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Protestaktion einer russischen TV-Mitarbeiterin: Nawalny will Strafe über­nehmen

15.03.2022

Die Abendnachrichten des wichtigsten russischen Nachrichtensenders, Kanal 1, werden auf einem Laptop gezeigt, als sie von einer Frau unterbrochen werden, die gegen den Krieg in der Ukraine protestiert.

Eine russische TV-Mitarbeiterin hält in der Nachrichtensendung des Staatsfernsehens einen Aufruf "Stoppt den Krieg" hoch. Foto: picture alliance / NurPhoto | STR

Die TV-Mitarbeiterin, die eine Nachrichtensendung des russischen Staatsfernsehens mit ihrem Protest gegen den Krieg in der Ukraine unterbricht, bekommt breite Anerkennung und Unterstützung. Jetzt drohen ihr aber mehrere Jahre Haft.

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Die TV-Mitarbeiterin, die am Montag mit einem Protest gegen Russlands Krieg in der Ukraine die Hauptnachrichtensendung des russischen Staatsfernsehens unterbrach, hat weltweit eine Welle der Anerkennung ausgelöst. Der Mitschnitt der Szene, in der sie mit einem handgeschriebenen Plakat hinter der Nachrichtensprecherin auftaucht, wurde am Dienstag vielfach unter anderem im Kurznachrichtendienst Twitter geteilt. "Was Mut wirklich bedeutet", schrieb etwa Pianist Igor Levit dazu. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bedankte sich bei ihr.

Zugleich hätten Anwälte der Bürgerrechtsorganisation IWD-Info die Frau auch mehr als zehn Stunden nach der Protestaktion nicht kontaktieren können, schrieb der Ex-Chefredakteur des verbotenen Radiosenders Echo Moskwy, Alexej Wenediktow, auf Twitter.

Die Frau sprang am Montagabend während der Live-Übertragung hinter der Nachrichtensprecherin ins Bild und hielt ein Schild mit den Worten "Stoppt den Krieg. Glaubt der Propaganda nicht. Hier werdet ihr belogen". Dazu rief sie mehrmals laut: "Nein zum Krieg!" Der Sender schaltete nach wenigen Sekunden zu einem Videobeitrag.

Russin drohen bis zu 15 Jahre Gefängnis

Laut russischen Medienberichten und Journalisten heißt die Frau Marina Owsjannikowa und ist eine Mitarbeiterin des Staatssenders. Im Netz verbreitete sich ein zuvor aufgenommenes Video, in dem sie ihre politische Position erklärt. Darin nimmt unter anderem Bezug auf die Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland 2014 sowie die Vergiftung des russischen Oppositionsführers Alexej Nawalny.

Sie sagt, sie schäme sich dafür, jahrelang Kreml-Propaganda verbreitet zu haben. "Was in der Ukraine geschieht, ist ein Verbrechen. Und Russland ist der Aggressor".  Verantwortlich für die Aggression sei nur Russlands Präsident Wladimir Putin. Sie rief ihre Landsleute dazu auf, gegen den Krieg zu protestieren. "Es liegt nur an uns, diesen ganzen Wahnsinn zu beenden." Die Behörden könnten nicht alle einsperren.

Das Lager des russischen Oppositionsführers Alexej Nawalny will die Frau unterstützen. Man wolle die Strafen übernehmen, die gegen sie verhängt werden könnten, schrieb Maria Pewtschich von Nawalnys Organisation FBK am Dienstag auf Twitter. In Russland drohen nach einem kürzlich verabschiedeten Gesetz hohe Strafen für angebliche Falschinformationen über die russischen Streitkräfte bis hin zu 15 Jahren Gefängnis. Der Krieg in der Ukraine wird in den Staatsmedien als "militärische Spezialoperation" bezeichnet.

Dennoch bereut die Russin ihre Protestaktion nicht, wie sie am Dienstagmorgen auf Twitter schreibt. Sie wisse nicht, was in nächster Zeit mit mir geschehen werde. "Aber ich brauche ihre Unterstützung."

Update: TV-Mitarbeiterin bereits verurteilt

Der Vorgang gilt in dem fast militärisch streng geregelten Sendebetrieb des Staatsfernsehens mit kremltreuen und sehr gut bezahlten Propagandisten als beispielloser Vorgang. Zunächst fehlte von ihr jede Spur. Am Nachmittag veröffentlichte der prominente russische Journalist Alexej Wenediktow in einem Telegram-Kanal dann ein Foto von Owssjannikowa mit ihrem Anwalt Anton Gaschinski in einem Gerichtsgebäude.

Russische Medien berichteten, dass die TV-Mitarbeiterin wegen der Organisation einer nicht erlaubten öffentlichen Aktion belangt werde. Sie sei zu einer Geldstrafe in Höhe von 30.000 Rubel (226 Euro) verurteilt worden. Eine Anklage nach dem neuen russischen Mediengesetz sei nicht erfolgt.

dpa/mgö/LTO-Redaktion

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Protestaktion einer russischen TV-Mitarbeiterin: . In: Legal Tribune Online, 15.03.2022 , https://www.lto.de/persistent/a_id/47828 (abgerufen am: 17.12.2025 )

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