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Studie zur Entwicklung des Rechtsmarktes: Ver­än­de­rung ja, aber wie?

von Dr. Anja Hall

13.05.2019

Mann im Anwält hält Gerechtigkeitswaage

© natali_mis - stock.adobe.com

Der Rechtsmarkt steht vor einer Umwälzung, nicht zuletzt durch den Einsatz neuer Technologien. Allerdings fühlen sich Kanzleien, Rechtsabteilungen und Rechtsdienstleister nicht gut darauf vorbereitet, zeigt eine aktuelle Studie.

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Wie gut sind Kanzleien, Rechtsabteilungen und Rechtsdienstleister auf Veränderungen vorbereitet? Und welche Technologien und Legal-Tech-Tools sind wirklich wichtig, um im Wettbewerb zu bestehen? Unter anderem diesen Fragen ist die Studie "Future Ready Lawyer 2019" des Informationsdienstleisters Wolters Kluwer, zu dem auch LTO gehört, nachgegangen. 700 Experten aus Anwaltskanzleien, Rechtsabteilungen und Rechtsdienstleistungsunternehmen in Europa und den USA haben daran teilgenommen.

Dass eine immer größere Informationsfülle bewältigt und sowohl Produktivität als auch Effizienz gesteigert werden müssen, bezeichneten sieben von zehn der befragten Juristen in Europa und den USA als Top-Trends in ihrem Beruf. Außerdem beschäftigen sie sich mit der Frage, welche Technologien im Rechtsbereich den höchsten Mehrwert bieten und wie sich die Erwartungen der Kunden am besten erfüllen lassen. Ebenso gehören finanzielle Aspekte – etwa neue und alternative Gebührenstrukturen und Kosteneinsparungen – der Studie zufolge mit zu den wichtigsten Triebfedern im Rechtsberatungsmarkt derzeit.

Auch wenn sich die Mehrheit der Befragten einig ist über die anstehenden Herausforderungen - nur ein knappes Drittel der Befragten hat das Gefühl, auch sehr gut vorbereitet zu sein, um auf diese Trends zu reagieren.

Es gibt kaum noch Technologieverweigerer…

Im Fokus der Studie, die von Dezember 2018 bis Januar 2019 durchgeführt wurde, stand der Einsatz von neuen Technologien im Rechtsberatungsmarkt. Wie sich zeigt, gibt es bereits eine ganze Reihe von Rechtsdienstleistern, Kanzleien und Rechtsabteilungen, die in den Augen der Studienautoren als "technologieführend" gelten können: Fast die Hälfte der Befragten (49 Prozent) gibt an, dass sie neue Technologien bereits einsetzen und über die nächsten drei Jahre auch weiter in diesen Bereich investieren werden.

Weitere 47 Prozent sagen, dass sie zwar auch schon vereinzelt Technologien einsetzen, aber dies in Zukunft noch ausweiten wollen. Nur vier Prozent der Studienteilnehmer gaben an, dass sie derzeit keine solcher Technologien nutzen und das auch in Zukunft nicht tun wollen.

Von den drei befragten Organisationsformen sind am ehesten Rechtsdienstleister technologieführend (56 Prozent) – gemeint sind etwa Rechtsberatungsableger von Prüfgesellschaften. Mit etwas Abstand folgen Rechtsabteilungen und Kanzleien. Hier sind 49 Prozent bzw. 46 Prozent als technologieführend einzustufen.

Diejenigen Organisationen, die schon jetzt zu den Technologieführern zählen, investieren aggressiver in Technologie und erzielen auch eine höhere Rentabilität als ihre Wettbewerber. Laut der Studie geben mehr als zwei Drittel der technologieführenden Kanzleien und Rechtsdienstleister an, von 2017 bis 2018 eine höhere Rentabilität erzielt zu haben. Unter den Organisationen im Übergang verzeichnete dagegen nur gut die Hälfte eine höhere Rentabilität.

…aber dennoch Vorbehalte

Die befragten Juristen sehen zwar vor allem die Vorteile beim Einsatz neuer Technologien. Aber sie erkennen auch, dass es Vorbehalte dagegen gibt. Der Hauptgrund ist ihren Angaben zufolge, dass sich die Organisationen zu wenig mit der Thematik auskennen und das Verständnis dafür fehlt, wie die Technologien funktionieren und wie sie richtig angewendet werden.

Als weitere Gründe für die Ablehnung von Legal Tech werden organisatorische Angelegenheiten genannt. Darunter fallen etwa kulturelle Unterschiede, fehlende Strategie und Vorbehalte der Geschäftsleitung. An dritter Stelle stehen finanzielle Gründe.

Skeptisch bewerten die Befragten auch die Vision und die Fähigkeit der Geschäftsleitung ihrer Organisationen ganz allgemein, Änderungen zu bewirken: 55 Prozent registrieren einen Widerstand der Geschäftsleitung gegen Veränderungen sowie Schwierigkeiten im Change Management. Rund die Hälfte sagt, dass die Kosten gescheut werden, und 31 Prozent sind der Auffassung, dass die Mandanten keine Änderungen verlangen.

Nur rund ein Drittel der Befragten ist überzeugt, dass ihre Organisation generell sehr gut vorbereitet ist, um mit anstehenden Veränderungen Schritt zu halten. Auch in der Gruppe der Technologieführer glaubt nur die Hälfte, dass ihre Führung sehr gute Arbeit leistet, den Veränderungsbedarf versteht, die richtigen Schritte unternimmt, um die Organisation auf die Zukunft vorzubereiten oder Informationstechnologie als Motor für Veränderungen sieht.

Künstliche Intelligenz ist noch Zukunftsmusik

Es sind vor allem Basistechnologien, die die Befragten der Studie zufolge innerhalb der nächsten drei Jahre voraussichtlich am meisten einsetzen werden: Online-Software für juristische Recherche und Online-Dokumentenmanagementsysteme. Die Mehrheit benutzt bereits heute schon solche Tools, ebenso wie Kundenportale, Abrechnungssoftware oder eine elektronische Fall- bzw. Vorgangsverwaltung. Auch sogenannte Treibertechnologien – etwa Software für Vertragsmanagement und Vertragsanalyse, sowie für die Datenanalyse – werden schon vielerorts genutzt.

Die transformativen Technologien dagegen – Künstliche Intelligenz und Machine Learning – spielen derzeit noch kaum eine Rolle. Aber nach Ansicht der meisten Juristen wird ihr Einsatz exponentiell zunehmen. Allerdings sagen derzeit nur wenige der Befragten, dass sie diese Technologien sehr gut verstehen. Es seien vor allem die Rechtsdienstleister, die die Auswirkungen transformativer Technologien am stärksten erkennen, so die Studienautoren. Diese Gruppe verstehe am besten, wie sie auf ihre Arbeit angewendet werden können. Es folgen Rechtsabteilungen; Kanzleien bilden hier das Schlusslicht.

Konkret glauben acht von zehn der Organisationen, die heute schon zu den Technologieführern zählen, dass sie innerhalb der nächsten drei Jahre Tools zur Unterstützung von Entscheidungen, Predictive Analytics und Smart Contracts einsetzen werden. Mehr als zwei Drittel der Technologieführer gehen davon aus, dass sie zudem Künstliche Intelligenz, Blockchain-Technologien und Machine Learning nutzen werden.

Rechtsdienstleister sind am innovationsfreudigsten

Auf welche Art die Innovationen in den Organisationen vorangetrieben werden, ist unter den Befragten sehr unterschiedlich. Ein knappes Drittel der Befragten hat dazu Technologie-Spezialisten rekrutiert. Rund ein Viertel der Juristen berichtet, dass ihre Organisationen eine eigene interne Legal-Tech-Lösung entwickelt hat. Eine formale Innovationsinitiative haben ebenfalls rund 25 Prozent aufgesetzt. Mit einem Legal-Tech-Startup haben bislang 22 Prozent zusammengearbeitet.

Bei der Umsetzung dieser Schritte haben die Rechtsdienstleister klar die Nase vor. 96 Prozent von ihnen haben einen oder mehr solcher Schritte unternommen, um Innovationen anzuschieben. In den Rechtsabteilungen waren es immerhin noch 88 Prozent. Kanzleien liegen hier deutlich zurück: Nur 68 Prozent von ihnen haben einen oder mehrere Schritte unternommen, um den Einsatz von Technologie voranzubringen.

Große Unterschiede zwischen den Ergebnissen aus den USA und Europa hat die Studie nicht aufgezeigt. Die Zukunft des Rechtsmarkts sei wahrlich „global“, resümieren die Autoren. Auch zwischen den Organisationsformen – Anwaltskanzleien, Rechtsabteilungen und Rechtsdienstleistern – treten nur wenige Differenzen zu Tage.

Die größten Unterschiede gebe es zwischen den Technologieführern und den Organisationen, die Technologien noch nicht effektiv einsetzen. Die Studienautoren sind der Auffassung, dass die technologieführenden Organisationen davon besonders profitieren: Sie seien profitabler und besser in der Lage, sich in ein neu entstehendes "juristisches Ökosystem" zu integrieren, das auch Akteure aus dem Bereich Legal Technology einschließe. Diesen Vorteil werden die Technologieführer noch ausbauen, da sie höhere Investitionen in neu aufkommende Tools planen. Kanzleien und Rechtsabteilungen, die noch überlegen, wie sie Technologien in größerem Umfang einsetzen können, müssten sich demnach beeilen, wenn sie Schritt halten wollen.

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Studie zur Entwicklung des Rechtsmarktes: . In: Legal Tribune Online, 13.05.2019 , https://www.lto.de/persistent/a_id/35345 (abgerufen am: 18.04.2026 )

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