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Pro Bono-Beratung: "Ärmel hochkrempeln und einfach anfangen!"

von Désirée Balthasar

31.03.2015

Beratung

© Kzenon - Fotolia.com

Ist Pro Bono ein neuer Trend oder deutsche Tradition? Oder handelt es sich lediglich um einen Marketingtrick von Kanzleien? Und warum spricht kaum jemand darüber? Ein Blick in die Praxis.

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Wenige Laufmeter von der Elbe entfernt, im Herzen Hamburgs, steht die St. Pauli Kirche. Im Gemeindehaus der evangelisch-lutherischen Gemeinde nehmen die Anwälte Dr. Florian Brem (40) und Isabelle Dierks (33) regelmäßig an einem Holztisch Platz. Ohne Computer, ohne Telefon, ohne Drucker. Dafür mit offenen Ohren und viel menschlichem Kontakt. "Wir bieten dort eher allgemeine Lebenshilfe als konkrete Rechtsberatung", erzählt Brem, Partner der Kanzlei Buse Heberer Fromm in Hamburg.

Ihre Zuhörer kommen meist mit Stift und Papier und schreiben eifrig mit. "Pro Beratungstermin nehmen wir uns etwa zwei Stunden Zeit für die Ratsuchenden. Da wir insgesamt etwa 16 Anwälte sind, die dort ehrenamtlich beraten, ist jeder von uns etwa einmal pro Quartal dort."

Die St. Pauli Kirche ist bekannt für ihren sozialen Einsatz. Die Pastoren sorgen sich um Flüchtlinge, Kinder und Jugendliche sowie sozial Schwache. Pastor Martin Paulekun hat die kostenlose Rechtsberatung vor rund 20 Jahren ins Leben gerufen, gemeinsam mit Dr. Torben Todsen, einem langjährigen Partner bei Buse. Genauso lang läuft auch das Projekt, an dem Brem und Dierks teilnehmen. "Die Themen, mit denen die Menschen zu uns kommen, haben zwar einen juristischen Bezug, bedürfen aber oft nicht einer komplexen juristischen Prüfung“, sagt Dierks.

"Manche wollen einfach nur reden"

Sie ist 2013 als Associate bei Buse eingestiegen und wurde sofort von Brem in das soziale Projekt eingebunden. Freiwillig, versteht sich. Dierks: "In die St. Pauli Kirche kommen Menschen, die sich keinen Anwalt leisten können. Meistens umfassen die Probleme familien-, erb- oder sozialrechtliche Themen. Wir füllen mit ihnen beispielsweise Anträge aus oder helfen dabei, juristische Texte zu verstehen."

Brem fügt hinzu: "Manche wollen auch einfach nur reden. Die holen dann sehr weit aus, so dass man sie ab und zu zum eigentlichen Thema zurückholen muss. Denn draußen auf dem Flur warten immer noch andere, die Hilfe brauchen." Es handelt sich hierbei immer rein um ein Erstgespräch. Die Anwälte vermitteln in schwierigen Fällen an die zuständigen öffentlichen Stellen oder an die Rechtsanwaltskammer, falls ein Experte benötigt wird.

Das ehrenamtliche Engagement von Brem und Dierks hat einen konkreten Bezug zum Leben der Bewohner von St. Pauli. Das ist es auch, was die beiden Rechtsanwälte nicht daran zweifeln lässt, dass ihr Einsatz dort sinnvoll ist. Eine fachliche Zusatzausbildung sei nicht notwendig. Was man allerdings braucht, ist Geduld. "Es gibt natürlich kaum Überschneidung mit unserer Arbeit bei Buse", sagt Gesellschaftsrechtlerin Dierks. "Hier ist eher die juristische Grundausbildung gefragt. Jeder Jurist muss wissen, wie man eine Norm liest, man braucht für eine erste Hilfe also keinen Fachanwalt im Sozialrecht."

Wirtschaftskanzleien gründen Pro-Bono-Verband

Oft erklingt der Vorwurf, Kanzleien würden sich lediglich mit pro bono schmücken, es aber nicht aus altruistischen Motiven heraus tun. Als ob es lediglich eine Erfindung der Marketingabteilungen sei. "Es wird ja häufig gesagt, es gäbe in Deutschland keine Tradition für pro bono-Rechtsberatung. Ich würde allerdings stark bezweifeln, dass das wirklich zutrifft", sagt Dr. Peter Braun (44), Vorstandssprecher von Pro Bono Deutschland e.V. und Partner bei Orrick. "Es gehörte lange Zeit zum guten Ton, sich als Anwalt ehrenamtlich für das Gemeinwesen zu engagieren. Das ist auch heute noch so."

Dennoch habe sich das Umfeld verändert, in dem pro bono heute stattfindet. "Seit einiger Zeit hat pro bono vor allem durch die politisch geförderten CSR-Initiativen einen neuen Impetus bekommen", erklärt Braun. CSR bedeutet Corporate Social Responsibility, die pro bono-Rechtsberatung ist ein Teil davon." CSR steht momentan ganz oben auf der politischen Agenda. Daher sind wir hoffnungsvoll, dass gesellschaftliches Engagement auch in der Anwaltschaft eine größere Verbreitung finden wird", sagt Braun.

Der Verein Pro Bono Deutschland e.V. hat sich im Februar 2011 gegründet. Mittlerweile treten unter diesem Dach rund 35 Mitgliedskanzleien für mehr pro bono-Beratung ein. In ihrer Satzung heißt es: "Pro-Bono-Rechtsberatung ist die unentgeltliche Rechtsberatung für einen guten Zweck und besteht in der Beratung und Vertretung gemeinnütziger Organisationen, Nichtregierungsorganisationen, Stiftungen und bedürftiger Privatpersonen, die berechtigte Anliegen verfolgen […]".

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    Rechtsberatung in der Kirche

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    Studenten als Vorreiter der Kanzleien

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Désirée Balthasar, Pro Bono-Beratung: . In: Legal Tribune Online, 31.03.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/15076 (abgerufen am: 14.09.2026 )

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