Masterstudiengang Private Wealth Management

Nicht nur das eigene Vermögen managen

von Anna Katharina BernzenVistenkarte

02.09.2011

Berufsbegleitender Studiengang

Viel Geld und Zeit neben dem Beruf brauchen Studenten, um in Münster das Vermögensmanagement zu erlernen. Ihre Rendite nach zwei Jahren Masterstudium: Vertiefte Kenntnisse im Erb- und Steuerrecht sowie der Finanzwirtschaft. Nächstes Jahr wird der Studiengang umgebaut. Anna K. Bernzen zeigt, was ein Vermögensmanager können muss und wer es ihm beibringt.

In Münster schlagen Masterstudenten zwei Fliegen mit einer Klappe – und wenn sie wollen, gleich noch eine dritte: "Private Wealth Management", auf Deutsch "Private Vermögensverwaltung" heißt der Studiengang, in dem das möglich ist. Berufsbegleitend werden Juristen und Wirtschaftswissenschaftler darin seit 2007 zu Vermögensverwaltern ausgebildet. Haben sie das Diplom in der Tasche, kennen sie sich nicht nur mit dem Kapital, sondern auch mit erb- und steuerrechtlichen Aspekten des Vermögensmanagements aus.

Beim Abschluss nach zwei Jahren Studium haben die Studenten dann die Wahl: Sie können den juristischen Titel LL.M. erlangen (erste Fliege) oder den wirtschaftlichen EMBA anstreben (zweite Fliege), je nach Spezialisierung während des Studiums und in der Masterarbeit. Zusätzlich haben sie die theoretischen Kenntnisse zum Erwerb des Fachanwalts im Erbrecht gesammelt (Fliege drei), und müssen dafür nur noch praktische "Fälle sammeln". Ein Modell, das in dieser Ausprägung in Deutschland wohl einzigartig ist.

Neuer Studiengang mit "alten" Inhalten

Dennoch läuft der Studiengang in dieser Form im Oktober zum letzten Mal an. Im Wintersemester 2012 wird er umstrukturiert und heißt dann "Erbrecht, Unternehmensnachfolge und Vermögen". Für Johann Kindl, der die akademische Leitung des Studiengangs inne hat, sind die inhaltliche Umgestaltung und der neue Name ein wichtiger Schritt. Der alte Titel habe hauptsächlich Interessierte angezogen, die Großvermögen zu verwalten hatten, doch: "Vermögen gibt es auch in mittelständischen Unternehmen. Wir tragen mit dem neuen Studiengang den Wünschen unserer Studenten Rechnung."

In 17 Präsenzphasen – einer Einführungswoche plus 16 Wochenendveranstaltungen – erwarben die Hochschüler  bisher in Münster vertiefte Kenntnisse im Gesellschafts-, Erb- und Steuerrecht. Darunter befanden sich so exotische Vorlesungen wie die zum Investmentsteuerrecht – nur wenigen ein Begriff und daher im neuen Studiengang nicht mehr dabei. Hinzu kommen weiterhin aber die wirtschaftswissenschaftlichen Vorlesungen mit Bezug auf das Vermögensmanagement.

Interdisziplinäres Angebot, vielseitige Studentenschaft

"Dieses fachübergreifende Angebot ist sowohl für Juristen als auch für Wirtschafts-wissenschaftler sehr interessant", weiß Nina Israel, die Geschäftsführerin von JurGrad, der School of Tax and Business Law, an der die Vorlesungen angeboten wird. Gut ein Drittel der Kommilitonen hat zuvor bereits ein wirtschaftswissenschaftliches Studium absolviert, die überwiegende Mehrheit ist jedoch juristisch vorgebildet. Unterrichtet werden die Studierenden im aktuellen wie im umstrukturierten Studiengang von einer Mischung aus Praktikern und Wissenschaftlern. "Die theoretischen Grundlagen legt der Professor, die Praktiker lösen mit den Studenten dann zum Beispiel Fälle", erklärt Kindl das Unterrichtskonzept. Unter den Lehrenden finden sich neben Rechtsanwälten von Großkanzleien auch Richter am Bundesfinanzhof und Manager von Privatbanken.

Die praxisorientierte Auswahl der Dozenten zeigt: Der Masterstudiengang ist nichts für Berufseinsteiger. Mindestens ein Jahr Erfahrung "on the job" wird von Seiten der Universität vorausgesetzt. Dazu zählen jedoch auch Praktika und das Referendariat. Viele der Absolventen bringen Kenntnisse aus der Arbeit in einem "Family Office" mit, andere arbeiten dagegen in Kanzleien oder als Steuerberater. "Den Studierenden geht es ganz überwiegend nicht um neue Berufsperspektiven, sondern um eine Verbesserung innerhalb des ausgeübten Berufs", erklärt Kindl.

Auch für den Arbeitgeber ein Bonus

Meist werden die Gebühren in Höhe von knapp 15.000 Euro daher vom Arbeitgeber der Studierenden übernommen. Denn der profitiert von der Fortbildung seines Mitarbeiters: "Der Steuerberater beherrscht das Steuerrecht gut, kennt sich aber im Vermögensmanagement nicht aus – und umgekehrt", sagt Geschäftsführerin Nina Israel. Im neuen Studiengang, der sich verstärkt an mittelständische Unternehmen richtet, werden die Studiengebühren dennoch sinken. In Münster hofft man auch, damit erstmals die vorhandenen Studienplätze, 40 pro Jahr, auslasten zu können. Bisher blieben jedes Jahr einige frei. "Wir bieten eben ein Nischenfach an", so erklärt dies Nina Israel.

Nach dem Studium bleibt dem kleinen Kreis der Absolventen der Austausch im selbst gegründeten Alumni-Verein "Private Wealth Management e.V.". Der bietet zweimal im Jahr für seine Mitglieder Konferenzen und Vorträge aus dem Themenbereich des Vermögensmanagements an. Ende Oktober etwa wird über die Risiken offener und geschlossener Fonds diskutiert. Der Exotenstatus schweißt eben über das Studium hinaus zusammen.

 

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Anna Katharina Bernzen, Masterstudiengang Private Wealth Management: Nicht nur das eigene Vermögen managen. In: Legal Tribune ONLINE, 02.09.2011, http://www.lto.de/persistant/a_id/4171/ (abgerufen am 22.05.2012)

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