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Elon Musk schließt Insolvenz nicht mehr aus: Next-Level-Mana­ge­ment bei Twitter

11.11.2022

Twitter-Logo schwarz/weiß

Larry the bird, Maskottchen und Logo des Microblogging-Dienstes Twitter, in Trauerbekleidung. Graphik: atScene - stock.adobe.com

Nach erfolgter Übernahme macht sich Elon Musk bei Twitter an die Arbeit. Es deutet sich an, dass zahlreiche Management-Lehrbücher neu geschrieben werden müssen.

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Der Tech-Milliardär Elon Musk ist neuer Chef im Hause Twitter. Unterstellt, dass maximale mediale Aufmerksamkeit für die Plattform und ihren neuen Besitzer die Primärziele der Übernahme waren, darf die Zielsetzung als erreicht gelten. 

Zwei Wochen sind seit dem Verkauf von Twitter vergangen, die Bilanz liest sich verheerend: Verärgerte Nutzer, ein Umsatzeinbruch, Massenentlassungen und Abgänge in der Chefetage. Musk schloss bei einem Auftritt vor Mitarbeitern selbst eine Insolvenz des Dienstes nicht aus.

Zuvor hatte bereits die Vergabe von Verifikations-Häkchen an Abonnement-Kunden ohne vorgehende Prüfung ein Chaos mit täuschend echt aussehenden Fake-Accounts ausgelöst. Die Verbraucherschutzbehörde FTC schickte Twitter daraufhin eine ungewöhnlich deutliche Warnung. 

Umsatzeinbruch und Zinsbelastung

Musk bereitete die Mitarbeiter darauf vor, dass bei Twitter im kommenden Jahr ein Milliarden-Loch in der Bilanz klaffen könnte. Wenn es unter diesen Umständen nicht gelinge, mehr Geld reinzubringen als ausgegeben werde, sei "eine Insolvenz nicht ausgeschlossen", zitierten Musk unter anderem der Finanzdienst Bloomberg. Sein jüngster Verkauf von Aktien des Elektroauto-Herstellers Tesla im Wert von vier Milliarden Dollar sei zur Rettung von Twitter nötig gewesen.

Auf Twitter lastet ein Kredit von rund 13 Milliarden Dollar, den Musk für den Kauf aufnahm. Die Bedienung dieser Schulden wird das Unternehmen dem Vernehmen nach rund eine Milliarde Dollar im Jahr kosten. Daher sollen die Werbeeinnahmen, die bisher 90 Prozent des Umsatzes ausmachen, durch ein Abo-Geschäft ergänzt werden. 

Der Tesla-Chef hatte Twitter nach mehreren Kehrtwenden für 44 Milliarden Dollar gekauft. Die Entscheidung fiel kurz bevor es am Delaware Court of Chancery zu einer gerichtlichen Klärung kommen konnte, ob Musk - wie zuvor von ihm verkündet - von der Übernahmevereinbarung zurücktreten kann. Richterin Kathleen McCormick hatte den Streitparteien eine Frist zur außergerichtlichen Einigung bis zum 28. Oktober eingeräumt. 

Verifikationssymbole stiften Verwirrung

Twitter hatte am Mittwoch die von Musk angekündigte Neuordnung bei der Vergabe der Verifikations-Häkchen umgesetzt. Bisher wurden sie von Twitter nach einer Identifikationsprüfung unter anderem Prominenten, Politikern und Unternehmen zugestanden. Nach dem neuen System bekommt das Häkchen jeder, der 8 Dollar pro Monat in einem Abo bezahlt. Eine Identitätsprüfung gibt es nicht. Das Häkchen sieht dabei in beiden Fällen gleich aus. Ob man es mit einem früheren tatsächlich verifizierten Account oder mit einem neuen gekauften Häkchen zu tun hat, erfährt man nur aus dem Text nach Anklicken des Symbols.

Einige Nutzer legten mit der neuen eingeführten Funktion täuschend echt aussehende Fake-Accounts an - beispielsweise für Basketball-Star LeBron James, den Videospieleentwickler Nintendo oder auch Ex-US-Präsident Donald Trump. Der Pharmakonzern Eli Lilly entschuldigte sich bei Twitter-Nutzern, die ein Fake-Account glauben ließ, Insulin werde künftig kostenlos vertrieben. "Wir beobachten die jüngsten Entwicklungen bei Twitter mit großer Sorge", teilte ein FTC-Sprecher am Donnerstag mit. Kein Unternehmen oder dessen Chef stünden über dem Gesetz.

Twitter hatte sich nach früheren Verstößen bei der FTC unter anderem verpflichtet, neue Funktionen vor der Einführung einer Prüfung im Bezug auf Datenschutz und Sicherheit zu unterziehen. Musk versicherte laut Medienberichten in einer E-Mail an die Mitarbeiter nach der FTC-Warnung, Twitter werde alles tun, um die Vereinbarung mit der Behörde einzuhalten. Die FTC kann hohe Strafen verhängen. So zahlte Facebook nach ihren Ermittlungen 2019 fünf Milliarden Dollar.

Mitarbeiter sollen in Büros zurückkehren

Musk warnte die Beschäftigten auch in einer E-Mail vor schwierigen Zeiten. Die wirtschaftliche Lage sei "schlimm", besonders für ein Unternehmen, das von Werbeeinnahmen abhänge. In dem Memo kündigte Musk auch neue Richtlinien in Sachen Homeoffice an - künftig ist Heimarbeit demnach nur noch mit seiner ausdrücklichen persönlichen Erlaubnis zulässig. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen laut dem Memo mindestens 40 Stunden pro Woche im Büro erscheinen. Vor der Übernahme durften Twitters Beschäftigte von überall aus arbeiten. Musk gilt als ausgesprochener Gegner des Homeoffice-Trends, das hatte er bereits bei Tesla deutlich gemacht.

Musk hatte vergangene Woche rund jeden zweiten der zuvor etwa 7.500 Jobs bei Twitter gestrichen. Jetzt sagte er den Berichten zufolge, dass die Firma zum Teil immer noch zu viele Beschäftigte habe. Am Donnerstag verließen weitere Manager in Schlüsselpositionen das Unternehmen: Der für das Herausfiltern anstößiger Inhalte verantwortliche Yoel Roth und die Chefin für Informationssicherheit, Lea Kissner. Die erst seit kurzem für die Beziehungen zu Werbekunden zuständige Robin Wheeler reichte laut Medienberichten ihren Rücktritt ein, wurde von Musk jedoch zum Bleiben überredet. Sie twitterte, dass sie immer noch dabei sei.

sts/dpa/LTO-Redaktion

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Elon Musk schließt Insolvenz nicht mehr aus: . In: Legal Tribune Online, 11.11.2022 , https://www.lto.de/persistent/a_id/50146 (abgerufen am: 10.12.2025 )

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