Druckversion
Mittwoch, 22.07.2026, 21:53 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/hintergruende/h/verhandlungen-freihandel-indien-europa-free-trade-agreement
Fenster schließen
Artikel drucken
16976

Freihandelsabkommen mit Indien: Kein Ende der Ver­hand­lungen in Sicht

von Daniel H. Sharma und Benjamin Parameswaran

25.09.2015

Flaggen EU und Indien

© promesaartstudio - Fotolia.com

Seit 2007 verhandeln die EU und Indien über ein Freihandelsabkommen. Manche der indischen Ängste vor einem FTA sind den europäischen vor TTIP ganz ähnlich. Und der Weg ist noch weit, meinen Daniel H. Sharma und Benjamin Parameswaran.

Anzeige

Die EU und Indien sind schon jetzt wichtige Handelspartner füreinander. Auch politisch setzt die EU auf Indien als stabilitätssichernde Macht in Asien.

Mit einer Wachstumsrate von 7 bis 10 Prozent pro Jahr ist die Republik eine der am schnellsten expandierenden Volkswirtschaften weltweit und überholt bei den Wachstumsraten nun sogar China. Seit 1990 hat sich das indische Pro-Kopf- Einkommen der heute ca. 1,2 Mrd. Einwohner weit mehr als verdoppelt. Auch der Handel zwischen der EU und Indien ist in den vergangenen zehn Jahren um 100 Prozent gestiegen.

Entsprechend versuchen die Verhandlungsparteien des Free Trade Agreement (FTA), den Marktzugang für Unternehmen und Personen weiter zu erleichtern. Das Abkommen soll unter anderem Kapitel über Dienstleistungen, Investitionen, das öffentliche Beschaffungswesen und geistige Eigentumsrechte enthalten.

Hohe Zölle und andere Barrieren

Tatsächlich könnte ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien bestehende Hemmnisse für den Handelsaustausch beseitigen und die bilaterale Kooperation fördern.

Solche Hemmnisse bestehen derzeit noch in vielerlei Hinsicht. Die aktuelle Entwicklung des Handels zwischen der EU und Indien bleibt weit unter ihren Möglichkeiten.

In erster Linie sind es hohe Zölle, die den Warenverkehr erschweren, komplizierte und langwierige Zollverfahren verlangsamen ihn zusätzlich.

Aber auch nichttarifäre Handelshemmnisse bremsen die Wirtschaft. Mengenmäßige Beschränkungen, Einfuhrlizenzverfahren, aufwändige Prüf- und Zertifizierungsvorschriften für Waren hemmen den Handelsaustausch.

Was Indien fürchtet

Anders als bei den multilateralen Verhandlungsrunden in der WTO, an denen Indien als überstimmbares Entwicklungsland teilnahm, agiert es im Rahmen des FTA als gleichberechtigter Verhandlungspartner.

Die indische Regierung spricht sich auch grundsätzlich für das FTA aus, denn ein Abkommen mit der EU bietet die Möglichkeit zur Erschließung neuer Märkte  und der Erweiterung der Geschäftstätigkeit indischer Unternehmen in der EU. Eine wichtige Rolle spielt für Indien dabei traditionell der Technologie- und Outsourcingbereich.

In Teilen der indischen Bevölkerung stößt das FTA allerdings auf große Ablehnung. Insbesondere die geplante Öffnung des indischen Marktes für ausländische Supermarktketten wird kritisiert. Der Einzelhandel  ist mit rund 40 Mio. Beschäftigten der zweitgrößte Wirtschaftssektor der Republik. Die Aufnahme eines liberalisierten Einzelhandels in das FTA würde europäischen Supermarktketten die Möglichkeit eröffnen, nach Indien zu expandieren. Dadurch entstünde ein Wettbewerb zwischen den Supermärkten und den heimischen Einzelhändlern, welcher sich zu deren Lasten auswirken könnte.

Auch die indische Agrarwirtschaft hat Bedenken. Das FTA könnte sich nach dortiger Einschätzung vor allem negativ auf die heimische Milch- und Geflügelwirtschaft auswirken. Schätzungen zufolge könnte die Einfuhr subventionierten Milchpulvers und von Butterfetten aus Europa rund 80 Mio. Beschäftigte im indischen Milchsektor bedrohen.

Allerdings, und das ist das Hauptargument der indischen Regierung für das Abkommen, würde eine gemeinsame Freihandelszone indischen Unternehmen bedeutende wirtschaftliche Möglichkeiten eröffnen. Zum Beispiel erhofft sich Indien durch das FTA einen größeren Transfer zukunftsweisender Technologien ins Land.

Anzeige
Seite 1/2
  • Seite 1:

    Was Indien fürchtet

  • Seite 2:

    Was Deutschland davon hätte – und woran es derzeit hapert

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

Freihandelsabkommen mit Indien: . In: Legal Tribune Online, 25.09.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/16976 (abgerufen am: 22.07.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Europa- und Völkerrecht
    • Freihandelsabkommen
    • Indien
    • Welthandel
    • Wirtschaft
    • Zoll
Das Containerschiff des Unternehmens CMA CGM verlässt am 23.04.2026 den Hafen von Marseille. 06.05.2026
Trump

Straße von Hormus:

USA beenden Eskorte für Han­dels­schiffe wieder

Erst am Montag hatten die USA begonnen, Handelsschiffe aus der Straße von Hormus zu eskortieren. Nach nur einem Tag setzte Donald Trump den Einsatz wieder aus: Es habe große Fortschritte bei den Atomverhandlungen mit dem Iran gegeben.

Artikel lesen
Lars Klingbeil am 28.04.2026 bei der Klausurtagung der SPD-Landesgruppen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. 30.04.2026
Steuerhinterziehung

Strafbefreiende Selbstanzeige:

Warum Kling­beils Reform ihr Ziel ver­fehlt

Wer in größeren Summen Steuern hinterzogen hat, soll sich nicht mehr "freikaufen" können. Dieser Vorstoß brächte aber keinen Erfolg, sondern weniger Aufklärung und mehr verdeckte Vermögen, sagen Rainer Biesgen und Philipp J. Butler.

Artikel lesen
Zollkontrolle in einem Café in Augsburg (Symbolbild) 20.04.2026
Geldwäsche

"Verpolizeilichung der Zollbehörden":

Anwalts­ver­bände kri­ti­sieren geplantes Zoll­ge­setz

Das BMF will die Zollverwaltung besser für die Bekämpfung von Geldwäsche rüsten. Dafür sind massive Ausweitungen ihrer Befugnisse geplant. Der Entwurf sorgt bei BRAK und DAV für Unmut. 

Artikel lesen
Blick auf ein Schiff, das während der zweiwöchigen Waffenruhe im Oman durch die Straße von Hormus fährt. 16.04.2026
Krieg

Wechselseitige Blockaden der Straße von Hormus:

Kein Durch­kommen

Die Straße von Hormus kann nicht befahren werden. Dass der Iran für eine sichere Durchfahrt "Gebühren" verlangt, ist rechtswidrig. Auf das amerikanische Vorgehen trifft das nur in Teilen zu, findet Simon Gauseweg.

Artikel lesen
Die LaFarge-Fabrik in der syrischen Wüste 13.04.2026
Unternehmen

Zementhersteller zahlte Millionenbeträge an Terroristen:

Lafarge und acht Ex-Mit­ar­beiter ver­ur­teilt

Zementhersteller Lafarge zahlte fünf Millionen Euro an bewaffnete Gruppen, um während des Bürgerkriegs in Syrien produzieren zu können. Ein Pariser Gericht verurteilte das Unternehmen und Ex-Mitarbeiter nun wegen Terrorismusfinanzierung.

Artikel lesen
Zwei Frachter am 15.01.2012 bei Khasab (Oman) in der Straße von Hormus. 09.04.2026
Völkerrecht

Straße von Hormus:

Was können Staaten gegen die Blo­c­kade unter­nehmen?

Trotz der Waffenruhe können erst wenige Schiffe die Straße von Hormus passieren. Der Iran will Gebühren dafür verlangen. Ist das zulässig? Und was können Staaten unternehmen, um die sichere Passage der Meerenge zu ermöglichen?

Artikel lesen
lto karriere logo

LTO Karriere - Deutschlands reichweitenstärkstes Karriere-Portal für Jurist:innen

logo lto karriere
Jetzt registrieren bei LTO Karriere

Finde den Job, den Du verdienst 100% kostenlos registrieren und Vorteile nutzen

  • LTO Job Matching: Finde den Job & Arbeitgeber, der zu Dir passt.
  • Jobs per Mail: Verpasse keine neuen Job-Angebote mehr.
  • Easy Apply: Die einfache und schnelle Bewerbung zu Deinem neuen Job.
Das Passwort muss mindestens 8 Zeichen lang sein und mindestens einen Großbuchstaben, einen Kleinbuchstaben, eine Zahl und ein Sonderzeichen enthalten (z.B. #?!@$%^&*-).
Pflichtfeld *

Nur noch ein Klick!

Wir haben Dir eine E-Mail gesendet. Bitte klicke auf den Bestätigungslink in dieser E-Mail, um Deine Anmeldung abzuschließen.

Weitere Infos & Updates einfach und kostenlos direkt ins Postfach.

LTO Karriere Newsletter

Das monatliche Update mit aktuellen Stellenangeboten & Karriere-Tipps.

LTO Daily

Jeden Abend um 18 Uhr die wichtigsten News vom Tag.

LTO Presseschau

Jeden Morgen um 7:30 Uhr die aktuelle Berichterstattung über Recht und Justiz.

Pflichtfeld *

Fertig!

Um die kostenlosen Nachrichten zu beziehen, wechsle bitte nochmal in Dein Postfach und bestätige Deine Anmeldung mit dem Bestätigungslink.

Du willst Dein Bewerberprofil direkt anlegen?

Los geht´s!
ads lto paragraph
lto karriere logo
ads career people

Wir haben die Top-Jobs für Jurist:innen

Jetzt registrieren
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von FPS Rechtsanwaltsgesellschaft mbH & Co. KG
Re­fe­ren­da­re (m/w/d) für al­le Rechts­ge­bie­te

FPS Rechtsanwaltsgesellschaft mbH & Co. KG, Frank­furt am Main

Logo von Latham & Watkins LLP
As­so­cia­tes (m/w/d) Li­ti­ga­ti­on & Trial

Latham & Watkins LLP, Mün­chen

Logo von CMS
Wis­­sen­­schaf­t­­li­cher Mit­ar­bei­ter (m/w/d) in Mün­chen

CMS, Mün­chen

Logo von Hengeler Mueller
Re­fe­ren­da­re (m/w/d) Ban­king & Fi­nan­ce in Frank­furt am Main

Hengeler Mueller, Frank­furt am Main

Logo von DLA Piper UK LLP
(Se­nior) As­so­cia­te (m/w/x) im Be­reich M&A

DLA Piper UK LLP, Ham­burg

Logo von FPS Rechtsanwaltsgesellschaft mbH & Co. KG
Rechts­an­walt (m/w/d) Ge­sell­schafts­recht / M&A

FPS Rechtsanwaltsgesellschaft mbH & Co. KG, Frank­furt am Main

Logo von Hengeler Mueller
Rechts­an­wäl­te (m/w/d) Ban­king & Fi­nan­ce in Frank­furt am Main

Hengeler Mueller, Frank­furt am Main

Logo von HÄRTING Rechtsanwälte PartGmbB
Rechts­an­wäl­tin / Rechts­an­walt (m/w/d) mit Schwer­punkt...

HÄRTING Rechtsanwälte PartGmbB, Ber­lin

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Wie Sie Ihr Legal & Regulatory Monitoring in ein proaktives Frühwarnsystem verwandeln

30.07.2026

Logo von Hengeler Mueller
Chancen@Hengeler Stipendium 2026

01.10.2026

Spezielle Testamentsklauseln und ihre Verwendung in der Praxis

03.08.2026

Stärkung der Patientenrechte

04.08.2026

Taktik und Stolperfallen im familiengerichtlichen Verfahren – Update Verfahrensrecht

04.08.2026

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH