Anwälte in Teilzeit: Zwi­schen Man­dant und Kind

03.02.2017

Auch in der Anwaltschaft verstärkt sich der Trend zur Teilzeitarbeit. Frauen nutzen das aber vorwiegend, um sich um die Familie zu kümmern. Die wenigen Männer in Teilzeit arbeiten dagegen nebenher in anderen Jobs.

 

Was sich in der gesamten Gesellschaft abzeichnet, setzt sich auch immer mehr unter Anwälten durch. 28 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung arbeitet bereits in Teilzeit, also weniger als 40 Stunden pro Woche. Und auch die Juristen können sich dieser Entwicklung nicht entziehen. Das ergibt eine Studie des Soldan Instituts zur "Anwaltstätigkeit der Gegenwart".

Die Studie erforscht das anwaltliche Berufsleben unter verschiedenen Aspekten, u. a. Kanzleitypen, Mandatsbearbeitung, Verwendung neuer Technologien und auch Arbeitszeit. Prof. Dr. Matthias Kilian, Direktor des Soldan Instituts und Autor der Studie, kommt zu dem Schluss, dass die durchschnittliche Arbeitszeit von Rechtsanwälten, die in Vollzeit arbeiten, in Deutschland 51,1 Stunden pro Woche beträgt

Doch auch wenn die Berufsgruppe der Anwälte weiterhin überdurchschnittlich viel arbeitet, gehen doch immer mehr von ihnen einer Teilzeitbeschäftigung nach. Rund 23 Prozent sind es, die derzeit weniger als 40 Stunden pro Woche arbeiten.

Frauen widmen sich der Familie, Männer einem Zweitjob

Wie auch in den übrigen Berufszweigen ist die Teilzeitarbeit aber weiterhin vor allem unter Frauen beliebt. Ganze 42 Prozent der weiblichen Anwälte arbeiten demnach in diesem Modell, während dies nur 16 Prozent ihrer männlichen Kollegen tun. Auch die Verwendung der freien Zeit ist geschlechterspezifisch unterschiedlich: Frauen nutzen sie für die Familie, Männer gehen oft einem zweiten Beruf nach. Demnach arbeiten sie in Teilzeit auch weniger als die Anwältinnen. Männer kommen auf 21,2 Stunden in der Woche, Frauen auf 25,2. 

Die Studie zeigt auch, dass sich zusätzlicher Zeitaufwand zwar finanziell lohnt, aber nicht immer im selben Ausmaß. Am effektivsten hinsichtlich des Verhältnisses von Honorarumsatz und Arbeitszeit erweist sich ein Pensum zwischen 50 und 59 Stunden in der Woche.

Auch wenn es bei den Juristen langsamer geht: Auf die die veränderten Anforderungen der Arbeitswelt werden sich auch die Kanzleien einstellen müssen. Angesichts einer immer weiblicher werdenden Anwaltschaft sind Teilzeitmodelle in Zukunft wohl Pflichtprogramm für sie. 

mam/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Anwälte in Teilzeit: Zwischen Mandant und Kind. In: Legal Tribune Online, 03.02.2017, http://www.lto.de/persistent/a_id/21964/ (abgerufen am: 29.03.2017)

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Kommentare
  • 03.02.2017 15:42, Steffi

    Es wäre tatsächlich schön, wenn sich die Anwaltschaft in diese Richtung öffnet. Aber den Müttern wird das Arbeiten stark erschwert, z.B. wenn das Kind mal krank wird, der Kiga zu hat. Es wird direkt verlangt, das Kind zu 100% fremd betreuen zu lassen. Tut man dies nicht, dann ist man nicht "flexibel" genug.
    Dafür bekommt man/Frau kein Kind. Und das Studium habe ich auch nicht zum Spaß gemacht.
    Schade...

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 03.02.2017 21:06, Theresa

    Ich verstehe nicht, warum gerade Anwaltskanzleien sich mit Teilzeitmodellen schwer tun. Ich finde, dass der Beruf des Anwalts sehr gut geeignet ist, um Teilzeit zu arbeiten. Die meisten Frauen haben Männer, die auch mal bei dem kranken Kind bleiben können oder wenn es gut läuft Oma oder Opa. So oft fehlt man nicht auf Grund einer Pflegefreistellung. Selbst wenn, so haben die wenigsten Mandanten ein Problem damit, wenn der Termin verschoben wird (Und man hat ja auch nicht jeden Tag ein Mandantengespräch....). In Großkanzleien tritt man ohnehin nicht allein vor einer wichtigen Mandantschaft auf. Blöd ist es nur, wenn man ausgerechnet an dem Tag zu Gericht muss. Aber selbst das ließe sich regeln. Akten kann man gut auch von zu Hause aus bearbeiten bzw vorbereiten.

    Als Frau schaut man eh, dass man mehr leistet, wenn man einen Arbeitgeber hat, der sich darauf einlässt. Letztlich glaube ich, dass alle Seiten davon profitieren. Ich habe nur den Eindruck, dass es am Willen fehlt. Ob dies daran liegt, dass viele Kanzleien von Männern geführt werden?...

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