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Unzählige Nachrichten an die Ex-Partnerin: Ver­fahren gegen Experten für toxi­sche Bezie­hungen ein­ge­s­tellt

14.02.2024

Mann stellt Frau in dunkler Gasse nach (Symbolbild)

Vor Gericht kam heraus, dass der Mann selbst das Opfer war. Foto: Firn/Adobe.stock.com

Am Valentinstag stand in Wuppertal ein Mann vor Gericht, der seiner Ex-Partnerin nachgestellt haben soll. Die Ironie: Er ist selbst ernannter Experte in Sachen toxische Beziehungen. Das Verfahren wurde mittlerweile aber eingestellt.

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In toxischen Beziehungen wird manipuliert, gelogen und bedroht. Betroffene können sich gegenseitig zur Seite stehen und in Selbsthilfegruppen über ihre Erfahrungen sprechen. Ausgerechnet der Gründer einer solchen Selbsthilfegruppe muss sich nun aber selbst vor Gericht verantworten. Der Vorwurf dürfte im Beispielkatalog toxischer Verhaltensweisen weit oben aufgeführt sein: Stalking.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 52-Jährigen Nachstellung im besonders schweren Fall vor (§ 238 Abs. 2 Strafgesetzbuch). Der Mann soll seiner ehemaligen Lebensgefährtin massenhaft Textnachrichten und Mails geschickt haben. Außerdem soll er laut Anklage versucht haben, sie bei der Kita ihres gemeinsamen Sohnes und ihrem Arbeitgeber in Misskredit zu bringen. Doch beim Prozessauftakt am Mittwoch am Amtsgericht (AG) Wuppertal präsentierte er sich als das eigentliche Opfer.

Wer war der toxische Part in der Beziehung?

Anderthalb Jahre lang habe er ihr nachgestellt, unzählige Nachrichten geschrieben und ihr das Leben zur Hölle gemacht, berichtete die Frau. Durch das Stalking habe sie eine posttraumatische Belastungsstörung erlitten. Das Paar habe sich 2018 im Internet kennengelernt. Nach der Geburt ihres gemeinsamen Sohnes sei es aber zu Problemen in der Beziehung gekommen, es folgte die Trennung. Ab diesem Zeitpunkt habe dann das Stalking begonnen, sagte die Frau. Ihr Ex-Partner habe sie sogar bei ihrem Arbeitgeber des Diebstahls bezichtigt.

Laut dem Angeklagten liegt die Sache aber genau andersherum. Er habe die Beziehung beendet. Seine ehemalige Lebensgefährtin sei diejenige gewesen, die ihn immer wieder kontaktiert und unter Druck gesetzt habe: "Wenn du nicht zu mir zurückkommst, dann wirst du deinen Sohn nicht mehr sehen", habe sie ihm geschrieben. Die Beziehung sei toxisch und fürchterlich gewesen.

Es sei der "pure Horror", den er erlebt habe, behauptete der Angeklagte. Hunderte Nachrichten habe er von ihr. Sie sei verletzt gewesen, weil sie keine Macht mehr über ihn gehabt habe. Mittlerweile wisse er, dass das typisch für toxische Beziehungen sei. Er habe nämlich eine Selbsthilfegruppe für toxische Beziehungen gegründet, um mit seiner eigenen klarzukommen.

Im Prozess stand es damit zunächst Aussage gegen Aussage. 

Verfahren gegen den Mann eingestellt

Der Angeklagte übergab dem Gericht noch umfangreiches Material, das seine Sicht der Dinge stützte. Er hatte zahlreiche Chatverläufe dokumentiert. Das überzeugte das Gericht. Am 15.04.2024 sprach ihn das AG Wuppertal frei.

Die Ex-Partnerin als Nebenklägerin sowie die Staatsanwaltschaft legten dagegen Berufung ein. Am 3. Januar 2025 wurde das Verfahren schließlich eingestellt.*

dpa/lmb/LTO-Redaktion

*Aktualisiert am 22.01.2025, 11:15 (Red.).

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Unzählige Nachrichten an die Ex-Partnerin: . In: Legal Tribune Online, 14.02.2024 , https://www.lto.de/persistent/a_id/53873 (abgerufen am: 20.01.2026 )

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