Druckversion
Samstag, 18.04.2026, 18:18 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/kanzleien-unternehmen/k/diesel-abgas-strafprozess-muenchen-rupert-stadler-w5kls64js2272419-audi
Fenster schließen
Artikel drucken
51630

Diesel-Prozess in München: Ex-Audi-Chef Stadler ver­han­delt über Geständnis

25.04.2023

Rupert Stadler

Rupert Stadler im Gerichtssaal der JVA München-Stadelheim. Bild: picture alliance/EPA-EFE | LUKAS BARTH-TUTTAS

Der erste Strafprozess um geschönte Abgaswerte bei Dieselautos läuft seit zweieinhalb Jahren - nun kommt Bewegung in das Verfahren. Drei Angeklagte haben inzwischen gestanden, der prominenteste überlegt noch.

Anzeige

Der ehemalige Audi-Chef Rupert Stadler verhandelt im Prozess um manipulierte Abgaswerte bei Dieselautos über ein Geständnis. Das Landgericht München II hatte ihm bei einem umfassenden Geständnis eine Bewährungsstrafe zwischen eineinhalb und zwei Jahren in Aussicht gestellt. Die Staatsanwaltschaft "könnte damit leben", sofern Stadler eine Bewährungsauflage in Millionenhöhe zahlt, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Weickert am Dienstag. Auch Stadlers Verteidiger äußerten "grundsätzliches Interesse, das Verfahren zum Abschluss zu bringen". Für den Nachmittag sei ein weiteres Gespräch mit ihnen und der Staatsanwaltschaft geplant, sagte der Richter.

Nach vorläufiger Einschätzung der Wirtschaftsstrafkammer dürfte Stadler spätestens im Juli 2016 erkannt haben, dass die Abgaswerte von Dieselautos manipuliert gewesen sein könnten. Er hätte der Sache auf den Grund gehen und die Handelspartner informieren müssen. Stattdessen habe er den Verkauf der Autos weiter geduldet und sich damit des Betrugs durch Unterlassen schuldig gemacht.

Früherer Chefentwickler legt Geständnis ab

Der langjährige Chef der Audi-Motorenentwicklung und spätere Porsche-Vorstand Wolfgang Hatz legte am Dienstag im Prozess ein Geständnis ab, obwohl die Staatsanwaltschaft die vom Gericht vorgeschlagene Verständigung in seinem Fall ablehnte. Er habe die Ausgestaltung der Software veranlasst, mit der die Stickoxid-Grenzwerte zwar auf dem Prüfstand eingehalten wurden, aber nicht mehr auf der Straße. Damit konnte sich der Autobauer den nachträglichen Einbau größerer Adblue-Tanks für die Abgasreinigung sparen. Er habe die Möglichkeit erkannt und hingenommen, dass unzulässige Abschalteinrichtungen eingebaut wurden, erklärte Hatz in dem von seinem Verteidiger verlesenen Geständnis.

Das Gericht hatte für Hatz bei einem umfassenden Geständnis eine Bewährungsstrafe mit Zahlung von 400.000 Euro vorgeschlagen. Hatz' Verteidiger stimmten zu, aber die Staatsanwaltschaft forderte eine Haftstrafe ohne Bewährung. Denn Hatz sei in sehr hoher Position für einen beträchtlichen Schaden verantwortlich, das Geständnis komme sehr spät.

Stadler und Hatz hatten mehrere Monate in Untersuchungshaft gesessen und in dem schon zweieinhalb Jahre lang dauernden Prozess bislang ihre Unschuld beteuert. Stadler hatte gesagt, seine Techniker hätten ihn hinters Licht geführt. Hatz hatte argumentiert, als die Manipulationen anfingen, habe er Audi schon verlassen gehabt.

Verfahren gegen Kronzeugen ist bereits eingestellt

Zwei mitangeklagte leitendende Audi-Ingenieure hatten dagegen schon 2020 gestanden. Im Verfahren gegen den Ingenieur Giovanni P. verkündete das Gericht am Dienstag eine Verständigung: In Absprache mit Staatsanwaltschaft und Verteidigung soll er bei Zahlung von 50.000 Euro an die Staatskasse und an gemeinnützige Organisationen zu einer Bewährungsstrafe zwischen anderthalb und zwei Jahren verurteilt werden. Das Verfahren gegen den anderen angeklagten Ingenieur, der als Kronzeuge aufgetreten war, hatte das Gericht vor drei Wochen eingestellt. 

Bei einer Verurteilung, auch bei Bewährungsstrafen, müssen die Angeklagten die Gerichtskosten tragen - nach Angaben eines Anwalts jeweils hohe sechsstellige Beträge. Staatsanwalt Nico Petzka begründete die Forderung nach einer Bewährungsauflage in Millionenhöhe für Stadler auch mit dessen Millioneneinkommen als Vorstandschef 2016 und 2017. Richter Weickert zitierte aus einer Mitteilung seines Verteidigers Thilo Pfordte an das Gericht, wonach Stadler zwei Häuser und elf Eigentumswohnungen in Ingolstadt und München und ein Bankguthaben von 1,3 Millionen Euro besitze, aber auch sehr hohe Kreditschulden habe.

dpa/sts/LTO-Redaktion

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

Diesel-Prozess in München: . In: Legal Tribune Online, 25.04.2023 , https://www.lto.de/persistent/a_id/51630 (abgerufen am: 20.04.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Strafrecht
    • Abgasaffäre
    • Auto
    • Strafprozess
    • Unternehmen
  • Gerichte
    • Landgericht München II
Anna Lissner 17.04.2026
Most Wanted

Köpfe:

LTO Most Wanted mit Anna Lissner

"Medienrechtliche Beratung besteht nicht darin, Risiken zu vermeiden, sondern sie bewusst zu tragen", sagt Anna Lissner. Sie übt Kritik an § 32 ZPO und erklärt, warum sie oft vergeblich auf den pünktlichen Feierabend hofft.

Artikel lesen
August Hanning, der ehemalige Präsident des Bundesnachrichtendienstes in Anzug und Kravatte 15.04.2026
Christina Block

Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Ermittler im Block-Prozess:

Ex-BND-Chef Han­ning mit schweren Vor­würfen gegen Ham­burger Justiz

Der Block-Prozess zieht weite Kreise, ermittelt wird sogar mit verdecktem Ermittler gegen einen Ex-BND-Chef. Der zeigt sich empört und hat Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Hamburger Justizmitarbeiter eingelegt. Fundiert oder reine PR? 

Artikel lesen
Die LaFarge-Fabrik in der syrischen Wüste 13.04.2026
Unternehmen

Zementhersteller zahlte Millionenbeträge an Terroristen:

Lafarge und acht Ex-Mit­ar­beiter ver­ur­teilt

Zementhersteller Lafarge zahlte fünf Millionen Euro an bewaffnete Gruppen, um während des Bürgerkriegs in Syrien produzieren zu können. Ein Pariser Gericht verurteilte das Unternehmen und Ex-Mitarbeiter nun wegen Terrorismusfinanzierung.

Artikel lesen
Inka Brunn 09.04.2026
Most Wanted

Köpfe:

LTO Most Wanted mit Inka Brunn

Inka Brunn beschreibt, was sie an Jura reizt, erklärt ihren Job bei Rocket Internet mit 50 Wörtern und verrät, warum sie nicht mehr in der Großkanzlei arbeitet.

Artikel lesen
Kerzen und Blumenkränze am Unfallort in Moers, 29.04.2019. 08.04.2026
Ausweisung

VG Düsseldorf zum "Raser von Moers":

Aus­wei­sung nach ille­galem Auto­rennen recht­mäßig

Nach einer Verurteilung wegen eines illegalen Autorennens ordnete das Amt die Ausweisung eines Mannes in den Kosovo an. Zu Recht, befand das VG Düsseldorf, und begründete das mit der Rücksichtslosigkeit der Tat.

Artikel lesen
Die Unfallstelle in Ludwigsburg 07.04.2026
Mord

LG Stuttgart zu Raserfall:

Mor­dur­teile nach ille­galem Auto­rennen mit zwei Toten

Nach einem illegalen Autorennen hat das LG Stuttgart die Angeklagten wegen Mordes verurteilt. Zwei unbeteiligte junge Frauen wurden bei dem Rennen getötet.

Artikel lesen
ads lto paragraph
ads Transfermarkt people
lto karriere transfermarkt logo

Ihre Transfermeldung – Sichtbar. Relevant. Reichweitenstark.

Jetzt eintragen!
ads lto paragraph
ads lto arrow
lto karriere transfermarkt logo

Den nächsten Karriereschritt feiern – mit einer Meldung im LTO Transfermarkt.

Jetzt eintragen!
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von Hengeler Mueller
Rechts­an­wäl­te (m/w/d) im Be­reich ­E­n­er­gie­recht / Er­neu­er­ba­re En­er­gi­en /...

Hengeler Mueller, Düs­sel­dorf

Logo von Flick Gocke Schaumburg
Steu­er­be­ra­ter (m/w/d) In­ter­na­tio­na­le Be­steue­rung /...

Flick Gocke Schaumburg, Bonn und 3 wei­te­re

Logo von Wolters Kluwer
Ju­ra­stu­dent für LTO-News­desk / Re­dak­ti­on (m/w/d)

Wolters Kluwer, Hürth und 1 wei­te­re

Logo von Freshfields
As­so­cia­te (m/w/x) – in al­len Pra­xis­grup­pen mit Pro­gram­mier­er­fah­rung

Freshfields, Frank­furt am Main

Logo von Taylor Wessing
Re­fe­ren­dar (w/m/d)

Taylor Wessing, Ber­lin

Logo von Hengeler Mueller
Rechts­an­wäl­te (m/w/d) im Be­reich ­E­n­er­gie­recht / Er­neu­er­ba­re En­er­gi­en /...

Hengeler Mueller, Frank­furt am Main

Logo von Leibniz Universität Hannover
Wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­beit (Pro­mo­ti­ons­s­tel­le) auf dem Ge­biet des...

Leibniz Universität Hannover, Han­no­ver

Logo von DLA Piper UK LLP
Wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter (m/w/x) Mün­chen

DLA Piper UK LLP, Mün­chen

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Logo von GvW Graf von Westphalen
DigiTalks: Laptop auf, Büro zu? – Arbeitsrecht in der digitalen Arbeitswelt

29.04.2026

Digital-Dialog Grunderwerbsteuer

29.04.2026

Neuere Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zum Verkehrsstrafrecht

29.04.2026, Hamburg

Update Datenschutzrecht 2026

29.04.2026

So gehen Sie mit Presse und Medien im Gerichtsalltag um

29.04.2026

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH