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Wolfgang Schäuble verstorben: "Deut­sch­land ver­liert einen prä­genden Christ­de­mo­k­raten"

27.12.2023

Dr. Wolfgang Schäuble im November 2019

Dr. Wolfgang Schäuble verstarb nach Angaben seiner Familie am Abend des zweiten Weihnachtsfeiertags 2023. Foto: picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann/SVEN SIMON

Der prominente CDU-Politiker Wolfgang Schäuble ist gestorben. Der Mann, der über 50 Jahre im Bundestag saß, war promovierter Jurist und an vielen bedeutenden Ereignissen in der deutschen Politik beteiligt.

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Der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble ist tot. Der CDU-Politiker sei im Kreise seiner Familie zu Hause am Dienstagabend gegen 20 Uhr friedlich eingeschlafen, teilte die Familie am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur mit. Schäuble starb nach langer schwerer Krankheit. In seiner politischen Laufbahn war er Minister, CDU-Chef, Fraktionsvorsitzender und Präsident des Deutschen Bundestages. Niemand gehörte dem Parlament länger an als er.

Schäuble wurde am 18. September 1942 in Freiburg geboren. Er studierte Jura, 1970 legte er das Zweite Staatsexamen ab. Bereits ein Jahr später wurde er mit der Studie "Die berufsrechtliche Stellung der Wirtschaftsprüfer in Wirtschaftsprüfungsgesellschaften" bei seinem Doktorvater Prof. Dr. Franz Rittner promoviert. Es zog ihn aber früh in die Politik: Er war bereits 1965 in die CDU eingetreten, schon 1972 errang er erstmals ein Mandat für den Bundestag. Diesem gehörte er ohne Unterbrechung bis zu seinem Tod an.

Attentat bremste seine politische Karriere nicht

Mit dem Namen Schäuble sind Jahrzehnte deutscher Politik verbunden. Unter Kanzler Helmut Kohl (CDU) war er zunächst Chef des Bundeskanzleramtes und Bundesminister für besondere Aufgaben, von 1989 bis 1991 Bundesinnenminister. Schäuble handelte nach dem Mauerfall in der DDR den Einigungsvertrag mit aus. Seit dem Attentat eines geistig verwirrten Mannes auf ihn im Oktober 1990 saß Schäuble im Rollstuhl, seine politische Karriere ging aber weiter. Von 1991 bis 2000 führte er die CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Nach dem Machtverlust der Union 1998 wurde Schäuble im Zuge der Neuaufstellung der CDU Parteichef. Angela Merkel wurde Generalsekretärin.

Schäuble 1985 bei seiner Ministervereidigung Foto: picture alliance / SVEN SIMON

In den Turbulenzen der CDU-Spendenaffäre und nach Aussagen zu einer 100.000-Mark-Barspende trat Schäuble im Februar 2000 als CDU-Chef zurück. Merkel wurde Parteichefin, 2005 machte sie als Kanzlerin Schäuble zum Innenminister, vier Jahre darauf zum Finanzminister. Das Amt hatte Schäuble über zwei Wahlperioden inne, er schafft die "schwarze Null", also einen Bundeshaushalt ohne neue Schulden.

Nach der Bundestagswahl 2017 wurde Schäuble als Nachfolger von Norbert Lammert zum Bundestagspräsidenten gewählt, das zweithöchste Amt im Staat. Das höchste Amt, das des Bundespräsidenten, blieb Schäuble verwehrt.

Nach verlorener Bundestagswahl 2021: Stimme mit Gewicht im Hintergrund

Nach der von der Union verlorenen Bundestagswahl 2021 zog sich Schäuble aus den Führungsgremien zurück. Im Bundestag wurde die SPD-Politikerin Bärbel Bas Präsidentin, Schäuble war nun einfacher Abgeordneter. In seiner Rede als Alterspräsident – jener Abgeordnete mit den meisten Dienstjahren – warb er für offenen Diskurs und selbstbewusste Abgeordnete. Schäuble sah sich als "Parlamentarier mit Leib und Seele", wie er selbst einmal sagte.

In seiner Partei zählte Schäuble eher zu den konservativen Politikern, hinter den Kulissen hatte sein Wort stets Gewicht. Auf der anderen Seite hatte er früher als andere die CDU zur Offenheit für Bündnisse mit den Grünen aufgerufen. Schon 2007 sagte er der FAS: "Schwarz-Grün ist nicht unser Wunsch, aber eine Option für die Union." Im Ringen um die Kanzlerkandidatur 2021 schlug sich Schäuble auf die Seite des damaligen CDU-Chefs Armin Laschet und stellte sich gegen CSU-Chef Markus Söder.

Auch im Privaten spielte bei Schäuble oft die Politik eine Rolle. Schon Vater Karl Schäuble war CDU-Politiker und gehörte dem Badischen Landtag an. Schäubles jüngerer Bruder Thomas war ebenfalls Politiker, 13 Jahre lang war er Landesminister in Baden-Württemberg. 2013 starb er an den Folgen eines Herzinfarkts. Schäubles Schwiegersohn ist der CDU-Spitzenpolitiker Thomas Strobl. Tochter Christine, Strobls Ehefrau, ist ARD-Programmdirektorin. Schäuble hinterlässt insgesamt vier Kinder und Ehefrau Ingeborg Schäuble, mit der er seit 1969 verheiratet war.

Reaktionen: "Wolfgang Schäuble war ein Ausnahmemensch"

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat nach Schäubles Tod dessen "beeindruckende und sehr lange Politiker-Karriere" gewürdigt. "Sein Intellekt, seine Freude an der demokratischen Auseinandersetzung, sein konservatives Weltbild und seine rhetorische Schärfe zeichneten ihn in all dieser Zeit ganz besonders aus", hieß es in einer Erklärung des Kanzlers vom Mittwoch. "Deutschland verliert einen prägenden Christdemokraten."

Der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz zeigte sich bestürzt über die Mitteilung. Die Nachricht erfülle ihn mit großer Trauer, schrieb er am Mittwoch auf der Plattform X (früher Twitter). "Ich verliere mit Wolfgang Schäuble meinen engsten Freund und Ratgeber, den ich in der Politik je hatte. Meine Gedanken sind bei seiner Familie, insbesondere seiner Frau Ingeborg." CDU-Bundesschatzmeisterin Julia Klöckner erklärte, Schäubles Tod lasse innehalten und mache traurig. "Wolfgang Schäuble war ein Ausnahmemensch, ein beeindruckender Denker und Redner."

dpa/ms/LTO-Redaktion

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Wolfgang Schäuble verstorben: . In: Legal Tribune Online, 27.12.2023 , https://www.lto.de/persistent/a_id/53495 (abgerufen am: 15.02.2026 )

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