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Rheinland-Pfälzische Verwaltungsgerichte kämpfen um Nachwuchs: Wett­be­werb mit "fast rui­nösen Zügen"

09.09.2019

Ein Bewerber und drei Stühle

© Africa Studio - stock.adobe.com

Die Verwaltungsgerichte in Rheinland-Pfalz beklagen Nachwuchssorgen. Es sei schwieriger geworden, Bewerber zu gewinnen. Grund dafür sei nicht nur der Konkurrenzkampf mit den Kanzleien, sondern auch die mit den Nachbarbundesländern.

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Die Verwaltungsgerichte in Rheinland-Pfalz haben Nachwuchssorgen. "Wir hatten für die Verwaltungsgerichtsbarkeit immer Bewerber, die zu den besten rund fünf Prozent der Prüfungsjahrgänge" gehörten, sagte der Präsident des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Rheinland-Pfalz, Lars Brocker, im Redaktionsgespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. "Es gab auch immer mehr Bewerber, als wir einstellen konnten. Dann nimmt man die Allerbesten."

Mittlerweile sei es aber sehr viel schwieriger geworden, Nachwuchs zu gewinnen. "Die Konkurrenz der Kanzleien ist groß. Das ist in dieser Dimension neu", sagte Brocker. Zudem drohe der Konkurrenzkampf mit den Nachbarbundesländern schärfer zu werden. Hessen und Baden-Württemberg bezahlten besser. "Hessen lockt demnächst zusätzlich mit der Verbeamtung der Referendare, vom höheren Einstiegsgehalt für Richter ganz zu schweigen." Diese "Art des Wettbewerbsförderalismus trägt schon fast ruinöse Züge", kritisierte Brocker. 

Es braucht keine zwei Prädikatsexamen mehr

Die Verwaltungsgerichte in Hessen können nach Einschätzung des dortigen Justizministeriums freie Stellen zügig besetzen. Die Besetzungsquote aller verfügbaren Stellen lag zum Stichtag 31. August 2019 bei rund 98 Prozent, wie ein Ministeriumssprecher auf dpa-Anfrage in Wiesbaden mitteilte. Trotz guter Konjunktur gebe es auch Bewerber, die sich nach jahrelanger Arbeit als Anwalt für einen Wechsel in den Dienst als Richter oder Staatsanwalt entschieden.

"Wir mussten mit den Ansprüchen an die Examensnoten mittlerweile schon ein bisschen runter gehen", berichtet dagegen Brocker. "Es ist schon nicht mehr so, dass es in jedem Fall zwei Prädikatsexamen sind." Dennoch: "Ich habe nicht den Eindruck, dass die Qualität der Arbeit schlechter geworden ist. Es gibt mehr als nur eine formale Qualifikation über Noten." 

Was zählt bei den Bewerbern noch? "Den Begriff Work-Life-Balance höre ich ungerne, weil die meisten, die sofort damit kommen, dann mit Life-Work-Balance anfangen", sagte Brocker. "Bei uns herrscht eine hohe Präsenzkultur, das heißt, da sein, Kontakt mit den Kollegen. Wir entscheiden auch viel in der Kammer."

In Rheinland-Pfalz gibt es vier Verwaltungsgerichte mit Sitz in Koblenz, Mainz, Neustadt/Weinstraße und Trier sowie das OVG in Koblenz. 96 Richter arbeiten an den Gerichten, darunter 20 am OVG, aber nicht alle in Vollzeit.

dpa/mgö/LTO-Redaktion

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Rheinland-Pfälzische Verwaltungsgerichte kämpfen um Nachwuchs: . In: Legal Tribune Online, 09.09.2019 , https://www.lto.de/persistent/a_id/37513 (abgerufen am: 12.09.2026 )

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