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Skandal erschüttert FBI: Haaranalysen lagen meist daneben

20.04.2015

Haaranalysen galten lange Zeit als entscheidendes Beweismittel vor US-Gerichten. Doch jetzt kommt an den Tag, dass die FBI-Forensiker in der Regel falsch lagen. Experten sprechen von einer der "größten forensischen Skandale" in den USA - und das FBI räumt kleinlaut Fehler ein.

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Bereits seit Jahren besteht der Verdacht, dass mit den Haaranalysen des FBI etwas nicht stimmt. 2012 berichtete die Washington Post, dass fehlerhafte forensische Gutachten zur Verurteilung Hunderter Angeklagter geführt hätten, die möglicherweise unschuldig seien. Doch erst jetzt, drei Jahre später, dringt das ganze Ausmaß an die Öffentlichkeit.

Cleveland Wright ist eines der Justizopfer. 28 Jahre, fast die Hälfte seines Lebens, verbrachte er wegen angeblichen Mordes hinter Gittern. "Ich hatte keine Ahnung von Forensik", erzählt er heute dem TV-Sender CBS. "Ich wusste nicht viel über die Gesetze, als ich weggeschlossen wurde. Alles, was ich wusste, war, dass ich unschuldig bin."

Im vergangenen Jahr wurde Wright freigelassen, Haftentschädigung habe er bis heute noch nicht bekommen, berichtet CBS. Das Ausmaß des Skandals ist in der Tat atemberaubend. Demnach ergaben 95 Prozent von bisher untersuchten 268 Fällen, dass die Haaranalysen fehlerhaft gewesen seien, berichtet die Washington Post. Die Analysen hätten jeweils die Argumente der Anklage begünstigt, der Missbrauch habe Jahrzehnte gedauert. Auch 32 Todesurteile seien betroffen, 14 Verurteilte seien seitdem entweder hingerichtet worden oder im Gefängnis gestorben.

"Ein völliges Desaster"

Die Nachforschungen sind vor allem zwei Organisationen zu verdanken: der National Association of Criminal Defence Lawyers (NACDL), einer Vereinigung von Strafverteidigern, sowie dem "Innocence Project", einer Organisation, die sich darum bemüht, die Unschuld von Angeklagten und Verurteilten mit Hilfe von DNA-Analysen zu beweisen.

"Die drei Jahrzehnte andauernde Anwendung mikroskopischer Haaranalysen, um Angeklagte zu belasten, war ein völliges Desaster", kommentiert Peter Neufeld von "Innocent Project". Doch die alles entscheidende Frage sei eine andere: "Warum wurde das Ganze nicht viel früher beendet?"

Das Pro und Kontra von Haaranalysen kennt mittlerweile jeder bessere Krimileser. Lange Zeit galten Haaranalysen als entscheidendes Beweismittel in der Forensik. "Haar eines Verdächtigen am Opfer zu finden oder umgekehrt, das Haar des Opfers beim Verdächtigen, das ist die Art von Verbindung, die Staatsanwälte lieben", meint Experte Larry Kobilinsky.

Analysemethode jahrelang fehlerhaft

Die mikroskopischen Analysen wurden als sicherer Hinweis gewertet, obwohl wirklich wissenschaftliche Beweise nur in Kombination mit einem DNA-Test zu haben sind. Der Haken: Nach der Methode, die das FBI über Jahrzehnte anwendete, könne das Haar von verschiedenen Personen wie das Haar eines einzelnen Menschen erscheinen.

Doch es sei nicht zuletzt der besondere Nimbus der FBI-Spezialisten, der vor Gericht eine Rolle spiele, sagt Kobilinsky. "Es gibt eine gewisse Aura um FBI-Agenten, sie gelten als sehr gerissen, als sehr vertrauenswürdig", berichtet Kobilinsky CBS. Das beweise aber noch lange nicht, dass sie mit ihrer Arbeit richtig lägen. Die Folgen der Enthüllungen sind noch nicht absehbar. Müssen jetzt zahlreiche Prozesse neu aufgerollt, müssen Dutzende verurteilte Mörder und Vergewaltiger auf freien Fuß gesetzt werden? 

Zwar könnten bei den Verfahren neben den fehlerhaften forensischen Analysen auch andere Beweise zur Verurteilung beigetragen haben. Doch die Behörden riefen bereits Angeklagte und Staatsanwaltschaft in zahlreichen Bundesstaaten auf, mögliche Berufungsverfahren zu prüfen.
Vier Angeklagte sind laut Washington Post schon aus der Haft entlassen worden.

dpa/acr/LTO-Redaktion

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Skandal erschüttert FBI: . In: Legal Tribune Online, 20.04.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/15290 (abgerufen am: 09.10.2026 )

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