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Bilanzskandal bei Steinhoff: Möb­el­kon­zern schlägt Ver­g­leich vor

27.07.2020

Geschäftsmänner im Streit

© kelly marken - stock.adobe.com

Der kriselnde Handelskonzern Steinhoff will die milliardenschweren Klagen, die wegen eines Bilanzskandals gegen ihn anhängig sind, mit einem Vergleich beilegen. Das Unternehmen bietet den Klägern insgesamt mehr als 850 Millionen Euro.

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Ende 2017 hatte der Handelskonzern Steinhoff Bilanzunregelmäßigkeiten eingeräumt. Buchprüfer hatten daraufhin von systematischen Bilanzfälschungen berichtet und fragwürdige Buchungen mit einem Volumen von rund 6,5 Milliarden Euro dokumentiert. In der Folge wurde der Börsenwert des südafrikanischen Unternehmens mit deutschen Wurzeln fast vollständig vernichtet: Die Aktie stürzte ins Bodenlose; der Konzern, der lange als Europas zweitgrößter Möbelkonzern galt, schrammte knapp an der Pleite vorbei.

Insgesamt sind nach Unternehmensangaben im Zusammenhang mit diesem Bilanzskandal etwa 90 Gerichtsverfahren in den Niederlanden, Deutschland und Südafrika eingeleitet worden. Nicht alle Kläger hätten ihren angeblichen Schaden bisher beziffert, aber die Summe der Ansprüche derjenigen, die es getan haben, belaufe sich auf sieben Milliarden Euro. Neben Verfahren gegen Unternehmen der Steinhoff-Gruppe würden auch Ansprüche unter anderem gegen ehemalige Manager und leitende Angestellte geltend gemacht, so der Möbelhändler, der in Deutschland vor allem durch die inzwischen verkaufte Möbelkette Poco bekannt war.

Am Montag legte Steinhoff einen Vergleichsvorschlag vor, der "der Höhepunkt von 12 Monaten intensiver Bemühungen" sei, so der Vorstandsvorsitzende Louis du Preez. Er forderte alle Kläger auf, den "Vorschlag zur Beilegung der ausstehenden Altlastenansprüche" zu unterstützen.

Aktionäre sollen demnach 266 Millionen Euro erhalten, für Vertragspartner der Holding sind 104 Millionen vorgesehen. Mit umgerechnet insgesamt 482 Millionen Euro sollen Klagen aus vertraglichen Ansprüchen gegen die Vorgängergesellschaft abgegolten werden. Steinhoff will die Summe teils in bar und teils mit Aktien der südafrikanischen Handelstochter Pepkor bedienen.

Das Unternehmen betont, dass es alle Ansprüche bestreite und nach wie vor erhebliche Unsicherheit hinsichtlich des Ausgangs dieser Gerichtsverfahren bestehe. Wenn jedoch alle Ansprüche in den geltend gemachten Beträgen festgestellt würden, würde das Nettovermögen des Konzerns nicht ausreichen, um sie zu bedienen.

ah/LTO-Redaktion

mit Material von dpa

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Bilanzskandal bei Steinhoff: . In: Legal Tribune Online, 27.07.2020 , https://www.lto.de/persistent/a_id/42314 (abgerufen am: 15.01.2026 )

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