Aderhold Rechtsanwaltsgesellschaft mbH
Rechts­an­walt (m/w/d) im Be­reich Ar­beits­recht

Aderhold Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, Dort­mund und 1 wei­te­re

Logo von FernUniversität Hagen
Wis­sen­schaft­li­che*n Mit­ar­bei­ter*in (w/m/d) am Lehr­stuhl für Bür­ger­li­ches...

FernUniversität Hagen, Ha­gen

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Green Claims: Umweltaussagen rechtssicher gestalten

11.08.2026

PraxisRadar Verkehrsrecht

11.08.2026

23. Landesanwaltstag Sachsen-Anhalt 2026

28.08.2026, Merseburg

Aktuelles zur Erbschaft-/Schenkungsteuer und Bewertung

11.08.2026

EU AI Act Compliance im Griff – Schritt für Schritt zur Umsetzung

11.08.2026

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH