Studie zu Einstiegsgehältern in der Anwaltschaft: Junge Anwälte ver­dienen am besten – und am sch­lech­testen

Nach einer Studie des Soldan-Instituts klaffen die Einstiegsgehälter in keiner anderen Gruppe von Akademikern so weit auseinander wie bei Anwälten. Fast jeder Vierte verdient über 60.000 Euro im Jahr – und fast jeder Dritte unter 32.000 Euro.

 

Die Untersuchung basiert auf den Antworten von 230 Anwälten, die im Jahr 2010 mit einer Vollzeitstelle in den Beruf eingestiegen sind. Die Vergleichswerte der Absolventen anderer Fachrichtungen stammen aus einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung, an der 1.815 Akademiker teilnahmen, deren Berufseinstieg zwischen 2009 und 2012 lag.

Deutlich besser als junge Anwälte verdienen im ersten Berufsjahr danach Elektro-, Wirtschafts- und Maschinenbauingenieure. Sie erzielen je nach Fachrichtung ein zwischen 10 und 25 % höheres mittleres Einstiegsgehalt. Die Anwälte liegen auf einem annähernd identischen Einkommensniveau wie Betriebswirte (+1 %) und Psychologen (-4 %). Merklich weniger verdienen Volkswirte (-12 %), Sozialpädagogen (-26 %) und Architekten (-34 %). Absolventen, die nicht in die Anwaltschaft gehen, sondern Richter, Staatsanwalt oder Unternehmensjurist werden, verdienen zu Beginn ihrer Karriere geringfügig mehr als Kommilitonen, die sich für den Anwaltsberuf entscheiden (+4 %).

Häufig vergleichsweise prekäre Einkommensverhältnisse

Das ermittelte Durchschnittsgehalt von Junganwälten ist für die Situation des einzelnen allerdings kaum aussagekräftig, denn die Spannbreite möglicher Einstiegsgehälter ist gerade bei Anwälten extrem: Sie reicht von deutlich weniger als 2.000 € pro Monat bis hin zu fünfstelligen Monatsgehältern.

"Der Anwaltsberuf ist der akademische Beruf, in dem sich für Berufseinsteiger besonders hohe, aber auch besonders niedrige Gehälter erzielen lassen. Vergleichsweise prekäre Einkommensverhältnisse sind bei Rechtsanwälten deutlich häufiger als bei Angehörigen anderer akademischer Berufe festzustellen – andererseits gibt es auch Spitzengehälter, von denen andere Universitätsabsolventen nur träumen können", sagt Prof. Dr. Matthias Kilian, Direktor des Soldan Instituts, das regelmäßig Erhebungen zu Struktur und Tätigkeit der deutschen Anwaltschaft durchführt.

Nur 20% der Anwälte mit Durchschnittseinkommen

Typischerweise bewegen sich Einstiegsgehälter von Akademikern in einem Bereich von 38.000 bis 47.000 Euro. 70 % aller Ingenieure und Informatiker, 67 % der Wirtschaftswissenschaftler und 59 % der Naturwissenschaftler erzielen ein Einstiegsgehalt dieser Größenordnung. Hingegen berichteten dem Soldan Institut nur 20 % der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte eines ausgewählten Zulassungsjahrgangs, dass sie bei Berufseinstieg ein solches Jahreseinkommen verdienten.

Viele Befragte verdienten deutlich mehr oder deutlich weniger: 23 % der Nachwuchsanwälte konnten ein Jahresgehalt von 59.000 EUR und mehr erzielen, 29 % mussten sich hingegen mit 32.000 EUR oder weniger begnügen. Die Vergleichswerte für die Summe aller akademischen Berufe liegen mit 8 % bzw. 2 % deutlich niedriger. "Insgesamt lässt sich die These, dass es keinen akademischen Beruf mit zugleich so guten und so schlechten Einkunftsmöglichkeiten gibt wie den Anwaltsberuf, ohne Weiteres empirisch belegen", sagt Kilian.

cvl/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Constantin Baron van Lijnden, Studie zu Einstiegsgehältern in der Anwaltschaft: Junge Anwälte verdienen am besten – und am schlechtesten. In: Legal Tribune Online, 01.02.2016, http://www.lto.de/persistent/a_id/18301/ (abgerufen am: 26.09.2016)

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