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19569

Leiter der Freshfields-Untersuchung zur WM 2006: "Der DFB hat sich seitdem ver­än­dert"

von Pia Lorenz

07.06.2016

Deutschland-Fans beim Public Viewing

© www.gg24.de - Fotolia.com

Über fünf Millionen Euro Anwaltskosten nennt auch er einen "substanziellen Betrag". Aber der DFB wusste, wofür er den bezahlt, erklärt Christian Duve. Und erzählt, wie er mit 42 Anwälten das deutsche Sommermärchen aufarbeitete.

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LTO: Sie haben dem Deutschen Fußballbund (DFB) für Ihre Untersuchung  der Finanzierung und Vergabe die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland nun die gesamte Honorarabrechnung präsentiert, nach eigenen Angaben muss der Verband neben den bereits im Kalenderjahr 2015 gezahlten 2,21 Millionen Euro netto weitere 2,9 Millionen Euro netto aufwenden. Herr Professor Duve, war von Anfang an klar, dass das Freshfields-Mandat so kostspielig werden würde für den DFB?

Duve: Denken Sie an den Zeitpunkt im vergangenen Oktober zurück, als die Vorwürfe gegen den DFB bekannt wurden. Damals stand die Reputation der Organisation und führender Vertreter des DFB ‎in Frage. Die Öffentlichkeit forderte von dem Verband eine umfassende Aufklärung. Diesen Forderungen hat der DFB durch die Einleitung einer unabhängigen Untersuchung entsprochen. Und er war auch bereit, dafür einen substanziellen Betrag zu zahlen.

Mehr als 30 Gespräche von Niersbach bis Beckenbauer

LTO: Wie muss man sich eine solche Korruptionsuntersuchung vorstellen? Werten Sie "nur" Akten aus oder führen Sie Interviews? Wie viele Personen waren beteiligt? Wie zeitaufwändig ist ein solcher Einsatz?

Duve: Mit einem Team aus 42 Anwälten haben wir auf der Basis des umfassenden Prüfauftrags 740 Aktenordner und 128.000 Mails ausgewertet. Daneben haben wir natürlich auch ‎einige Interviews geführt.

Insgesamt waren es mehr als dreißig Gespräche, insbesondere mit Personen, die sich maßgeblich für die WM-Bewerbung und Organisation eingesetzt haben. Dazu gehörten zum Beispiel der damalige DFB-Präsident Wolfgang Niersbach ebenso wie sein Vorgänger Theo Zwanziger, aber auch Franz Beckenbauer und Günter Netzer.

Projektmanagement, wirtschaftliches Know-How & detektivischer Ehrgeiz

LTO: Warum haben Sie die Federführung übernommen? Und wie stellt man das Team für ein solches Mega-Mandat zusammen, an dem doch sicherlich viele Kollegen mitarbeiten wollten. Welche Qualifikationen waren dafür nötig?

Duve: Wir haben das Team so zusammengestellt, dass wir dort,  soweit möglich, sämtliche relevanten Kenntnisse und Erfahrungen zusammenführen. Dazu gehörten zum Beispiel die Expertise für die Auswertung von Daten und das Projektmanagement ebenso wie Kenntnisse über die Verbuchung von Zahlungen, Angaben in Jahresabschlüssen oder Steuererklärungen oder auch die Einordnung von Vertragstypen.

Wichtig waren aber auch etwas detektivischer Ehrgeiz sowie das gemeinsame Aufspüren und Verfolgen von Tatsachen. Neben vielen, die eigentlich erwähnt werden müssten, haben meine Freshfields-Partner Martina de Lind van Wijngaarden und Ulf Johannemann maßgeblich dazu beigetragen, dass das Team hervorragend zusammengewirkt hat.
Für meinen Beitrag waren die Erfahrung in der Aufklärung komplexer Sachverhalte, die Koordination der Untersuchungs-Aktivitäten unserer Sozietät in Deutschland in den vergangenen Jahren wie auch meine Erfahrungen aus der Fußball-Branche und der Sportschiedsgerichtsbarkeit hilfreich.

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  • Seite 1:

    42 Anwälte, 128.000 Mails & 740 Aktenordner

  • Seite 2:

    Teil der Unternehmensrealität – und damit der anwaltlichen Tätigkeit

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Zitiervorschlag

Pia Lorenz, Leiter der Freshfields-Untersuchung zur WM 2006: . In: Legal Tribune Online, 07.06.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/19569 (abgerufen am: 12.12.2025 )

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