Sprachkompetenz von Jura-Studierenden: "Teilweise eklatante Rechtschreibfehler und mangelhafte Grammatik"

von Constantin Körner

23.08.2012

Immer häufiger beklagen Universitäten die mangelnde Sprachkompetenz ihrer Studierenden. Selbst Examensarbeiten litten unter Rechtschreib- und Grammatikfehlern. An der Ruhr-Universität Bochum reagiert man jetzt auf diesen Missstand mit dem Projekt "Lesen bildet (auch Juristen!)". Constantin Körner hat sich für uns informiert.

 

Nach den Erfahrungen am Lehrstuhl für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum haben Studierende offenbar häufig Probleme mit Rechtschreibung, Grammatik und Lesekompetenz. "Uns fällt das insbesondere im Rahmen der Klausuren der Anfangssemester auf", berichtet der wissenschaftliche Mitarbeiter Jeldrik Mühl. Viele Studierende hätten Probleme damit, Kernaussagen aus Texten und Vorlesungen in eigenen Worten wiederzugeben. Häufig würden Aufgabenstellungen sogar nur mit Schlagwörtern in Stichpunkten bearbeitet. Und dies beschränkt sich nicht nur auf die Anfangssemester: "Selbst die Seminararbeiten, die an unserem Lehrstuhl im Rahmen des ersten Staatsexamens eingereicht werden, leiden teilweise an eklatanten Rechtschreibfehlern und mangelhafter Grammatik."

Diese Schwächen seien insbesondere für Juristen eine "peinliche Angelegenheit". Schließlich, so Mühl, bemühen sich diese doch um die Anwendung von Recht und Gesetz: "Wie soll dies gelingen, wenn sie schon die Regeln der Rechtschreibung und Grammatik nicht beherrschen?" Dies führt nicht nur  häufig zu Missverständnissen in schriftlichen Prüfungen. Probleme im Bereich der Lesekompetenz behindern Juristen direkt in ihrem Zugang zum Recht.

Suche nach Schuldigen: Schule, technische Hilfsmittel, Reizüberflutung

Worin liegen die Ursachen dieser Fehlentwicklung? Lesen und Schreiben muss ein Abiturient doch in der Schule gelernt haben, sollte man meinen. Mühl sieht die Verantwortung "nicht allein" bei den Schulen: "Die Bedingungen für ein erfolgreiches Lernen der Sprachregeln werden in unserer Gesellschaft schlechter. Allgemein sind hier Reizüberflutung und Effektivitätsdruck zu nennen und im speziellen neue Kommunikationsformen und technische Hilfsmittel, die uns vermeintlich das Erlernen der Rechtschreibung und Grammatik ersparen."

Bei "Lesen bildet (auch Juristen!)" setzt man auf das klassische Lehrbuch als Lernmethode. Per Zufall werden 30 der rund 600 Teilnehmer der Grundlagenvorlesung Kriminologie ausgewählt. Diese erhalten kostenlos ein Kriminologie-Lehrbuch, mit dem sie den Lehrstoff nachbereiten und sich auf die Abschlussklausur vorbereiten können. Mühl leitet sie dabei didaktisch an und betreut sie: "Unmittelbar ist das Projekt auf die Verbesserung der Lesekompetenz ausgerichtet. Mittelbar wirkt das Lesen fehlerfreier Texte aber auch positiv auf Rechtschreibung und Grammatik. Das Nachahmen ist eine der effektivsten Lernmethoden."

Pilotprojekt: Besser schreiben dank Lehrbuch?

Zu Beginn des Semesters erhalten die Teilnehmer zunächst Tipps zum Umgang mit dem Lehrbuch: "Es werden Lesetechniken zum Bearbeiten wissenschaftlicher Texte vermittelt. Der Gliederung und dem Autor werden besondere Aufmerksamkeit gewidmet als Grundlage für das zusammenhängende Verständnis der Lehrbuchinhalte. Außerdem wird erklärt, wie das Lehrbuch vorlesungsunterstützend genutzt werden kann." Zur Hälfte der Vorlesungszeit erfolgt eine Bestandsaufnahme, um Probleme und Erfahrungen mit dem Lehrbuch auszutauschen: "Anhand von Wiederholungs- und Vertiefungsfragen wird überprüft, ob es den Teilnehmern gelungen ist, Kernaussagen und Zusammenhänge bestimmter Lehrbuchabschnitte zu erfassen." Das letzte Treffen dient der Klausurvorbereitung.

Indem man die Klausurnoten der Teilnehmer mit denen der übrigen Studierenden vergleicht, wollen Mühl und seine Kollegen beweisen, dass Lesen tatsächlich bildet. Auch Juristen. Fällt die Notenbilanz positiv aus, ist es nicht ausgeschlossen, dass Erfahrungswerte des Projekts auf weitere Lehrveranstaltungen an der Fakultät übertragen werden.

"Es müssten Wege gefunden werden, Studierende zur verstärkten Lektüre von Lehrbüchern zu bewegen. Vorlesungsbegleitende Lehrbuchlektüre könnte als Pflichtaufgabe gestaltet werden.  Sinnvoll wäre es, zum Studienbeginn Lese- und Lerntechniken, die sich für das Jurastudium eignen, zu vermitteln", so Mühl.

Zitiervorschlag

Constantin Körner, Sprachkompetenz von Jura-Studierenden: "Teilweise eklatante Rechtschreibfehler und mangelhafte Grammatik". In: Legal Tribune Online, 23.08.2012, http://www.lto.de/persistent/a_id/6909/ (abgerufen am: 23.05.2016)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 23.08.2012 16:20, Joachim Bendixen

    Wenn zu diesen Artikel nur wenige Leserzuschriften eintreffen, so mag es daran liegen, dass nur wenige die Hürde der schwierigen Spamschutz-Aufgabe nehmen konnten.

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  • 23.08.2012 17:16, Giuseppe Sbirziola

    Hier werden meiner Meinung nach Ursachen und Wirkungen vertauscht. Es erscheint ein wenig fragwürdig, wenn Abiturienten während ihrer Schulzeit noch treffend formulieren und zusammenfassen können, es während des Jurastudiums jedoch verlernen.

    Woran mag das liegen? Ich habe jedenfalls beobachtet, dass viele Jurastudenten schlichtweg damit überfordert sind, den Stoff richtig zu erfassen. Das liegt aber weder an ihrer mangelnden Lesekompetenz, noch an ihrem generellen Unvermögen, Inhalte zusammengefasst wiederzugeben. Es fehlt effektiv an einer Lehre, die in einfachen Worten den Stoff wiedergibt. In meiner Laufbahn sind mir selbst Professoren begegnet, die einfache Sachverhalte und juristische Konstruktionen nicht in einfachen Worten wiedergeben können. Man versteckt sich ganz gerne recht eloquent hinter dem Deckmantel der "Wissenschaftlichkeit", statt ein rechtliches Problem einfach darzustellen. Bei all dem Getue und der - wie sagte mein Erstsemesterprof im BGB - "exzessiven Akkumulation von Fremdwörtern" wird dabei folgendes außer Acht gelassen: auch Jura ist eine Sprache, die es zu lernen gilt. Auch hier muss ich erst mal eine Grundgrammatik und ein Vokabular erlernen. Habe ich das verstanden, kann ich auch Lehrbücher verstehen. Diese sind nämlich nicht (Ausnahmen bestätigen die Regel) für das Lernen, sondern für die Reputation des Autors geschrieben. Der gemeine Jurastudent ist am Anfang nur eins: Laie! Mit dem Besuch der ersten Vorlesung wird aber ein Anforderungsprofil an ihn gestellt, als habe er bereits Jura studiert. Dies wird gerade sprachlich erwartet. Ihm werden die Verwendung des Gutachtenstils in den Klausuren fälschlich und der wissenschaftliche Schreibstil in aller Regel gar nicht beigebracht. Wie wäre es mit einem Postulat: schreibe in einfachen, klar verständlichen Sätzen und füge etwas abstraktem lieber mal ein Beispiel hinzu. Ich kann aber nur einfach schreiben, wenn ich die Thematik verstanden habe. Lehrbücher – zumindest die gängigen – erscheinen mir hier jedoch aus oben genannten Gründen nicht als effektives Mittel.
    Es fehlt an einer klar verständlichen, Grundlagen schaffenden Lehre – ebenfalls ein Grund, warum erst nach einem Besuch bei einem Repetitor (welcher ebenfalls irreführend ist) – sich auch der Ausdruck ändert. Schon mal ne Examensklausur in klar verständlichem Deutsch gelesen? Wenn ja, war diese sicherlich in kurzen und klaren Sätzen gefasst (und dürfte vom Umfang unter 15 Seiten liegen). Dies sind aber Dinge, die allenfalls nur stillschweigend erwartet werden!

    Zur Seminararbeit: Hätten Studenten der Rechtswissenschaften genauso viel Zeit wie ein Bachelorstudent (sprich 3 Monate) für ihre Examensarbeit, bliebe bei gleicher Stoffmenge ebenfalls viel Zeit für sprachliche Korrektur. Aber hierzu ist zu sagen: einige „faule“ wird es immer geben, jene die erst in der letzten Woche anfangen. Um den Bogen zu meiner ersten Aussage zu treffen: die Überforderung wird geschaffen, wir bemerken nur ihre Auswüchse und heißen sie nicht gut.

    Vielleicht findet sich dieser Kommentar mit einer Grammatik- und Rechtschreibungsüberprüfung (bzw. Tippfehler) in der nächsten Kriminologie- Vorlesung für die allgemeine Erheiterung wieder. Ich wünsche - trotz meiner Kritik - Herrn Mühl und seinem Team ernsthaft sehr gutes Gelingen mit ihrem Projekt!

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    • 24.08.2012 02:16, Hasso Lieber

      Ich stimme der Kritik von Giuseppe Sbirziola über die Unfähigkeit vieler "Wissensachaftler", sich verständlich auszudrücken, grundsätzlich zu, ist doch gerade die verquaste Sprache von Juristen häufig ein untrügliches Indiz dafür, das Problem selbst nicht hinreichend durchdrungen und verstanden zu haben.

      Die Kritik der Ruhr-Uni Bochum hat aber einen anderen - und wie ich finde ernsteren - Hintergrund. Als Lehrbeauftragter einer (Fach-)Hochschule, die u.a. Rechtspfleger ausbildet, begleitet mich dasselbe Phänomen, das die RUB schildert. Auch diese Studierenden haben das Abitur bestanden, sind aber konsequent nicht in der Lage, ein Relativpronomen (das) von einer Konjunkton (dass) zu unterscheiden. Eine Interpunktion findet grundsätzlich nicht statt. Und dass Satzanfänge und Substantive allen Bemühungen zum Trotz in der deutschen Sprache immer noch mit Großbuchstaben beginnen, ist eine vielfach vernachlässigte Tatsache. Noch ernster zu nehmen sind Verstöße gegen die Regel, dass notwendige (Mindest-)Bestandteile eines Satzes immer noch Subjekt und Prädikat sind.

      Fast schon auf einer höheren Ebene liegt die Kritik, dass gegen den Grundsatz "Jeder Satz muss sich logisch aus dem vorhergehenden ergeben" konsequent verstoßen wird. Da werden Gedanken aneinander gereiht, deren Zusammenhang (und daher auch die Schlussfolgerungen) sich nur mühsam erschließt. Wie sind bei diesen Studierenden eigentlich die Deutsch-Aufsätze bewertet worden?

      Die Kritik richtet sich also an die vorangehende Schulbildung, weniger an die studierte Fachrichtung. Wobei bei Juristen allerdings erschwerend hinzukommt, dass Sprache ihr Hauptarbeitsmittel ist. Würde ein Auszubildender eines handwerklichen Berufes sein Werkzeug so behandeln wie viele Juristen die deutsche Sprache, wäre die Ausbildung gefährdet. Aber da gilt - und da bin ich wieder einig mit Giuseppe Sbirziola -, dass der Fisch eben am Kopf anfängt zu stinken.

    • 24.08.2012 23:41, D. Rieber

      Ich stimme sowohl dem Artikel wie auch Herrn Sbirziola zu - genau dies waren die Erfahrungen, die ich in meiner 4jährigen Zeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin an 2 verschiedenen Universitäten gemacht habe.
      Allerdings sehe ich hier nur sehr bedingt einen Zusammenhang. Die mangelnde Sprachkompetenz gründet mE fast ausschliesslich auf den veränderten Freizeit - und Schulgewohnheiten. Statt mit Büchern beschäftigt sich die Jugend mit PC und Playstation, statt Brieffreundschaften pflegt man FB-Freundschaften mit der dementsprechenden Kurzsprache. In der Schule wird immer weniger (teilweise auch dem G8 geschuldet) Zeit und Wert auf Qualität und eigenes Denken gelegt, durch die vorhandenen Medien werden vorgegebene Bücher nicht mehr gelesen, sondern anhand von Zusammenfassungen kurz inhaltlich erarbeitet.
      Zu dem rhetorischen und didaktischen Problem vieler Lehrenden: Immerhin mache ich die Beobachtung, dass die jüngeren Professoren da gegensteuern.
      Die ältere Generation macht aber genau das, was Herr Sbirziola ausgesprochen hat - sie versteckt sich häufig Deckmantel der "Wissenschaftlichkeit", statt ein rechtliches Problem einfach darzustellen. Das hat nach meinen Überlegungen mehrere Gründe:
      Erstens würden Sie die Aura des hochgebildeten und elitären Juraprofessors und der dazugehörigen Wissenschaft verlieren, wenn sie zugeben würden, dass Jura eigentlich ganz einfach sein kann.
      Zweitens haben Sie die Grundzüge und Systematiken so verinnerlicht, dass sie gar nicht mehr darauf kommen, dass gerade dieses Basiswissen häufig fehlt. Sie sind so in der Materie drin, dass sie sich natürlich um Detailprobleme Gedanken machen können und wollen. In Anbetracht dessen sollte man solche Vorlesungen allenfalls als wissenschaftlichen Anreiz sehen. Fälschlicherweise wird aber oft der Eindruck erweckt, dass dieses Detailwissen unverzichtbar für das Examen ist. Auf der Strecke bleibt das Grundwissen - so erfolgt beispielsweise statt einer sauberen Rücktrittsprüfung, (Anspruchsgrundlagen § 346 (statt § 323 o.Ä.), gegenseitiger Vertrag, Rücktrittsgrund, Rücktrittserklärung und Rechtsfolge) ein Besinnungsaufsatz zur neuesten Rechtsprechung zur Wertersatzpflicht).
      Sich ein juristisches Themengebiet verständlich und aufs Wesentliche reduziert zu erarbeiten ist sehr viel zeitintensiver und mühseliger, da man hierfür unzählige Seiten Fachliteratur sowie das Gesetz durcharbeiten muss - aber es lohnt sich, erst Recht, wenn man die Verpflichtung hat, Studenten das Thema nahezubringen. Schade, dass viele diese Verpflichtung mE nicht ausreichend ernst nehmen...

  • 25.08.2012 13:01, Michael Behrens

    Mir fallen dazu spontan zwei Dinge ein:

    1) Die Zeit von totem Baum als Bedarfsträger für Informationen geht dem Ende zu. Lehrtexte sollten elektronisch zur Verfügung stehen, idealerweise auch mit Querverweisen und mehr die direkt benutzbar sind. Mir als Laien ist es lästig ständig die Verweise auf andere Gesetze, h.M. etc. zu Fuss aufschlagen zu müssen - glaube nicht daß es den Fachleuten von meiner und jüngeren Generationen anders geht.
    Und wenn die Verlage sich noch so sehr sträuben (Stichwort Möglichkeit von Verletzungen der Verwertungsrechte (§§15ff UrhG) - die Zeit hält nicht inne.
    Und wenn die Lehrbücher elektronisch und sauber und ansprechend aufbereitet vorliegen werden diese vielleicht auch wieder mit mehr Begeisterung gelesen.

    2) Lesen, lesen, lesen. Lesen hilft beim Schreiben durch Nachahmung. Korrekt. So habe ich selber Schreiben gelernt. Nicht perfekt, aber es wird sich selten beschwert - eher kommen die Leute zu mir mit "kannste mal drüberschauen...".
    Nur, was soll die Jugend heute denn lesen? Klassiker vom Schlage eines JWvG der seine ganz spezielle Sprache hatte? Oder eher aktuelle Veröffentlichungen? Die Papierfetzen die sich Tageszeitungen nennen, wöchentlich erscheinende Zeitschriften wie zB den Spiegel? Computerzeitschriften, oder aktuelle Bücher gar? Wo finden sich denn heute noch Texte die auch nur annähernd der alten oder neuen (pfui) Rechtschreibung genüge tun? Die Artikel werden zusammenge[Schimpfwort einsetzen] und Lektorat und Co fallen schon längst unter "Luxus. Braucht man nicht. Senkt Erträge." Mir bluten die Augen wenn ich Texte aus ehemals angesehenen Quellen zu mir nehme.
    (ok, lto bildet hier bisher wohl eine Ausnahme. Danke dafür. Nichts ist schlimmer als sich fragen zu müssen: "Was will der Autor hier sagen und was verd. noch mal ist seine Muttersprache")

    Zu den Kommentaren fällt mir noch ein:
    @Hasso Lieber ("Jeder Satz muss sich logisch aus dem vorhergehenden ergeben"):
    Auch DAS wird doch von "Vorbildern" übernommen. Lehrer, Zeitschriften, (sogar Lehr-)Bücher, Politiker, (angebl.) Wissenschaftler, Richter (bis hoch zum BGH (BVerfG mal ganz zu schweigen die oft die undankbare Aufgabe haben GG und politisch "tragbares" Urteil unter einen Hut zu bekommen)) hauen teilweise Ergüsse in die Gegend bei denen einem schaudert.

    Wundert "uns" wirklich was im Artikel beschrieben ist?

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    • 25.08.2012 17:58, Giuseppe Sbirziola

      Dazu fällt mir doch so gleich ein, dass so manch ein Ausbilder in meiner Referendarsarbeitgemeinschaft doch nicht den Unterschied zwischen Präsens und Perfekt kannte, uns aber den sprachlichen Aufbau des Urteils beibringen wollte (was diesem aber auch so ganz gut gelang!)

    • 18.09.2012 10:50, D.S.

      Was genau ist denn so "Pfui" an der neuen Rechtschreibung?

  • 28.08.2012 12:56, Jeldrik Mühl

    Lieber Giuseppe,

    ich stimme Dir insoweit zu als das auch an die Lehrkompetenz hohe Anforderungen zu stellen sind die leider nicht immer erfüllt werden.
    Und auch ich kenne die von Dir beschriebene besondere Problemkonstellation im Bereich des Jurastudiums.

    Mangelnde Lese- und Schreibkompetenz der Studierenden ist aber kein jura- oder RUB-spezifisches Problem. Vergleiche hierzu einmal die viel zitierte dpa Meldung „Professoren beklagen sinkendes Niveau“ z.B.: Unter http://www.news.de/wirtschaft/855332566/professoren-beklagen-sinkendes-niveau/1/

    Mir geht es nicht darum den Studierenden den schwarzen Peter zuzuschieben. Vielmehr möchte ich als Lehrender meiner Verantwortung gerecht werden innovative Lehrkonzepte zu entwickeln und diese auch empirisch zu überprüfen.
    Bei dem hier diskutierten Projekt „Lesen bildet“ handelt es sich nicht um die Lektüre irgendeines verklausulierten Lehrbuches eines reputationssüchtigen Autors. Vielmehr wird ein ausgewähltes, didaktisch gut aufbereitetes, Lernbuch mit einer relativ kleinen Gruppe und unter direkter Betreuung bearbeitet. Dies ist nur ein Ansatz – er wird sich als gut oder schlecht herausstellen.
    Daneben betreibt unser Lehrstuhl ein umfangreiches E-Learning Angebot. Unter anderem werden die Vorlesungen aufgezeichnet und den Studenten als Video und Podcast zur Verfügung gestellt. In diesem Zusammenhang haben wir aktuell das Projekt „Computer Based Training in Kriminologie“ (CBTKrim) ins Leben gerufen. Hier sollen die Studierenden als unmittelbare Lernkontrolle online Wiederholungs- und Vertiefungsfragen beantworten. Auch dieses Projekt wird evaluiert. Besonders in den Sozialwissenschaften ist umstritten, ob durch die computergestützte Abfrage von Vorlesungsinhalten (nur) reines „Auswendiglernen“ möglich ist, oder ob auch das tiefergehende Verständnis für die Grundstrukturen eines Faches oder einer Thematik (hier: Kriminalität und abweichendes Verhalten) vermittelt werden kann.

    Liebe Grüße
    Jeldrik

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  • 01.09.2012 10:04, Zweifler

    Ich mache diese Erfahrung ebenfalls, allerdings im Berufsleben (bin kein Jurist). Die Korrespondenz von Menschen mit Abitur (auch älteren Semestern) strotzt nur so vor Rechtschreib- und Grammatikfehlern - und damit meine ich keine verzeihbaren Tippfehler, sondern Fehler, die zeigen, dass wesentliche Regeln nicht verstanden wurden. Sicher tragen die Schulen eine immense Mitschuld. Wenn man mit derart fehlerhafter Schreibweise das Abitur bekommen kann, läuft etwas falsch. Hinzu kommt ein hier schon mehrfach genanntes Argument: Lesen bildet - sowohl das Textverständnis als auch die eigene Schreibkompetenz. Aber gelesen wird immer weniger, auch weil es den Schulen eben nicht gelingt, Freude an Literatur zu vermitteln. Dieser Zustand verschlimmert sich zusehends.

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  • 18.09.2012 10:46, Dirk

    Da beschwert sich doch tatsächlich gerade die Juristerei über mangelndes Sprachvermögen? Die Zunft, die scheinbar eine Liebe zum übermäßigen Gebrauch von Relativsätzen hegt? Die "Wissenschaft", der am Ende eines Satzes einfällt nochmal schnell die inhaltliche Aussage zu ändern, indem einfach ein "nicht" an den Satz gehängt wird? In meiner Examensvorbereitung merke ich derzeit, dass sich juristische Literatur nicht immer unbedingt positiv auf das Sprachvermögen auswirkt. Das ist sicherlich nicht nur der bürokratisierten Sprache, sondern auch der häufig mangelnden Rethorik zahlreicher Lehrbücher geschuldet. Hier jetzt mit einem Kriminologie-Lehrbuch Abhilfe schaffen zu wollen halte ich, vor dem Hintergrund meiner Erfahrungen, für destruktiv. Wie auch die gesamte Initiative "Lesen bildet" sich als nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein. Wenn 30 von 600 Studenten (willkürlich ausgewählt) ein Lehrbuch erhalten wird dies wohl kaum dem ach so breiten sprachlichen Problem entgegenwirken. In etwa ähnlich ließe sich eine Initiative gegen Kinderschwangerschaften beurteilen, die in ausgewählten Schulen an 30 von 600 Schülern Kondome verteilt. Das "Problem" ist doch an ganz anderer Stelle begründet und zeigt auch die Monokausalität dieser Schlussfolgerung. Dass eine Aufgabe nur stichpunktartig bearbeitet wird muss natürlich auf mangelndes Sprachvermögen und nicht etwa auf Zeitprobleme in der Klausur schließen lassen. Wenn ich noch 10 Minuten für eine KLausur habe und noch mitten in der Verhältnismäßigkeit stecke, werden Interpunktion und Grammatik nicht mehr so wichtig sein.

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