Druckversion
Dienstag, 11.08.2026, 06:49 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/nachrichten/n/deutscher-pass-staatsangehoerigkeit-doppelpass-nancy-faeser-reform-bundesregierung
Fenster schließen
Artikel drucken
52545

Kabinett beschließt Reform des Staatsangehörigkeitsrechts: Sch­neller zum deut­schen Pass

23.08.2023

Deutscher Pass auf Tastatur

Die Bundesregierung will Einwanderern den Zugang zur deutschen Staatsbürgerschaft erleichtern. Foto: stock.adobe.com/Raif.

Viele Ausländer leben lange in Deutschland, beantragen aber keinen deutschen Pass. Die Bundesregierung will das ändern – für mehr Fachkräfte, aber auch als Anreiz für eine bessere Integration. Kritik kommt von verschiedenen Seiten.

Anzeige

Gut integrierte Einwanderer und ihre Kinder sollen künftig schneller einen deutschen Pass bekommen. Das Bundeskabinett billigte am Mittwoch den Entwurf von Innenministerin Nancy Faeser, der Änderungen des Staatsangehörigkeitsgesetzes und des Passgesetzes vorsieht. Danach werden Wartezeiten verkürzt und auch Doppelpässe ermöglicht.

Bisher sind Anträge auf Einbürgerung eher selten: Im vergangenen Jahr beantragten rund 168.500 Menschen die deutsche Staatsangehörigkeit - und damit laut Innenministerium gerade einmal 3,1 Prozent der Ausländer, die seit mindestens zehn Jahren hier leben. Deshalb machten die Grünen schon Ende vergangenen Jahres Druck, das Staatsangehörigkeitsrecht zu ändern. 

Die oppositionelle Union befürchtet allerdings, dass das Gesetz "Integrationsprobleme" verschärft und "falsche Signale" sendet. Faeser dagegen argumentierte in Berlin, die neuen Regeln für die Einbürgerung setzten Anreize, hierzulande besser Fuß zu fassen. Denn je besser jemand integriert ist, deutsch spricht und sich gesellschaftlich engagiert, desto eher kann er die Staatsangehörigkeit beantragen. "Wir wollen, dass Menschen, die längst Teil unserer Gesellschaft sind, unser Land auch demokratisch mitgestalten können", sagte die SPD-Politikerin. "Denn unsere Demokratie lebt davon, dass alle mitmachen."

Faeser: Reform ist Anreiz für Fachkräfte 

Zugleich stärke die Reform die Wettbewerbsfähigkeit. "Wir werden die besten Köpfe in der Welt nur gewinnen, wenn sie in absehbarer Zeit voll und ganz Teil unserer Gesellschaft werden können – mit allen demokratischen Rechten", sagte Faeser. Deutschland soll durch die Reform für Fachkräfte attraktiver werden.

Aktuell haben nach Zahlen des Innenministeriums etwa 14 Prozent der Menschen in Deutschland keinen deutschen Pass, etwas mehr als zwölf Millionen. Darunter seien auch rund 5,3 Millionen, die seit mindestens zehn Jahren hier leben. Faeser sieht darin ein Teilhabeproblem: "Wenn ein Teil der Bevölkerung, der hier zu Hause und verwurzelt ist, nicht an politischen Entscheidungsprozessen mitwirken kann, ist das überhaupt nicht gut für unsere Demokratie", sagte sie.

Einbürgerung bei guter Leistung schon nach drei Jahren 

Grundsätzlich sollen Migranten nach dem Willen der Bundesregierung nun schneller den deutschen Pass bekommen können – aber mit Bedingungen zur wirtschaftlichen und demokratischen Integration. 

Einwanderer sollen nach fünf Jahren Aufenthalt in Deutschland Staatsbürger werden können. Bisher mussten sie dafür acht Jahre im Land leben. Bei guten Leistungen in Schule oder Job, guten Sprachkenntnissen oder ehrenamtlichem Engagement soll eine Einbürgerung schon nach drei Jahren möglich sein.

Wer in Deutschland eingebürgert werden will, muss sich außerdem zu den Werten einer freiheitlichen Gesellschaft bekennen. Ausdrücklich ausgeschlossen wird der deutsche Pass daher für Menschen, die aus antisemitischen oder rassistischen Motiven Straftaten begangen haben. Neu eingeführt wird mit der vom Kabinett beschlossenen Reform eine "Übermittlungsregelung": Die Staatsanwaltschaften müssen der Einbürgerungsbehörde auf Anfrage mitteilen, ob jemand, der sich um den deutschen Pass bewirbt, schon einmal wegen einschlägiger Straftaten verurteilt wurde.

Wie das ZDF berichtete, unterstützt der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, die Regelung. "Ich begrüße das ausdrücklich", sagt er ZDF heute. Zwar habe eine antisemitische Straftat auch bisher schon eine Einbürgerung verhindern können, aber: "Dass es jetzt expressis verbis ausgedrückt wird, ausdrücklich erwähnt wird, ist ein wichtiges und gutes Zeichen."

Kritik von Grünen-Poltiker zu wirtschaftlichen Voraussetzungen

Voraussetzung ist auch, dass man seinen Lebensunterhalt in der Regel ohne Sozialleistungen bestreiten kann. Das wird jedoch scharf kritisiert: "Menschen mit Behinderung, Alleinerziehende und ältere Menschen, die existenzsichernde Leistungen beziehen, können die Anforderungen an einen gesicherten Lebensunterhalt oft nicht erfüllen", sagte die unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, Ferda Ataman.

Ähnliche Kritik äußerten der Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz: Die Grünen hätten sich gewünscht, dass es für Menschen, die unverschuldet ihren Lebensunterhalt nicht sichern können, weitergehende Möglichkeiten gegeben hätte. "Diese Ungerechtigkeiten sollte man versuchen, aus der Welt zu schaffen", sagte von Notz am Mittwoch im rbb24 Inforadio. Er hoffe auf Änderungen am Gesetzentwurf im parlamentarischen Verfahren.

Faeser erklärte, für solche Fälle gebe es die Ermessenseinbürgerung: Eine Behörde kann der Einbürgerung in Ausnahmefällen auch zustimmen, wenn nicht alle Voraussetzungen erfüllt sind.

Doppelte Staatsbürgeschaft möglich

Wer einen deutschen Pass haben möchte, muss den alten künftig nicht mehr unbedingt aufgeben. Sogenannte Mehrstaatigkeit wird zugelassen, wenn Integration und Deutschkenntnisse nachgewiesen werden. Das ist bisher nur für EU-Bürgerinnen und -Bürger möglich.

Außerdem sollen alle in Deutschland geborenen Kinder ausländischer Eltern einen deutschen Pass bekommen, wenn mindestens ein Elternteil seit mehr als fünf Jahren rechtmäßig in Deutschland lebt. Bisher gilt hier eine Frist von acht Jahren. Die Kinder sollen zusätzlich die Staatsangehörigkeit ihrer Eltern behalten dürfen.

Auch für Einwanderer, die schon sehr lange in Deutschland leben, sind Erleichterungen geplant. Bei Menschen, die bis in die 1970er Jahre als Gastarbeiter nach Deutschland oder bis 1990 als Vertragsarbeiter in die DDR kamen, soll auf schriftliche Deutsch-Prüfungen und einen Einbürgerungstest verzichtet werden. Sie hätten in der Vergangenheit nur wenig Angebote zur Integration bekommen, argumentierte Faeser. Sie müssen nur nachweisen, dass sie sich im Alltag ohne nennenswerte Probleme auf Deutsch verständigen können.

Anzeige

Union: Reform ist großer Fehler 

Die Union im Bundestag hält die Reform für einen großen Fehler. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt kritisierte: "Wer in Zeiten immer neuer Höchstzahlen bei der Migration auch noch die Voraussetzungen für den deutschen Pass absenkt, provoziert die weitere Polarisierung in der Gesellschaft." Fraktionsvize Andrea Lindholz warnte, der Doppelpass verstärke politische Einflussmöglichkeiten ausländischer Staaten in Deutschland.

Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) sieht die Pläne der Bundesregierung für eine erleichterte Einbürgerung ebenfalls kritisch: "Das Gesetz wirkt wie ein Magnet – auch für mehr illegale Migration – und ist deshalb ein Rückschritt für die Integration." 

Mit dem Beschluss im Kabinett ist das Gesetz noch nicht in Kraft. Es wird nun an den Bundestag weitergeleitet, der nach mehreren Debatten-Runden darüber abstimmt. Faeser sagte, im Idealfall könne die Reform im Januar umgesetzt sein.

dpa/lfo/LTO-Redaktion

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

Kabinett beschließt Reform des Staatsangehörigkeitsrechts: . In: Legal Tribune Online, 23.08.2023 , https://www.lto.de/persistent/a_id/52545 (abgerufen am: 11.08.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Öffentliches Recht
    • Gesetzgebung
    • Migration
    • Staatsangehörigkeit
US-Präsident Donald J. Trump hält während einer Zeremonie zur Unterzeichnung eines Dekrets im Oval Office des Weißen Hauses in Washington ein unterzeichnetes Dekret in die Höhe. 07.08.2026
Trump

Trotz Niederlage vor dem Supreme Court:

Trump will Geburts­recht erneut per Dekret ein­schränken

Wer in den USA geboren wird, bekommt automatisch die Staatsbürgerschaft. Trump versuchte, diese Praxis zu Fall zu bringen – und scheiterte Ende Juni vor dem Supreme Court. Nun versucht er es erneut mit zwei Dekreten.

Artikel lesen
Ein Polizeibeamter bringt einen Mann zu einem Abschiebeflug nach Pakistan 31.07.2026
Abschiebung

VG Augsburg zu verurteiltem Betrüger:

In Deut­sch­land gebo­rener Mann kann abge­schoben werden

Ein Mann wurde wegen bandenmäßigen Betruges zu gut sechs Jahren Haft verurteilt. Deshalb kann er nach Nordmazedonien abgeschoben werden, obwohl er in Deutschland geboren ist. Ein deutliches Signal gegen Nachahmungstaten, so das VG Augsburg.

Artikel lesen
Der Zweite Senat des BVerfG 23.07.2026
Gesetzgebung

BVerfG zu Abgeordnetenrechten:

"Kein bezif­fer­bares Tem­po­limit für die Gesetz­ge­bung"

Im Eilverfahren hatte das Verfassungsgericht 2023 dem Bundestag verboten, noch vor der Sommerpause über die damalige Novelle des Gebäudeenergiegesetzes zu entscheiden. In der Hauptsacheentscheidung lehnte es die Anträge nun aber ab.

Artikel lesen
Grenzkontrollen an der deutsch-österreichischen Grenze, 15.05.2025. 09.07.2026
Migration

Zurückweisungen am VG Karlsruhe und am VG Berlin:

Kein Weg ins Haupt­sa­che­ver­fahren

Verstößt die Zurückweisung von Asylsuchenden gegen EU-Recht? Bisher gibt es zu dieser Frage nur Eilbeschlüsse. Und dabei bleibt es nach neuen Entwicklungen am VG Karlsruhe und am VG Berlin auch. Christian Rath war in Karlsruhe dabei.

Artikel lesen
Beamte der Bundespolizei kontrollieren Fahrgäste am Hamburger Hauptbahnhof, 15.11.2026. 09.07.2026
Bundespolizei

Bundespolizei-Bilanz 2025:

Mehr Gewalt, weniger Straf­taten ins­ge­samt

Mehr Gewalt, mehr Angriffe auf Einsatzkräfte: Die Bundespolizei verzeichnete 2025 einen Anstieg der Gewaltdelikte an Bahnhöfen und anderen Einsatzorten. Gleichzeitig sank die Gesamtzahl der registrierten Straftaten.

Artikel lesen
Janosch Dahmen, Gesundheitspolitiker für die Grünen 08.07.2026
Krankenkassen

Bundesverfassungsgericht soll entscheiden:

Grüne wollen Gesund­heits-Spar­paket stoppen lassen

Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen kündigt an, noch am Mittwoch das Bundesverfassungsgericht anzurufen. Seine Fraktion kritisiert, es gebe zu wenig Beratungszeit vor der Verabschiedung des Gesundheits-Sparpakets im Bundestag.

Artikel lesen
lto karriere logo

Deine Karriere beginnt hier.

Registrieren und nie wieder einen Top-Job verpassen

logo lto karriere
Jetzt registrieren bei LTO Karriere

Finde den Job, den Du verdienst 100% kostenlos registrieren und Vorteile nutzen

  • LTO Job Matching: Finde den Job & Arbeitgeber, der zu Dir passt.
  • Jobs per Mail: Verpasse keine neuen Job-Angebote mehr.
  • Easy Apply: Die einfache und schnelle Bewerbung zu Deinem neuen Job.
Das Passwort muss mindestens 8 Zeichen lang sein und mindestens einen Großbuchstaben, einen Kleinbuchstaben, eine Zahl und ein Sonderzeichen enthalten (z.B. #?!@$%^&*-).
Pflichtfeld *

Nur noch ein Klick!

Wir haben Dir eine E-Mail gesendet. Bitte klicke auf den Bestätigungslink in dieser E-Mail, um Deine Anmeldung abzuschließen.

Weitere Infos & Updates einfach und kostenlos direkt ins Postfach.

LTO Karriere Newsletter

Das monatliche Update mit aktuellen Stellenangeboten & Karriere-Tipps.

LTO Daily

Jeden Abend um 18 Uhr die wichtigsten News vom Tag.

LTO Presseschau

Jeden Morgen um 7:30 Uhr die aktuelle Berichterstattung über Recht und Justiz.

Pflichtfeld *

Fertig!

Um die kostenlosen Nachrichten zu beziehen, wechsle bitte nochmal in Dein Postfach und bestätige Deine Anmeldung mit dem Bestätigungslink.

Du willst Dein Bewerberprofil direkt anlegen?

Los geht´s!
ads lto paragraph
lto karriere logo
ads career people

Bereit für Karriere? Spannende Karriere-Chancen für Volljuristen.

Direkt zu passenden Stellen
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von PwC Legal AG
Ju­ris­ti­scher Mit­ar­bei­ter Tax & Le­gal (w/m/d)

PwC Legal AG, Mün­chen

Logo von PwC Legal AG
Ju­ris­ti­scher Mit­ar­bei­ter Tax & Le­gal (w/m/d)

PwC Legal AG, Düs­sel­dorf

Logo von PwC Legal AG
Syn­di­kus­rechts­an­walt - Ver­trags­ver­hand­lung und IT (w/m/d)

PwC Legal AG, Düs­sel­dorf

Logo von PwC Legal AG
Rechts­an­walt Deals Le­gal / M&A / Pri­va­te Equi­ty (w/m/d)

PwC Legal AG, Nürn­berg

Logo von PwC Legal AG
Rechts­an­walt Li­ti­ga­ti­on, Ar­bi­t­ra­ti­on (w/m/d)

PwC Legal AG, Ber­lin

Logo von FernUniversität Hagen
Wis­sen­schaft­li­che*n Mit­ar­bei­ter*in (w/m/d) am Lehr­stuhl für Bür­ger­li­ches...

FernUniversität Hagen, Ha­gen

Logo von PwC Legal AG
Syn­di­kus­rechts­an­walt - Ver­trags­ver­hand­lung und IT (w/m/d)

PwC Legal AG, Frank­furt am Main

Logo von PwC Legal AG
Ju­ris­ti­scher Mit­ar­bei­ter Tax & Le­gal (w/m/d)

PwC Legal AG, Ham­burg

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Green Claims: Umweltaussagen rechtssicher gestalten

11.08.2026

PraxisRadar Verkehrsrecht

11.08.2026

23. Landesanwaltstag Sachsen-Anhalt 2026

28.08.2026, Merseburg

Aktuelles zur Erbschaft-/Schenkungsteuer und Bewertung

11.08.2026

EU AI Act Compliance im Griff – Schritt für Schritt zur Umsetzung

11.08.2026

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH