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Richter Alexander Hold: "Nie eine 1:1 Wiedergabe der Justiz-Realität versprochen"

Interview mit Alexander Hold

12.02.2013

Richter Alexander Hold

© SAT.1/Benedikt Mueller

Am Dienstag wird die letzte neue Folge von Richter Alexander Hold ausgestrahlt. Damit endet die Ära der Gerichtsshows im deutschen Fernsehen. Ein Format, das manche Juristen als unsäglich abgetan und als Gift für die Zuschauer bezeichnet haben. Im LTO-Interview erzählt der Fernsehrichter, was er nun tun wird, warum seine Show mehr als Unterhaltung war und reale Fälle nicht fürs TV taugen.

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LTO: Die letzte Folge von "Richter Alexander Hold" wurde bereits Ende Januar gedreht. Was machen Sie jetzt? Es heißt, Sat1 plane bereits ein neues Format? Man will sie in den Außeneinsatz schicken?

Hold: Es war an der Zeit, dem Genre einen neuen Anstrich zu verleihen. Das Format der Gerichtsshow ist von seinen Erzählmöglichkeiten ja sehr limitiert. Jeden Tag derselbe Sitzungssaal und die Regeln der Strafprozessordnung ändern sich im Wesentlichen auch nicht. Vielleicht geht mal eine Tür auf und ein überraschender Zeuge erscheint, aber das war es dann schon. Das ist im Grunde ein Kammerspiel. Man hat nicht dieselben Möglichkeiten wie bei einem Krimi. Sie können nicht einfach den Ort wechseln, für die nächste Szene die Protagonisten komplett austauschen.

In der neuen Sendung werde ich nun zu den Menschen hingehen. Da drehen wir dann auch mal auf der Straße oder am Gartenzaun.

LTO: Welche Rolle nehmen Sie dabei ein? Immer noch die des Richters?

Hold: Nicht unbedingt. Die Rolle ist vielseitiger, sie hat keinen klassischen prozessualen Rahmen. Ich bin eine Art Konfliktlöser. Natürlich mit juristischem Hintergrund, aber ohne am Ende ein Urteil am Gartenzaun zu sprechen.

LTO: Ab wann wird die neue Sendung ausgestrahlt?

Hold: Ein konkreter Sendetermin steht noch nicht fest.

"Meine Tätigkeiten lassen sich nicht in zwei Berufe dividieren"

LTO: Hätten Sie auch in den Richterdienst zurückkehren können? Immerhin waren sie neun Jahre im Staatsdienst, erst als Staatsanwalt, später als Richter.

Hold: Ja, die Möglichkeit habe ich nach wie vor. Das bayerische Justizministerium hat meine Tätigkeit beim Fernsehen immer sehr wohlwollend betrachtet. Ich liebe den Beruf des Richters und kann mir sehr gut vorstellen, wieder zurückzukehren. Im Moment reizt es mich aber, ein neues Format auszuprobieren.

LTO: Welche Arbeit hat Ihnen mehr Spaß gemacht? Die im echten Gerichtssaal oder die vor der Kamera?

Hold: Meine Tätigkeiten in zwei verschiedene Berufe zu dividieren, trifft es nicht. Es war mir immer ein Anliegen, den Menschen das Recht und die Justiz näher zu bringen. Aber wer geht denn schon mal in ein Amtsgericht und schaut sich dort ein Verfahren an? Mit unserer Sendung konnten wir all denen, die das wahrscheinlich nie tun werden, einen Eindruck davon vermitteln, wie die Justiz mit den Menschen umgeht, wie sie versucht die Wahrheit herauszufinden.

LTO: Das heißt, "Richter Alexander Hold" sollte mehr sein als Unterhaltung am Nachmittag?

Hold: Natürlich ist eine Gerichtsshow kein Telekolleg und es ist klar, dass Fernsehzuschauer in erster Linie unterhalten werden wollen. Das wissen mittlerweile ja sogar die Nachrichtenmenschen.

Meine Sendung als bloße Unterhaltung abzutun, ist aber zu kurz gegriffen. Es werden durchaus gesellschaftlich relevante Themen diskutiert und im Vergleich zum Krimi geht es nicht nur darum, den Täter zu suchen, sondern auch darum, dessen persönliche Schuld zu ermitteln und dem Opfer gerecht zu werden. Der Zuschauer hat außerdem die Möglichkeit, sein eigenes Wertesystem mit dem meiner Urteile abzugleichen.

"Kritik kommt nahezu nur von Journalisten, nie von Juristen"

LTO: Gerade Juristen stehen Ihrer Sendung durchaus kritisch gegenüber. Albern und unsäglich sei die Show, sie verfälsche die Realität und sei zum Teil juristisch so unsinnig, dass sie dem Ansehen der Justiz und der Anwaltschaft schade. Was antworten Sie den Kollegen?

Hold: Kritik kommt nahezu nur von Journalisten, fast nie von Juristen.

LTO: Doch, es gibt auch Juristen, die sich kritisch geäußert haben.

Hold: Sehr selten. Vor kurzem war ich zu Gast in der SWR-Talkshow Nachtcafé. Der Moderator wollte erreichen, dass über den ehemaligen Präsidenten des Bundesgerichtshofs Günter Hirsch in der Runde Kritik an meiner Sendung eingebracht wird. Das hat aber nicht funktioniert. Hirsch hat gesagt, dass er die Show sehr gut findet, weil sie einen Einblick in den Gerichtsalltag gibt. Und der Strafverteidiger, der zu Gast war, hat sich ganz ähnlich geäußert.

Die meisten Juristen haben auf die Gerichtsshows zumindest gelassen reagiert, wenn nicht gar zustimmend. Sie zeigen sich überrascht, wie nah sich der Ablauf der Show an der Realität orientiert, wie sehr etwa die Regeln der Beweisverwertung eingehalten werden.

Fragen Sie doch mal einen Polizist oder einen Arzt, wie wirklichkeitsgetreu er seinen Berufsstand im Fernsehen wiedergegeben sieht. Jeder Tatortkommissar müsste doch nach zehn Minuten aus dem Dienst entfernt werden.

Im Übrigen vergeht kaum eine Woche, in der ich nicht einen Zeitungsartikel über ein Gerichtsverfahren zu lesen bekomme, der mit den Worten beginnt: "So etwas gibt es normalerweise nur bei Richter Alexander Hold…".

Mal ganz davon abgesehen, dass wir nie behauptet haben, die Justiz-Realität 1:1 wiederzugeben.

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  • Seite 1:

    Holds neue Rolle im Außeneinsatz und die Kritik von Kollegen an den Gerichtsshows

  • Seite 2:

    Wie Hold Fernsehrichter wurde und was er von einer Live-Übertragung aus dem Gerichtssaal hält

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Richter Alexander Hold: . In: Legal Tribune Online, 12.02.2013 , https://www.lto.de/persistent/a_id/8134 (abgerufen am: 07.02.2026 )

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