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EuGH zu Widerrufsrecht bei Lernplattform-Abonnements: Kein neues Wider­rufs­recht nach kos­ten­loser Test­phase

06.10.2023

Installation der mobilen App der Homeschooling-Plattform "Sofatutor"

Das Angebot von "Sofatutor" wird nach kostenloser Testphase automatisch kostenpflichtig. Ein weiteres Widerrufsrecht braucht es nicht, so der EuGH. Foto: picture alliance / Eibner-Pressefoto | Fleig / Eibner-Pressefoto

Kündigen Verbraucher ein kostenloses Abo nicht innerhalb der Testphase, geht dieses oft automatisch in ein kostenpflichtiges Abo über. Die Frage, ob dann noch ein Widerruf möglich ist, hat nun der EuGH entschieden.

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Ein Verbraucher darf ein im Fernabsatz abgeschlossenes Abo, das anfangs kostenlos ist und sich automatisch verlängert, nur ein einziges Mal widerrufen. Nach Übergang in die kostenpflichte Phase entsteht kein erneutes Widerrufsrecht. Das hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) am Donnerstag entschieden (Urt. v. 05.10.2023, Az. C-565/22). Anderes gilt hingegen, wenn der Verbraucher bei Vertragsschluss nicht hinreichend über die Gesamtkosten des Abonnements informiert wurde.

Dem Urteil des EuGH liegt ein Rechtsstreit zwischen dem österreichischen Verein für Konsumenteninformation (VKI) und dem Unternehmen Sofatutor zugrunde. Die Sofatutor GmbH ist Betreiberin einer Internet-Lernplattform für Schülerinnen und Schüler der Primär- und Sekundärstufen in Österreich.

Im Zentrum der rechtlichen Auseinandersetzung vor dem österreichischen Obersten Gerichtshof stehen die den Aboverträgen zugrundeliegenden Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) von Sofatutor. Diese sehen vor, dass ein Abonnement bei erstmaliger Buchung 30 Tage ab Vertragsschluss kostenlos getestet und während dieser Zeit jederzeit fristlos gekündigt werden kann. Nach Ablauf der 30-tägigen Testphase wird das Abonnement für die Schüler kostenpflichtig und die bei Vertragsabschluss vereinbarte bezahlte Abonnementlaufzeit beginnt zu laufen. Läuft der kostenpflichtige Abonnementzeitraum ab, ohne dass eine Kündigung erfolgt ist, verlängert sich das Abo automatisch auf bestimmte Zeit.

Grundsätzlich nur einmaliges Widerrufsrecht

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) wendet sich gegen diese AGB. Dem Verbraucher stehe ein Widerrufsrecht nicht nur deswegen zu, weil er das 30-tägige kostenlose Testabonnement abgeschlossen hat, auch aufgrund der Umwandlung des Test-Abos in ein kostenpflichtiges Abonnement und dessen Verlängerung müssten Verbraucherinnen und Verbraucher ein Recht auf Widerruf erhalten.

Auf Vorlage des österreichischen Obersten Gerichtshofs hatte nun der EuGH zu entscheiden, ob das Europarecht ein erneutes Widerrufsrecht bei Übergang zu einem kostenpflichtigen Abo verlangt. 

Der EuGH weist in seinem Urteil zunächst darauf hin, dass Verbraucher nach Art. 9 Abs. 1 der Richtlinie innerhalb von 14 Tagen nach Abschluss eines Fernabsatz- oder eines außerhalb von Geschäftsräumen geschlossenen Vertrages diesen ohne Angabe von Gründen widerrufen können. Möchte der Verbraucher sein Widerrufsrecht ausüben, muss er den Unternehmer vor Ablauf dieser Frist über seinen Entschluss informieren.

Wird der Verbraucher beim Abschluss eines Vertrags vollumfänglich über die nach Ende der Testphase entstehenden Kosten informiert, und ändern sich die dem Verbraucher bei Vertragsschluss mitgeteilten Vertragsbedingungen nach Umwandlung des Vertrags in ein kostenpflichtiges Abo nicht, stehe dem Verbraucher kein erneutes Widerrufsrecht zu, so der EuGH.

Erneutes Widerrufsrecht bei unzureichender Informierung über Kosten

Dies begründet der Gerichtshof mit den Zielen des Widerrufsrechts bei Fernabsatzverträgen. Diese bezweckten den Verbrauchern eine Bedenkzeit einräumen, sowie die Möglichkeit Ware oder Dienstleistung zu prüfen. Nach dem EuGH gibt es also keinen Grund dafür, den Verbrauchern erneut ein Widerrufsrecht bei Übergang in die Kostenpflichtigkeit einzuräumen, da bereits zuvor das Produkt getestet werden konnte.

Dem Verbraucher steht jedoch dann ein neuerliches Widerrufsrecht zu, wenn er bei Abschluss des Fernabsatzvertrages nicht klar, verständlich und ausdrücklich darüber informiert wurde, dass das Abonnement nach einem kostenlosen Anfangszeitraum kostenpflichtig wird, urteilt der EuGH. In diesem Fall sei der Verbraucher nämlich nicht in der Lage, bei Abschluss des kostenlosen Abos in Kenntnis der Sachlage frei zu entscheiden.

Auch wenn eine Umwandlung oder Verlängerung des Abonnements zu einer Änderung der Vertragsbedingungen führe, entstünde ein erneutes Widerrufsrecht.

mw/LTO-Redaktion

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EuGH zu Widerrufsrecht bei Lernplattform-Abonnements: . In: Legal Tribune Online, 06.10.2023 , https://www.lto.de/persistent/a_id/52862 (abgerufen am: 13.01.2026 )

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