Druckversion
Donnerstag, 10.09.2026, 02:28 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/nachrichten/n/demonstration-nrw-versammlungsgesetz-versg-polizeieinsatz-fehler-innenminister-landtag
Fenster schließen
Artikel drucken
45365

Nach Demonstration gegen neues Versammlungsgesetz: NRW-Innen­mi­nister räumt Fehler bei Poli­zei­ein­satz ein

01.07.2021

Eine Polizistin im Einsatz.

Petra - stock.adobe.com

Bei der Demonstration gegen das geplante NRW-Versammlungsgesetz hat die Polizei laut Innennminister Reul zu Fehler gemacht, viele der Vorwürfe seien aber falsch. Die Debatte im Landtag über das umstrittene Gesetz ging indes weiter.

Anzeige

Der umstrittene Polizeieinsatz bei einer Demonstration gegen das geplante Versammlungsgesetz ist laut NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) nicht fehlerfrei gewesen. Gewalt sei aber von vermummten Demonstranten ausgegangen und viele Vorwürfe gegen die Polizei seien schlicht falsch.

Bei der Demonstration mit rund 3.000 Teilnehmern am vergangenen Wochenende in Düsseldorf war es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei gekommen. Die Veranstalter der Demonstration hatten noch am Montag versichert, die Eskalation sei von der Polizei ausgegangen. Bis auf das Zünden weniger Rauchpatronen seien die Demonstranten friedlich gewesen.

Dazu äußerte sich Reul am Donnerstag im Landtag. Verbesserungsfähig sei der Umgang mit 38 Minderjährigen gewesen, die mehrere Stunden lang von der Polizei mit eingeschlossen worden seien. Es habe "zu lange gedauert", bis die Minderjährigen ins Polizeipräsidium gebracht und ihre Eltern informiert worden seien, sagte Reul. Dieser Vorwurf sei "berechtigt".

Verletzte auf Seiten der Polizei und der Demonstranten

Zudem habe es ein Problem bei der Versorgung der 328 Eingeschlossenen mit Toiletten gegeben. Die damit beauftragte Privatfirma habe die bestellten Toiletten nicht geliefert.

Die eingekesselten Demonstranten seien aber entgegen der Darstellung der Veranstalter sehr wohl mit Wasser versorgt worden. 600 Flaschen habe man bereitgestellt. Auch die medizinische Versorgung sei sichergestellt gewesen und nicht - wie behauptet - verweigert worden.

Bei dem Einsatz seien vier Polizisten verletzt worden. Auf Seiten der Demonstranten seien ebenfalls vier Personen in Krankenhäuser gebracht worden, eine Person vor Ort behandelt worden. Die Krankenhäuser hätten nach einer Polizeiabfrage von zwei weiteren ambulanten Behandlungen berichtet. Die Veranstalter hatten behauptet, es seien 80 bis 100 Demonstranten verletzt worden.

Rund 40 Ermittlungsverfahren eingeleitet

Polizisten seien angegriffen, geschlagen und getreten worden. Im sogenannten Antifa-Block hätten sich Demonstranten mit Sonnenbrillen, Schals und Kapuzen vermummt. Außerdem sei der Polizei die Sicht mit Regenschirmen und Bannern genommen worden, berichtete Reul.

Laut Innenministerium wurden 39 Ermittlungsverfahren im Zuge der Demonstration eingeleitet, darunter seien neun wegen Körperverletzung, sechs wegen Landfriedensbruchs, vier wegen Widerstands gegen und fünf wegen Angriffen auf Polizisten.

Reul erklärte, der Demozug sei in der Altstadt zum Stoppen gekommen, wo drei Polizisten ein Gebäude bewacht hätten. Diese seien mit Straßenabsperrungen beworfen und mit Fahnenstangen geschlagen worden. Die Polizisten hätten "Panik bekommen" und Verstärkung angefordert. Dann sei eine Polizeikette gebildet worden, die nach vorn ging. 

Staatsanwaltschaft werde Schlägen und Tritten gegen Journalisten nachgehen

In diesem Moment sei ein dpa-Fotograf zwischen die Fronten geraten. "Für mich war er klar als Fotograf und Journalist erkennbar. Ich hätte mir gewünscht, die Beamten hätten einen Bogen drum gemacht", sagte Reul.

Der Fotograf war bei der Demo am Samstag nach eigenen Angaben von einem Beamten mehrfach mit einem Schlagstock geschlagen worden. Im Polizeibericht war das Vorgehen des Beamten als "Abdrängen" beschrieben worden. Reul sagte, ob er geschlagen oder abgedrängt wurde, werde nun die Staatsanwaltschaft klären. Die Polizei habe von sich aus ein Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung im Amt eingeleitet.

"Drei Schläge gegen Journalisten sind drei Schläge zu viel gegen die demokratische Grundordnung in diesem Land", sagte SPD-Fraktionschef Thomas Kutschaty. Er habe auch mit einem Jugendlichen gesprochen, der eingekesselt war, nicht ausreichend versorgt worden und schließlich kollabiert sei. "Man darf Minderjährige nicht fünf Stunden lang einkesseln in diesem Land", kritisierte Kutschaty.

Anzeige

Vorwurf: VersG verbietet Gegendemonstrationen

"Sie sind der Innenminister des Landes, tragen Sie die Verantwortung", sagte der SPD-Abgeordnete Sven Wolf. Die Strategie der Deeskalation der NRW-Polizei habe sich bei Demonstrationen bewährt, dann aber habe Reul einen "robusten Einsatz" gefordert und damit Unklarheit geschaffen. "Sie wollen Gegendemonstrationen verbieten", sagte Wolf zum Gesetzentwurf der Landesregierung. Reul wies dies als "total falsch" zurück.

Grünen-Fraktionschefin Verena Schäffer sagte, der Gesetzentwurf für ein Versammlungsgesetz, gegen den am Samstag demonstriert worden war, sei schärfer als das bayerische Versammlungsgesetz. "Nehmen sie diesen Entwurf zurück, er ist schlecht für unser Land", forderte sie.

CDU-Fraktionsvize Gregor Golland (CDU) sagte, die Gewalt sei am Samstag von Linksextremisten ausgegangen. Das neue Versammlungsgesetz werde gebraucht gegen diejenigen, die das Versammlungsrecht für Hetze und Gewalt missbrauchten.

Die Linke kündigt Klage gegen Polizeieinsatz an

Für die AfD sagte der Abgeordnete Roger Beckamp, SPD und Grüne seien "der parlamentarische Arm dieser Krawallgruppen". Die FDP deutete Änderungen am Gesetzentwurf der Landesregierung an. "Kein Gesetz verlässt den Landtag so, wie es eingebracht wurde", sagte der FDP-Abgeordnete Marc Lürbke.

Die nicht im Landtag vertretene Partei Die Linke kündigte eine Klage vor dem Verwaltungsgericht in Düsseldorf an: Man werde gerichtlich feststellen lassen, dass der völlig aus dem Ruder gelaufene Polizeieinsatz rechtswidrig gewesen sei, erklärte die Partei.

dpa/pdi/LTO-Redaktion

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

Nach Demonstration gegen neues Versammlungsgesetz: . In: Legal Tribune Online, 01.07.2021 , https://www.lto.de/persistent/a_id/45365 (abgerufen am: 10.09.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Öffentliches Recht
    • Polizei- und Ordnungsrecht
    • Demonstrationen
    • Polizei
    • Versammlungen
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (l) und Wahlprogramm-Architekt Hans-Thomas Tillschneider auf einer Wahlkampfveranstaltung, 21.08.2026. 29.08.2026
AfD

AfD winkt Sieg bei Landtagswahl:

So gefähr­lich wäre eine AfD-Regie­rung in Sachsen-Anhalt

Bürgerwehren, Sonderklassen für Flüchtlingskinder, Öffentlich-Rechtliche abschaffen: Mit diesen Forderungen tritt die AfD in Sachsen-Anhalt an. Welcher Schaden droht der freiheitlich-demokratischen Grundordnung?

Artikel lesen
Patronenmunitionen liegen haufenweise übereinander 27.08.2026
BGH

BGH zum sächsischen "Munitionsskandal":

7.000 Schuss Dienst­muni­tion als "Bezah­lung" fürs Schieß­trai­ning

Dienstmunition statt Geld: So "bezahlte" ein Polizeibeamter einen privaten Schießplatzbesitzer für das Training mit seinen Leuten. Dafür verurteilte ihn ein LG, aber nicht nach dem Waffengesetz. Möglicherweise ein Bewertungsfehler, so der BGH.

Artikel lesen
Eine Drohne schwebt vor einem offenen Fenster mit Blick in einen Garten. 25.08.2026
Drohnen

Zahlen aus Baden-Württemberg:

36 Straf­taten mit Drohnen im ver­gan­genen Jahr

Die Polizei in Baden-Württemberg registriert mehr Straftaten mit Drohnen. Häufig geht es um Blicke in Wohnungen, aber auch um Störungen im Luftverkehr. Die SPD fordert mehr Befugnisse, das Innenministerium sieht keinen Handlungsbedarf. 

Artikel lesen
Der "Sportwetten-Sheriff" Thomas Melchior vor dem Mannheimer Carl-Benz-Stadion 21.08.2026
Polizei

Platzverweis schon vor dem Spiel:

Darf die Polizei den Sport­wetten-She­riff vom Sta­dion fern­halten?

Thomas Melchior protestiert vor Fußballspielen gegen Sportwetten – jeweils im Trikot des Erzrivalen. In Mannheim erteilte die Polizei ihm nach kurzer Zeit einen Platzverweis. Lukas Romberg analysiert, ob sie das durfte.

Artikel lesen
Christina Block, deutsche Gastronomin und Unternehmerin, sitzt im Gerichtssaal im Prozess wegen mutmaßlicher Kindesentführung im Landgericht Hamburg 20.08.2026
Christina Block

Block-Prozess Tag 71:

Staats­an­walt­schaft räumt Fehler ein: "Das ist pein­lich"

Gerhard Dellings Smartphone, Christina Blocks Tagebuch und die Prozessplanung bringen die Stimmung auf einen neuen Tiefpunkt. Statt der erwarteten Aussage von Christina Block, gibt es ein unerwartetes Eingeständnis der Staatsanwaltschaft. 

Artikel lesen
Richterin Isabel Hildebrandt (M), Vorsitzende Richterin am Landgericht, verhandelt im Landgericht im Prozess wegen mutmaßlicher Kindesentführung. Im Vordergrund sitzen Christina Block (l), deutsche Gastronomin und Unternehmerin, und Gerhard Delling, ehema 19.08.2026
Christina Block

Block-Prozess Tag 69:

Anwältin belächelt Ein­trag ins "Klas­sen­buch"

Ein durchgestochenes Gutachten, eine Richterin, die nicht Wachhund sein will, und eine Alarmanlage. Bei der Befragung einer Polizistin kommt es zu Schrei-Duellen. Dann ist alles schneller vorbei als gedacht, am Tag 69 im Block-Prozess.

Artikel lesen
lto karriere logo

Deine Karriere beginnt hier.

Registrieren und nie wieder einen Top-Job verpassen

logo lto karriere
Jetzt registrieren bei LTO Karriere

Finde den Job, den Du verdienst 100% kostenlos registrieren und Vorteile nutzen

  • LTO Job Matching: Finde den Job & Arbeitgeber, der zu Dir passt.
  • Jobs per Mail: Verpasse keine neuen Job-Angebote mehr.
  • Easy Apply: Die einfache und schnelle Bewerbung zu Deinem neuen Job.
Das Passwort muss mindestens 8 Zeichen lang sein und mindestens einen Großbuchstaben, einen Kleinbuchstaben, eine Zahl und ein Sonderzeichen enthalten (z.B. #?!@$%^&*-).
Pflichtfeld *

Nur noch ein Klick!

Wir haben Dir eine E-Mail gesendet. Bitte klicke auf den Bestätigungslink in dieser E-Mail, um Deine Anmeldung abzuschließen.

Weitere Infos & Updates einfach und kostenlos direkt ins Postfach.

LTO Karriere Newsletter

Das monatliche Update mit aktuellen Stellenangeboten & Karriere-Tipps.

LTO Daily

Jeden Abend um 18 Uhr die wichtigsten News vom Tag.

LTO Presseschau

Jeden Morgen um 7:30 Uhr die aktuelle Berichterstattung über Recht und Justiz.

Pflichtfeld *

Fertig!

Um die kostenlosen Nachrichten zu beziehen, wechsle bitte nochmal in Dein Postfach und bestätige Deine Anmeldung mit dem Bestätigungslink.

Du willst Dein Bewerberprofil direkt anlegen?

Los geht´s!
ads lto paragraph
lto karriere logo
ads career people

Bereit für Karriere? Spannende Karriere-Chancen für Volljuristen.

Direkt zu passenden Stellen
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von Paul-Ehrlich-Institut
Voll­ju­ris­tin / Voll­ju­ris­ten (m/w/d) in Teil­zeit (23,4 h/​Wo­che)

Paul-Ehrlich-Institut, Lan­gen

Logo von Dentons
Wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter (m/w/d) im Be­reich IP, Da­ta &...

Dentons, Düs­sel­dorf

Logo von Hogan Lovells Cadwalader International LLP
Rechts­an­wäl­tin/Rechts­an­walt (w/m/d) Steu­er­recht

Hogan Lovells Cadwalader International LLP, Mün­chen

Logo von HUK-COBURG
Ju­rist Pro­dukt­ent­wick­lung / Kfz-Ver­si­che­rung (w/m/d)

HUK-COBURG, Co­burg

Logo von Middendorf - Dr. Breulmann
Rechts­an­walt/Rechts­an­wäl­tin

Middendorf - Dr. Breulmann, Rhei­ne

Logo von PwC Legal AG
Rechts­an­walt / Voll­ju­rist Steu­er­recht (w/m/d)

PwC Legal AG, Frank­furt am Main

Logo von PwC Legal AG
Se­nior Rechts­an­walt Öf­f­ent­li­ches Wirt­schafts­recht (w/m/d)

PwC Legal AG, Frank­furt am Main

Logo von Flick Gocke Schaumburg
Di­p­lom-Fi­nanz­wirt (m/w/d) Steu­er­straf­recht

Flick Gocke Schaumburg, Bonn und 3 wei­te­re

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
3 Monate GEAS – Das neue Asylrecht in der Praxis

11.09.2026

Alle Zahlen im Blick?! Controlling für Kanzleien

10.09.2026

Einf. in die Zwangsvollstreckung für AZUBIS, Anfänger, Junganwälte, Wiedereinsteiger, Quereinsteiger

10.09.2026

Online-Seminar! § 15 FAO - Vollstreckung wegen gesetzlicher Unterhaltsansprüche in Arbeitseinkommen

10.09.2026

Logo von Deutsches Anwaltsinstitut e.V.
18. Jahresarbeitstagung Erbrecht

10.09.2026, Berlin

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH