Druckversion
Samstag, 13.06.2026, 08:56 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/nachrichten/n/grundrechte-report-2021-buergerrechte-menschenrechte-rassismus-staat-polizei-corona-massnahmen-freiheitsrechte
Fenster schließen
Artikel drucken
45054

Grundrechte-Report 2021: Corona infi­ziert auch die Men­schen- und Bür­ger­rechte

von Hasso Suliak

26.05.2021

Polizistinnen und Polizisten im Einsatz

(c) Antje

Nach Meinung von Bürgerrechtlern hat die Pandemie nicht nur zu erheblichen Eingriffen in die Freiheitsrechte der Bürger geführt. Infolge der Corona-Maßnahmen hätten sich auch prekäre Lebensverhältnisse vieler Menschen zugespitzt.

Anzeige

Der Grundrechte-Report 2021, in dem Bürgerrechtsorganisationen jährlich die Öffentlichkeit über den Umgang mit Bürger- und Menschenrechten in Deutschland informieren, steht in diesem Jahr ganz im Zeichen von Corona und der Auswirkungen der Pandemiebekämpfung auf die Freiheits- und Gleichheitsrechte der Bevölkerung.

Schwerpunkt des Berichts, der den Zeitraum bis Dezember 2020 beleuchtet, sind nach Worten der Herausgeber:innen  die "ungleichen (Un-)Freiheiten, die diese Krise mit sich gebracht hat – oder die durch sie noch akuter geworden sind." Sie beklagen: Sowohl unter den Bedingungen der Pandemie als auch abseits von Corona hätten sich im vergangenen Jahr staatliche Institutionen allzu oft nicht als Garantinnen der Bürgerrechte erwiesen, sondern vielmehr "zu ihrer Aushöhlung" beigetragen.

Neben den Auswirkungen der Pandemie finden sich im Grundrechte-Report auch Beiträge zu Themen wie Rassismus, Asyl, Gleichstellung und Überwachung. Auch die Klimakrise wird thematisiert. In einem Beitrag der Juristin Myriam von Fromberg ist bereits - lange bevor das BVerfG entsprechend im April dieses Jahres urteilte - von einem "Grundrecht auf Klimaschutz" die Rede.

"Durchseuchung" in Sammelunterkünften für Schutzsuchende

"Besorgniserregende Angriffe auf die Grundrechte" verzeichneten die Herausgeber:innen  des Reports im Jahr 2020 "einmal mehr" im Bereich des Asyl- und Aufenthaltsrechts: Hierzu hätten unter anderem die Blockade der Bundesregierung bei der Aufnahme von Geflüchteten, die Auseinandersetzung um die Höhe von und den Zugang zu Sozialleistungen sowie die gesundheitsgefährdende Unterbringung in den Unterkünften geführt. Einem der zahlreichen Report-Beiträge zufolge hat es etwa für Asylsuchende bei ihrem monatelangen Aufenthalt in Sammelunterkünften keinen angemessenen Schutz vor dem Coronavirus gegeben. Die Betroffenen seien vielmehr in Lagern einer "Durchseuchung" ausgesetzt gewesen.

(c) Humanistische Union

Im Rahmen der staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie sind dem Report zufolge auch "erhebliche Eingriffe in die Versammlungsfreiheit" erfolgt. Mitunter habe es dabei auch groteske gerichtliche Entscheidungen gegeben: So wurde etwa eine Versammlung verboten, bei denen nur Schuhe stellvertretend für die Demonstrierenden aufgestellt werden sollten. Eine "versammlungsfreundlichere" Rechtsprechung habe sich bei den Verwaltungsgerichten erst nach zwei bedeutenden Beschlüssen des Bundesverfassungsgerichts im April 2020 durchgesetzt.

Augenmerk legt der Grundrechte-Report auch in seiner neuesten Ausgabe auf das Thema Rassismus: Auch im letzten Jahr sei deutlich geworden, wie sehr Rassismus und rechtes Gedankengut durch staatliche Institutionen und Praktiken vermittelt werde. "Wieder starben People of Color im Polizeigewahrsam unter bis heute nicht hinreichend aufgearbeiteten Umständen", beklagen die Bürgerrechtsorganisationen. Polizei und Politik hätten Ereignisse wie die "Stuttgarter Krawallnacht" rassistisch aufgeladen. 

"Clankriminalität" als Ausdruck rassistischer Kriminalisierung 

Auch hätten sie sich "andernorts vermehrt des Konstrukts der 'Clankriminalität' zur Rechtfertigung rassistischer Kriminalisierung und damit einhergehender weitreichender Grundrechtseingriffe" bedient. "Gleichzeitig versagten die Behörden, wenn es darum ging, die Betroffenen rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt ausreichend zu schützen", heißt es im Vorwort des Reports. Beispiele hierfür seien "das Attentat von Hanau, der Abschluss des Prozesses gegen den Attentäter von Halle oder die Vorwürfe gegen Polizei und Staatsanwaltschaft im Umgang mit der rechten Anschlagsserie in Berlin-Neukölln."

Der Grundrechte-Report dokumentiert seit 1997 als Teil einer zivilgesellschaftlichen Öffentlichkeit den Umgang mit Bürger- und Menschenrechten in Deutschland. Herausgegeben wird der Grundrechte-Report von zehn Bürgerrechtsorganisationen: Der Humanistischen Union, des Komitees für Grundrechte und Demokratie, des Bundesarbeitskreises kritischer Juragruppen, von Pro Asyl, des Republikanischen Anwältinnen- und Anwältevereins, der Vereinigung Demokratischer Juristinnen und Juristen, der Internationalen Liga für Menschenrechte, der Neuen Richtervereinigung, des Forums InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung sowie der Gesellschaft für Freiheitsrechte.  

Das Hauptaugenmerk liegt dabei jedes Jahr auf den staatlichen Institutionen, von denen laut Herausgeber:innen "die größten Gefährdungen der Grundrechte, der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit ausgehen". In diesem Jahr finden sich in dem Bericht 43 Einzelbeiträge, die sich aktuellen Gefährdungen der Grundrechte und zentraler Verfassungsprinzipien anhand konkreter Fälle des Jahres 2020 widmen. Der Grundrechte-Report wird auch als "alternativer Verfassungsschutzbericht" bezeichnet.

Anzeige
  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

Grundrechte-Report 2021: . In: Legal Tribune Online, 26.05.2021 , https://www.lto.de/persistent/a_id/45054 (abgerufen am: 13.06.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Bürgerrechte
    • Grundgesetz
    • Grundrechte
    • Verfassung
Ein Traktor versprüht Flüssigkeiten auf einem Feld 11.06.2026
Umweltschutz

Bund scheitert mit Verfassungsbeschwerde:

BVerfG hält sich im Streit um Pes­ti­zide raus

Ungewöhnliche Konstellation: Eine Bundesbehörde erhebt eine Verfassungsbeschwerde, weil sie die Verwaltungsgerichte zu einer Vorlage an den EuGH zwingen will. Doch sie scheitert, denn Karlsruhe mischt sich in den jahrelangen Streit nicht ein.

Artikel lesen
Das Bild zeigt eine große Menge an Menschen, die mit Regenbogenflaggen fröhlich durch Dresden ziehen, um ihre Vielfalt zu feiern. 04.06.2026
Versammlungen

Sächsisches OVG zu CSD Dresden:

Wann Feiern auch Demon­s­trieren ist

Der CSD Dresden kann nun doch mit Straßenfest stattfinden. Das Sächsische OVG stellt neben der Demo auch das mehrtägige Fest unter den Schutz der Versammlungsfreiheit – anders als zuvor das VG Dresden.

Artikel lesen
Stele mit dem Schriftzug "Menschenrechte" in verschiedenen Sprachen beim Europäischer Gerichtshof in Luxemburg 29.05.2026
Hintergründe

Ungarn-Urteil des EuGH:

Lüth-Moment statt Selbs­t­er­mäch­ti­gung

Der EuGH hat im Fall des ungarischen LGBTIQ-Gesetzes einen Verstoß gegen die Grundwerte der EU festgestellt. Einige Staats- und Europarechtler sehen darin eine übergriffige Selbstermächtigung. Zu Unrecht, meint Carl Christian Müller.

Artikel lesen
Kathrin Wahlmann (SPD), Justizministerin Niedersachsen, sitzt im niedersächsischen Landtag. 29.05.2026
Notare

Niedersachsen will Bundesnotarordnung ändern:

Keine Demo­k­ra­tie­feinde ins Nota­riat

Für Beamte und Richter gibt es so eine Regel schon: Nun könnte auch für Notare im Gesetz  festgeschrieben werden, dass sie nur dann ins Amt kommen dürfen, wenn sie jederzeit die Gewähr für die Wahrung der verfassungsmäßigen Ordnung bieten.

Artikel lesen
Aussenaufnahme des Bundesverfassungsgericht. 21.05.2026
Sozialhilfe

BVerfG zum Asylbewerberleistungsgesetz 2018/2019:

Ver­fas­sungs­widrig? Ja. Mehr Geld? Nein.

Der Staat berechnete die Höhe von Asylbewerberleistungen jahrelang mit veralteten Daten – obwohl neuere Zahlen längst vorlagen. Das BVerfG nennt das verfassungswidrig. Folgen hat der Verstoß für den Staat allerdings kaum.

Artikel lesen
Das Bild zeigt den Rundfunkbeitrag von ARD, ZDF und Deutschlandradio, relevant für die bevorstehende Entscheidung des BVerfG. 15.05.2026
Rundfunk

ARD und ZDF erwarten Grundsatzurteil aus Karlsruhe:

BVerfG ver­han­delt im Juni nun doch über Rund­funk­bei­trag

Das BVerfG will im Juni über den Rundfunkbeitrag verhandeln. Das überrascht: Schließlich muss der Rundfunkbeitrag nach der neuesten Empfehlung erst 2027 angehoben werden. Warum pochen die Sender trotzdem auf eine Entscheidung? 

Artikel lesen
lto karriere logo

Deine Karriere beginnt hier.

Registrieren und nie wieder einen Top-Job verpassen

logo lto karriere
Jetzt registrieren bei LTO Karriere

Finde den Job, den Du verdienst 100% kostenlos registrieren und Vorteile nutzen

  • LTO Job Matching: Finde den Job & Arbeitgeber, der zu Dir passt.
  • Jobs per Mail: Verpasse keine neuen Job-Angebote mehr.
  • Easy Apply: Die einfache und schnelle Bewerbung zu Deinem neuen Job.
Das Passwort muss mindestens 8 Zeichen lang sein und mindestens einen Großbuchstaben, einen Kleinbuchstaben, eine Zahl und ein Sonderzeichen enthalten (z.B. #?!@$%^&*-).
Pflichtfeld *

Nur noch ein Klick!

Wir haben Dir eine E-Mail gesendet. Bitte klicke auf den Bestätigungslink in dieser E-Mail, um Deine Anmeldung abzuschließen.

Weitere Infos & Updates einfach und kostenlos direkt ins Postfach.

LTO Karriere Newsletter

Das monatliche Update mit aktuellen Stellenangeboten & Karriere-Tipps.

LTO Daily

Jeden Abend um 18 Uhr die wichtigsten News vom Tag.

LTO Presseschau

Jeden Morgen um 7:30 Uhr die aktuelle Berichterstattung über Recht und Justiz.

Pflichtfeld *

Fertig!

Um die kostenlosen Nachrichten zu beziehen, wechsle bitte nochmal in Dein Postfach und bestätige Deine Anmeldung mit dem Bestätigungslink.

Du willst Dein Bewerberprofil direkt anlegen?

Los geht´s!
ads lto paragraph
lto karriere logo
ads career people

Bereit für Karriere? Spannende Karriere-Chancen für Volljuristen.

Direkt zu passenden Stellen
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von Redeker Sellner Dahs
Rechts­an­wäl­tin/​Rechts­an­walt (m/w/d) Pri­va­tes Bau­recht

Redeker Sellner Dahs, Bonn

Logo von Latham & Watkins LLP
Wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­beit (m/w/d) Li­ti­ga­ti­on ab so­fort

Latham & Watkins LLP, Frank­furt am Main

Logo von McDermott Will & Schulte
Wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ten­de (m/w/d) Kar­tell­recht

McDermott Will & Schulte, Köln

Logo von McDermott Will & Schulte
Wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ten­de (m/w/d) im Be­reich Cy­berse­cu­ri­ty, AI &...

McDermott Will & Schulte, Düs­sel­dorf

Logo von Wolters Kluwer
Ju­rist als Pro­dukt­ma­na­ger im Be­reich Con­tent (m/w/d)

Wolters Kluwer, Hürth

Logo von Redeker Sellner Dahs
Rechts­an­wäl­tin/Rechts­an­walt (m/w/d) Wirt­schafts­straf­recht

Redeker Sellner Dahs, Bonn

Logo von Wolters Kluwer
Ju­rist als Pro­dukt­ma­na­ger im Be­reich Con­tent - In­sol­venz­recht /...

Wolters Kluwer, Hürth

Logo von Redeker Sellner Dahs
Rechts­an­wäl­tin/Rechts­an­walt (m/w/d) Wirt­schafts­straf­recht

Redeker Sellner Dahs, Ber­lin

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Juristinnen netzwerken ... After Work in Hannover

16.06.2026, Hannover

12. Stralsunder Steuerwissenschafts- und Praxistage

15.06.2026, Stralsund

Registeranmeldungen & beurkundungspflichtige gesellschaftsrechtliche Themen (zweitägig,15.–16.06.26)

15.06.2026

Logo von Notarkammer Baden-Württemberg
Karriere als Notar:in – Beraten & Gestalten

24.06.2026, Stuttgart

Vergütungsvereinbarungen optimal gestalten

15.06.2026

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH