Druckversion
Mittwoch, 18.02.2026, 22:37 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/nachrichten/n/smartphone-auto-fahren-ablenkung-bussen-bestrafung
Fenster schließen
Artikel drucken
21864

Ablenkung im Straßenverkehr: Höhere Bußen für Smart­phones am Steuer?

23.01.2017

Autofahrer nutzt Smartphone während der Fahrt

© koldunova - Fotolia.com

Posten, Twittern, Texten, Googeln: Viele Autofahrer nutzen das Smartphone auch während der Fahrt. Fachleute wollen die steigende Zahl der Unfälle durch Ablenkung mit härteren Mitteln eindämmen.

Anzeige

Angesichts von immer mehr Unfällen durch Handy und Smartphone am Steuer sprechen sich Verkehrsexperten einhellig für eine härtere Bestrafung aus. Diese könnte von höheren Bußgeldern bis hin zum Fahrverbot reichen.

Der 55. Verkehrsgerichtstag, der am Donnerstag und Freitag in Goslar tagt, befasst sich unter anderem mit dem Thema "Unfallursache Smartphone". "Multitasking ist ein Mythos", sagt der Hauptgeschäftsführer des Deutsche Verkehrssicherheitsrats (DVR), Christian Kellner. Die meisten seien sich "des großen Risikos überhaupt nicht bewusst, dass sie durch die Nutzung der Geräte eingehen".

Die Zahl der Unfälle durch solche Ablenkung steige. Der Verband forderte, wer ohne Freisprecheinrichtung telefoniere, SMS tippe oder Nachrichten lese, solle ein Vielfaches des bisherigen Bußgeldes von 60 Euro zahlen. Zudem müsse das bisherige Handy-Verbot auf andere elektronische Geräte erweitert werden. Im DVR sind rund 200 Verkehrsorganisationen, Verbände, öffentliche Einrichtungen und Autoclubs organisiert.

"Ablenkung durch Unterhaltungsmedien ist relevante Unfallursache"

Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft meint: "Die Bußgeldsätze sollten drastisch erhöht werden." Handlungsbedarf sehen auch die Autoclubs. Viele Fahrer hätten die "Illusion, die Situation jederzeit unter Kontrolle zu haben", sagt ADAC-Expertin Kristina Benecke.

Diverse Studien zeigten aber, dass die Ablenkung durch Informations-, Kommunikations- oder Unterhaltungsmedien im Fahrzeug eine relevante Unfallursache sei, so Benecke. Auch der ADAC empfehle deshalb, über den bisherigen Rahmen der Sanktionen nachzudenken und dabei auch über Fahrverbote zu sprechen. Zudem sollte das derzeitige Handyverbot auf alle mobilen Kommunikationsgeräte ausgeweitet werden.

Der Automobilclub von Deutschland (AvD) hat eine "dramatische Zunahme des Phänomens" beobachtet. Eine Untersuchung des AvD habe ergeben, dass 53 Prozent der Befragten während der Fahrt schon Nachrichten eingetippt und sogar 72 Prozent Nachrichten gelesen haben.

Höhere Bußen und mehr Befugnisse für die Polizei

Das aktuelle Bußgeld halte immer weniger Autofahrer davon ab, am Steuer zum Smartphone zu greifen, sagte Schleichert. Einen Grund für die zahlreicher werdenden Handyverstöße sieht er im geringen Entdeckungsrisiko. "Wer etwas für die Verkehrssicherheit tun möchte, muss deshalb die polizeiliche Verkehrsüberwachung kräftig ausbauen und die Befugnisse der Polizei erweitern," meint  der Fachmann des ACE-Verkehrsclubs.

Auch der Verkehrssicherheitsrat plädiere für mehr Kontrollen, sagte Hauptgeschäftsführer Kellner. Außerdem sollte die Polizei Smartphones leichter einziehen und auswerten können, wenn der Verdacht besteht, dass deren Nutzung die Ursache eines Unfalls gewesen sein könnte. Unabhängig davon sollten die Hersteller verpflichtet werden, die Nutzung mobiler Kommunikationsgeräte bei der Fahrt zu unterbinden.

Der AvD sprach sich für eine gesetzliche Pflicht zum Einbau von Freisprechanlagen in Fahrzeugen aus. Zudem sollten im Straßenverkehr grundsätzlich nur noch sprachgesteuerte Kommunikationsgeräte genutzt werden dürfen. Ähnlich sieht es ADAC-Expertin Benecke: In Fahrzeugen verbaute Geräte sollten so gestaltet sein, dass die Bedienung nicht mehr ablenkt als das Setzen des Blinkers oder Bedienen des Radios.

Der Präsident des Verkehrsgerichtstages, Kay Nehm, wird deutlicher: "Grundsätzlich sollte die Nutzung sämtlicher Geräte während der Fahrt verboten werden, die nicht unbedingt zum Betrieb eines Kraftfahrzeugs erforderlich sind." Die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins plädiert dafür, dass die "Hersteller von Fahrzeugen und Mobilgeräten technische Lösungen anbieten, damit Autofahrer ohne Ablenkung kommunizieren können". Härtere Strafen für Smartphone-Sünder halten die Verkehrsanwälte dagegen für nicht erforderlich. Wichtiger sei die Aufklärung über die Risiken.

dpa/nas/LTO-Redaktion

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

Ablenkung im Straßenverkehr: . In: Legal Tribune Online, 23.01.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/21864 (abgerufen am: 18.02.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Verkehrsrecht
    • Smartphones
    • Straßenverkehr
    • Verkehr
    • Verkehrsgerichtstag
    • Verkehrssicherheit
Eine stark befahrene Straße in München im Jahr 1970. 15.02.2026
Rechtsgeschichte

Von Kautschuk über das Dritte Reich bis zum Verkehrsgerichtstag:

Rad der Zeit, gut ver­drängt

Der 15. Februar 1936 war ein besonderes Datum in der Geschichte der Kfz-Bereifung: Synthetisches Gummi wurde praxistauglich. Zum vermeintlich harmlosen Reifen lassen sich gleich mehrere juristische "Krimis" erzählen – eine Auswahl.

Artikel lesen
Eine Person mit Fahrrad auf einem mit Schnee bedecktem Radweg und eine Tram, aufgenommen während starken Schneefalls in Berlin 04.02.2026
Naturschutz

Auf Eilantrag des Nabu:

VG Berlin stoppt pri­vaten Ein­satz von Streu­salz

Nach Wetterchaos und politischen Kapriolen sollte Salz dabei helfen, eisglatte Gehwege in Berlin sicherer zu machen. Doch Naturschützer ziehen vor Gericht. Mit Erfolg.

Artikel lesen
Eine Flagge mit dem VGT Logo weht bei der Eröffnung des 64. Deutschen Verkehrsgerichtstags. 30.01.2026
Nachrichten

Empfehlungen des 64. Verkehrsgerichtstags:

Neue Pro­mil­le­g­renze für Rad­fahrer

Beim diesjährigen Verkehrsgerichtstag in Goslar ging es unter anderem um Drohnen, Unfallschäden und Trunkenheitsfahrten mit dem Fahrrad. Am Freitag wurden die Empfehlungen der Arbeitskreisen vorgestellt. Die Ergebnisse im Überblick.

Artikel lesen
Fahrradfahrer in der Dunkelheit 23.01.2026
Verkehrsgerichtstag

Themen des 64. Verkehrsgerichtstags:

Handy-Blitzer und eine neue Pro­mil­le­g­renze für Rad­fahrer

Am Mittwoch beginnt in Goslar der 64. Verkehrsgerichtstag. Themen sind unter anderem die Handynutzung am Steuer, Trunkenheitsfahrten mit Pedelec und Fahrrad sowie die erweiterte Vollstreckung von EU-Bußgeldern.

Artikel lesen
Mother secures her son in car seat using child safety belt 20.01.2026
Straßenverkehr

Mitfahrer, Mitverantwortung, Mitverschulden:

Wann das Eltern­taxi zur Haf­tungs­falle wird

Ob Fahrgemeinschaft, Elterntaxi oder spontane Mitfahrt: Wer fremde Personen im eigenen Fahrzeug mitnimmt, begibt sich haftungsrechtlich auf heikles Terrain. Kommt es zu einem Unfall, stellt sich die Frage, wer in welchem Umfang haftet.

Artikel lesen
Frau die ein Niqab trägt. 19.01.2026
Religion

VGH Baden-Württemberg zum Niqab am Steuer:

Ver­hül­lungs­verbot am Steuer ist ver­fas­sungs­gemäß

Eine Muslimin wollte mit Niqab Auto fahren. Der VGH Baden-Württemberg hält dagegen: Das Verhüllungsverbot gilt. Eine Ausnahmegenehmigung gibt's auch nicht – entschieden wurde aber trotzdem nicht sauber genug.

Artikel lesen
lto karriere logo

Deine Karriere beginnt hier.

Registrieren und nie wieder einen Top-Job verpassen

logo lto karriere
Jetzt registrieren bei LTO Karriere

Finde den Job, den Du verdienst 100% kostenlos registrieren und Vorteile nutzen

  • LTO Job Matching: Finde den Job & Arbeitgeber, der zu Dir passt.
  • Jobs per Mail: Verpasse keine neuen Job-Angebote mehr.
  • One-Klick Bewerbung: Dein Klick zum neuen Job, einfach und schnell.
Das Passwort muss mindestens 8 Zeichen lang sein und mindestens einen Großbuchstaben, einen Kleinbuchstaben, eine Zahl und ein Sonderzeichen enthalten (z.B. #?!@$%^&*-).
Pflichtfeld *

Nur noch ein Klick!

Wir haben Dir eine E-Mail gesendet. Bitte klicke auf den Bestätigungslink in dieser E-Mail, um Deine Anmeldung abzuschließen.

Weitere Infos & Updates einfach und kostenlos direkt ins Postfach.

LTO Karriere Newsletter

Das monatliche Update mit aktuellen Stellenangeboten & Karriere-Tipps.

LTO Daily

Jeden Abend um 18 Uhr die wichtigsten News vom Tag.

LTO Presseschau

Jeden Morgen um 7:30 Uhr die aktuelle Berichterstattung über Recht und Justiz.

Pflichtfeld *

Fertig!

Um die kostenlosen Nachrichten zu beziehen, wechsle bitte nochmal in Dein Postfach und bestätige Deine Anmeldung mit dem Bestätigungslink.

Du willst Dein Bewerberprofil direkt anlegen?

Los geht´s!
ads lto paragraph
lto karriere logo
ads career people

Ihre Kanzlei: Top oder Flop?

Zur Umfrage
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Han­no­ver

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Sta­de

Logo von BLD Bach Langheid Dallmayr Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft mbB
Pro­zess­an­walt (w/m/d)

BLD Bach Langheid Dallmayr Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft mbB , Leip­zig

Logo von Oppenhoff
Som­mer­u­ni 2026

Oppenhoff , Köln

Logo von BLD Bach Langheid Dallmayr Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft mbB
Pro­zess­an­walt (w/m/d)

BLD Bach Langheid Dallmayr Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft mbB , Frank­furt am Main

Logo von BLD Bach Langheid Dallmayr Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft mbB
Pro­zess­an­walt (w/m/d)

BLD Bach Langheid Dallmayr Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft mbB , Mün­chen

Logo von BLD Bach Langheid Dallmayr Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft mbB
Prak­ti­kan­ten

BLD Bach Langheid Dallmayr Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft mbB , Mün­chen und 1 wei­te­re

Logo von BLD Bach Langheid Dallmayr Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft mbB
Pro­zess­an­walt (w/m/d)

BLD Bach Langheid Dallmayr Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft mbB , Köln

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Kölner Tage Immobilienbesteuerung 2026

19.02.2026, Köln

Logo von GvW Graf von Westphalen
Rechtsprechungs­report: Urheberrecht

18.02.2026

Logo von GvW Graf von Westphalen
Rechtsprechungs­report: ESG

18.02.2026

Online Info Session Jurastudium (Staatsexamen)

18.02.2026

Networking-Trainingsabend: Strategisch neue Kontakte knüpfen

19.02.2026

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH