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BGH zu Haftung bei Ausflügen im Urlaub: Urlauber in der Ver­mitt­ler­falle

von Prof. Dr. Ernst Führich

13.01.2016

Offroad-Safari

© Viacheslav Krylov

Wer als Reiseveranstalter extern organisierte Ausflüge in einer eigenen Mappe anbietet, kann sich im Falle eines Unfalls nicht durch eine Vermittlerklausel der Haftung entziehen. Ernst Führich erläutert die aktuelle Rechtsprechung des BGH.

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Eigentlich ist das Gesetz klar und eindeutig. Trotzdem musste der Bundesgerichtshof (BGH) am Dienstag wieder einmal bei einem Ausflug verletzte Urlauber einer Pauschalreise aus der Vermittlerfalle befreien (Urt. v. 12.01.2016, Az. X ZR 4/15). Nach § 651a II Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) bleibt eine solche Vermittlerklausel in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) "unberücksichtigt, wenn nach den sonstigen Umständen der Anschein begründet wird, dass der Erklärende die vertraglich vorgesehenen Leistungen in eigener Verantwortung erbringt". Dies ergibt sich seit über 30 Jahren aus dem Reisevertragsrecht des BGB.

Durch zahllose klarstellende Urteile der Oberlandesgerichte und des BGH selbst sind die Normen einheitlich so ausgelegt worden, dass  es zwingend untersagt ist, sich bei zusätzlich während der Reise gebuchten Ausflügen formularmäßig einer Vermittlerklausel zu bedienen, wenn sich aus den objektiven Umständen im Gegensatz dazu der Anschein ergibt, dass der Reiseveranstalter den Ausflug eines Drittanbieters in eigener Verantwortung erbringt.

Gleichwohl versuchen viele Reiseveranstalter in der Praxis durch eine Flucht in die Vermittlerstellung der Haftung für ihre Leistungsträger zu entgehen. Das ist gerade dann der Fall, wenn das externe Ausflugsangebot ernste Risiken birgt, so wie das bei Safarireisen, Bootsausflügen, Wasserskikursen oder generell Outdoor-Aktivitäten sein kann. Generell gilt deshalb: Ist der anbietende Subunternehmer vertraglich gegenüber dem Reiseveranstalter verpflichtet, dem Kunden diese Zusatzangebote zu erbringen, ist der Subunternehmer als Erfüllungsgehilfe des Veranstalters anzusehen.

Reiseveranstalter versuchen zu tricksen

Dann haftet der Veranstalter für alle Pflichtwidrigkeiten so, als ob er selbst den Ausflug veranstaltet hätte. Das kann mitunter sehr teuer werden, wie der aktuelle Fall vor dem BGH zeigt. Ist der Veranstalter hingegen nur Vermittler, ist er fein heraus, da er dann nur für Fehler bei der Buchung des Kunden haftet. So hat der Urlauber neben dem Reisevertrag dann noch einen vermittelten Werkvertrag mit dem Drittanbieter nach dessen ausländischer Rechtsordnung geschlossen und muss eventuelle Unfallfolgen am Urlaubsort gerichtlich durchsetzen. Liegt dagegen eine Eigenleistung des Veranstalters vor, ist der Gerichtsstand an dessen Sitz maßgeblich.

Was war nun im aktuellen Fall speziell geschehen? Die Kläger machten gegen den Reiseveranstalter Alltours ein Schmerzensgeld von über 80 000 Euro geltend, nachdem sie sich bei einem Unfall auf einer Ausflugsfahrt am Urlaubsort verletzten. Dort erhielt das Ehepaar auch von der Beklagten eine Begrüßungsmappe mit einem Blatt, auf dem unter dem Alltours-Logo und der Überschrift "Ihr Ausflugsprogramm" verschiedene Veranstaltungen, unter anderem eine "Berg und Tal: Geländewagen-Tour", angeboten wurden. Unter der Auflistung wurde darauf hingewiesen, dass die Beklagte lediglich als Vermittler für die von der örtlichen Ausflugsagentur organisierten Ausflüge fungiere und die Ausflüge auch per SMS oder per E-Mail an eine bulgarischen Mailadresse reserviert werden könnten, gefolgt von der fettgedruckten Aufforderung "Reservieren Sie bei Ihrer Reiseleitung!". Die Kläger buchten sodann die auch als "Jeep-Safari" angebotene Geländewagentour beim Reiseleiter der Beklagten, auf der sie sich später verletzten.

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  • Seite 1:

    Vermittler oder nicht Vermittler: das ist die Frage

  • Seite 2:

    Eigene Reiseleitung vs. ausländische Mailadresse

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Zitiervorschlag

BGH zu Haftung bei Ausflügen im Urlaub: . In: Legal Tribune Online, 13.01.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/18122 (abgerufen am: 08.10.2026 )

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