Druckversion
Freitag, 5.12.2025, 17:38 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/justiz/j/arbeitsgruppe-modernisierung-zivilprozess-diskussionspapier-zivilrichtertag-zpo-rechtspolitik-bmjv-jumiko-2020
Fenster schließen
Artikel drucken
43924

Richter-Arbeitsgruppe legt Papier vor: Auf dem Weg zur Moder­ni­sie­rung des Zivil­pro­zesses

07.01.2021

Online-Justiz (Symbol)

grapestock - stock.adobe.com

Bürgerfreundlicher, effizienter und ressourcenschonender: Pünktlich zum Zivilrichtertag im Februar hat eine Arbeitsgruppe ihr Diskussionspapier zur "Modernisierung des Zivilprozesses" vorgelegt. Sieht so die Zukunft der ZPO aus? 

Anzeige

Bereits im Vorfeld waren wesentliche Punkte bekannt geworden, nun ist das Papier zur Zukunft des Zivilprozesses aber offiziell fertiggestellt. Die von den Präsidentinnen und Präsidenten der Oberlandesgerichte (OLG), des Kammergerichts (KG), des Bayerischen Obersten Landesgerichts (BayObLG) und des Bundesgerichtshofs (BGH) eingesetzte Arbeitsgruppe "Modernisierung des Zivilprozesses" hat am Donnerstag ein abschließendes Diskussionspapier für den Zivilrichtertag am 2. Februar 2021 veröffentlicht. Die Arbeitsgruppe unter dem Vorsitz des Nürnberger OLG-Präsidenten Dr. Thomas Dickert schlägt darin "eine weitreichende und innovative Modernisierungen des Zivilprozesses vor, um neue technischen Möglichkeiten sinnvoll nutzbar zu machen und Gerichtsverfahren bürgerfreundlicher, effizienter und ressourcenschonender zu gestalten".

Die Arbeitsgruppe, die ihre Arbeit im September 2019 aufnahm, hatte bereits im Juli vergangenen Jahres ein Thesenpapier vorgelegt und dieses bei der 72. Jahrestagung der Präsidentinnen und Präsidenten im vergangenen Oktober in Dresden weiter diskutiert. Das nun vorgelegte Diskussionspapier enthält vertiefte Überlegungen zu den Vorschlägen aus dem Zwischenbericht. 

Weniger Fax, mehr Videoverhandlung

Laut Papier soll unter anderem ein bundesweit einheitlicher Bürgerzugang in Form eines Justizportals errichtet werden. Das Justizportal soll sämtliche digitalen Angebote der Justiz integrieren, wie insbesondere das Online-Mahnverfahren, das Beschleunigte Online-Verfahren, die "virtuellen Rechtsantragstellen" und die Möglichkeit zur Teilnahme an einer "virtuellen Gerichtsverhandlung". Auch der elektronische Rechtsverkehr soll optimiert werden, etwa durch die Einführung eines Kanzleipostfachs im besonderen elektronischen Anwaltspostfach (beA). 

Außerdem soll ein Rechtsrahmen für einen elektronischen Nachrichtenraum geschaffen werden, in dem die formlose elektronische Kommunikation mit Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten sowie weiteren Verfahrensbeteiligten unabhängig von Schriftsätzen und gerichtlichen Entscheidungen, z.B. für Terminabsprachen und -verlegungen, möglich sein soll. "Perspektivisch muss das Telefax als Übermittlungsweg abgeschafft werden, auch wenn es derzeit noch nicht verzichtbar ist", heißt es im Papier. Daneben fordert die Arbeitsgruppe unter anderem die Einführung eines beschleunigten Online-Verfahrens, mit dem Bürger und Bürgerinnen ihre Anliegen per Eingabemaske einfach und auch ohne Anwalt geltend machen können. Weitere Forderungen sind unter anderem verbesserte Möglichkeiten für Videoverhandlungen und Protokollierung sowie die Stärkung des Vertrauens in die Justiz durch Transparenz.

Wann wird aus den Vorschlägen eine Änderung von ZPO und Co?

Im Rahmen des bundesweiten Zivilrichertags am 2. Februar soll weiter über das Papier beraten werden. Die Beratungen können per Livestream verfolgt werden. Diskutieren werden unter anderem BGH-Präsidentin Bettina Limperg und auch Vertreter der Anwaltschaft. Bisher handelt es sich noch um ein vor allem richterlich geprägtes Vorhaben, spätestens mit dem nun vorgelegten Papier und nach der Tagung dürften sich aber auch verstärkt Wissenschaft und Anwaltschaft in die Diskussion einschalten.

An der Tagung wird auch der bayerische Justizminister Georg Eisenreich (CSU) teilnehmen, ein Zeichen dafür, dass die Vorschläge möglichst bald das Format des Diskussionspapier verlassen und zu einem rechtspolitischen Projekt werden sollen. Bereits auf der Justizministerkonferenz (Jumiko) im Herbst 2020 hatte sich Bayern für das Digital-Thema eingesetzt, der Justizminister Eisenreich hatte zuvor den Posten des Staatsministers für Digitales in Bayern. Mit Beschluss von der Jumiko soll das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe einsetzen, um die Vorschläge weiterzuentwicklen. Mit Blick auf die knappe verbleibende Zeit der gegenwärtigen Legislaturperiode dürfte das Vorhaben dann ein Fall für die nächste Regierungskoalition werden.

acr/kus/LTO-Redaktion

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

Richter-Arbeitsgruppe legt Papier vor: . In: Legal Tribune Online, 07.01.2021 , https://www.lto.de/persistent/a_id/43924 (abgerufen am: 06.12.2025 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Zivil- und Zivilverfahrensrecht
    • Digitalisierung
    • elektronischer Rechtsverkehr
    • Gerichte
    • Justiz
    • Online-Services
    • Richter
    • Zivilprozess
Ferienanlage auf Rügen (Symbolbild) 05.12.2025
Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB)

BGH zu einseitiger Vertragsgestaltung:

AGB oder Indi­vi­dual­ve­r­ein­ba­rung – oder beides?

Ein Projektentwickler plante eine Ferienanlage mit 51 Wohnungen. Die neuen Eigentümer verpflichteten sich per Agenturvertrag, ihre Wohnungen zehn Jahre lang an Feriengäste zu vermieten. Trotz individueller Vereinbarung eine AGB, so der BGH.

Artikel lesen
Die Justizministerin geht entschlossen, während Sachsen gegen Extremisten-Tourismus vorgeht und gegen Gerichtsurteile klagt. 05.12.2025
Extremismus

Justizministerin will gegen Linie des Landesverfassungerichts klagen:

Sachsen wehrt sich gegen Jura-Ext­re­misten-Tou­rismus

Sachsen will extremistische Bewerber von der juristischen Ausbildung abhalten. Dazu greift das Land die Rechtsprechung des eigenen Verfassungsgerichtes an – und setzt auf das Bundesverfassungsgericht.

Artikel lesen
Politiker diskutieren intensiv über den gescheiterten "Pakt für den Rechtsstaat" und die neuen Justizstellen. 03.12.2025
Justiz

Bund und Länder uneins über neue Justiz-Stellen:

Eini­gung über 450-Mil­lionen-"Pakt für den Rechts­staat" geplatzt

Eigentlich sollte auf der Ministerpräsidentenkonferenz der "Pakt für den Rechtsstaat" besiegelt werden. Doch Bund und Länder sind sich plötzlich über Details des 450-Millionen-Euro-Deals für Personal und Digitalisierung in der Justiz uneinig.

Artikel lesen
Ziege 03.12.2025
Skurriles

LG Stralsund zu Vorfall mit Ziege im Streichelzoo:

"Eigent­lich beißen vor allem die Affen"

Eine Krankenkasse verklagt einen Tierpark – weil eine Ziege in einem Streichelgehege eine Urlauberin zu Fall gebracht haben soll. Vor Gericht geht es auch um die Frage, ob nur Böcke Hörner haben.

Artikel lesen
Richterrobe 02.12.2025
Kopftuch

VG Darmstadt bestätigt Verbot:

Mus­limin wegen Kopf­tuch vom Rich­teramt aus­ge­sch­lossen

Bewerberinnen auf Richterstellen dürfen abgelehnt werden, wenn sie ihr Kopftuch für Gerichtsverhandlungen nicht ablegen wollen, das bestätigt das VG Darmstadt. Der Fall könnte noch weitergehen. Die Rechtsfrage ist höchstrichterlich umstritten.

Artikel lesen
Justiz 02.12.2025
Justiz

Verfassungsblog "Justiz-Projekt":

Wo liegen die Schwach­s­tellen der deut­schen Justiz?

Der Verfassungsblog hat erforscht, wie und wo die Justiz von autoritären Kräften angegriffen werden kann. Zum Schutz komme es vor allem auf das Personal an, so das Ergebnis des "Justiz-Projekts". Sie sind Risiko und zugleich Chance für die Resilienz.

Artikel lesen
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von Baker McKenzie Rechtsanwaltsgesellschaft mbH von Rechtsanwälten und Steuerberatern
Re­fe­ren­da­re | Ber­lin

Baker McKenzie Rechtsanwaltsgesellschaft mbH von Rechtsanwälten und Steuerberatern , Ber­lin

Logo von Clarios Germany GmbH & Co. KG
Rechts­re­fe­ren­dar (m/w/d) für die Wahl­sta­ti­on

Clarios Germany GmbH & Co. KG , Han­no­ver

Logo von Schöfer, Jeremias & Kollegen
Rechts­an­walt (m/w/d) Zi­vil­recht

Schöfer, Jeremias & Kollegen , Mün­chen

Logo von BLD Bach Langheid Dallmayr Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft mbB
Rechts­an­walt (w/m/d) als Coun­sel für den Be­reich Ma­ri­ne

BLD Bach Langheid Dallmayr Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft mbB , Ham­burg

Logo von Wolters Kluwer
Le­gal En­gineer (Li­b­ra - Le­gal AI As­si­s­tant) (m/f/d)

Wolters Kluwer , Ber­lin

Logo von Baker McKenzie Rechtsanwaltsgesellschaft mbH von Rechtsanwälten und Steuerberatern
Re­fe­ren­da­re | Frank­furt

Baker McKenzie Rechtsanwaltsgesellschaft mbH von Rechtsanwälten und Steuerberatern , Frank­furt am Main

Logo von Deutsches Anwaltsinstitut e.V.
Re­fe­rent:in der Ge­schäfts­füh­rung (m/w/d)

Deutsches Anwaltsinstitut e.V. , Bochum

Logo von Baker McKenzie Rechtsanwaltsgesellschaft mbH von Rechtsanwälten und Steuerberatern
Re­fe­ren­da­re | Düs­sel­dorf

Baker McKenzie Rechtsanwaltsgesellschaft mbH von Rechtsanwälten und Steuerberatern , Düs­sel­dorf

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Bucerius Compliance Officer 2026

22.01.2026, Hamburg

Betriebsratswahl 2026

09.12.2025

Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort und die Folgen für die Fahrerlaubnis (5 Zeitstunden)

08.12.2025

Jahresrückblick Familienrecht Stand: Dezember 2025

08.12.2025

NEU - Vergütungsvereinbarungen optimal gestalten

08.12.2025

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH