Druckversion
Samstag, 17.10.2026, 08:20 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/hintergruende/h/abtreibung-schwangerschaftsabbruch-218-cducsu-brief-kommission-selbstbestimmung
Fenster schließen
Artikel drucken
52645

Warnung vor Streichung von § 218 StGB: Brand­brief zum Schutz des unge­bo­renen Lebens

von Hasso Suliak

06.09.2023

Andrea Lindholz

Unter anderem die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Union im Bundestag, Andrea Lindholz MdB, warnt vor einer Streichung des § 218 StGB. Foto: picture alliance/dpa | Carsten Koall.

Die Ampel prüft, ob Schwangerschaftsabbrüche künftig straffrei werden könnten. Die Union im Bundestag protestiert. In einem Brief an die Fraktion warnen Rechts- und Familienpolitiker vor einer "unverantwortlichen Spaltung" der Gesellschaft.

Anzeige

Wird § 218 Strafgesetzbuch (StGB), der den Schwangerschaftsabbruch grundsätzlich unter Strafe stellt, die nur unter den Voraussetzungen des § 218a StGB wieder entfällt, bald aus dem StGB gestrichen? Seit Ende März berät u.a. über diese Frage eine unabhängige und interdisziplinär besetzte Sachverständigenkommission der Bundesregierung ("Kommission zur reproduktiven Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin"). Diese setzt sich aus Fachleuten der relevanten wissenschaftlichen Bereiche Medizin, Recht, Gesundheits- und Sexualwissenschaft sowie Psychologie zusammen. Berufen wurden sie im Einvernehmen der Bundesfamilienministerin, des Bundesgesundheitsministers sowie des Bundesjustizministers.

Ihr Auftrag lautet nun u.a., Vorschläge zu machen, wie die Vorgabe des Koalitionsvertrages in puncto §§ 218, 218a StGB umgesetzt werden kann. SPD, Grüne und FDP hatten sich zu Beginn der Legislatur darauf verständigt, "Regulierungen für den Schwangerschaftsabbruch außerhalb des Strafgesetzbuchs" zu prüfen. Federführend ist das Bundesgesundheitsministerium. Der Abschlussbericht der Kommission mit konkreten Gesetzesvorschlägen soll Ende 2024 vorgelegt werden.

Obwohl also eine mögliche Streichung des § 218 StGB noch in weiter Ferne liegt, trommeln Parlamentarier von CDU und CSU bereits jetzt für die Beibehaltung des Status quo – als würde eine Reform unmittelbar bevorstehen.

"In Deutschland haben wir eine kluge Regelung"

Am Mittwoch verschickten die stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Andrea Lindholz und Dorothee Bär (beide CSU) sowie die rechts- und familienpolitischen Sprecher der Unionsfraktion Günter Krings und Silvia Breher (beide CDU) eine Art Brandbrief an ihre Kolleginnen und Kollegen der Bundestagsfraktion.

In dem Schreiben warnen die vier MdBs eindringlich davor, das geltende Schutzkonzept betreffend das ungeborene Leben über Bord zu werfen. "In Deutschland haben wir eine kluge Regelung, die das Selbstbestimmungsrecht der Frau sichert und zugleich das Lebensrecht des ungeborenen Kindes und Hilfen im Schwangerschaftskonflikt berücksichtigt." Mit der Beratungspflicht setze diese auch das Schutzkonzept zugunsten des Kindes, das das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) aus dessen Lebensrecht abgeleitet habe, wirksam um. Außerdem seien Abtreibungen in den ersten zwölf Wochen bei Einhaltung der Beratungs- und Wartepflicht bereits heute ausdrücklich von der Strafbarkeit ausgenommen. 

Als Beleg dafür, warum an der geltenden Rechtslage nicht gerüttelt werden dürfe, zitieren die Unionspolitiker aus Entscheidungen des BVerfG. Dieses habe "klar entschieden, dass Schwangerschaftsabbruch für die ganze Dauer der Schwangerschaft grundsätzlich als Unrecht angesehen und demgemäß rechtlich verboten sein müsse".

"Streichung von § 219a bereits falscher Schritt" 

Der Ampel werfen die Unions-MdBs vor, bereits mit der Abschaffung des § 219a StGB (Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche) vor gut einem Jahr "einen Schritt in die falsche Richtung" gegangen zu sein. Würde es nun auch noch zu einer Streichung von 218 StGB kommen, befürchten die CDU/CSU-Parlamentarier das Schlimmste:

"Die insbesondere von den Grünen und der SPD damit angestrebte Aufbrechung des austarierten Abtreibungskompromisses würde unsere Gesellschaft in unverantwortlicher Weise spalten und gerät in Konflikt mit den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts zum verfassungsrechtlich gebotenen Schutz des ungeborenen Lebens." Das Thema sei denkbar ungeeignet für ideologischen Aktivismus und regierungsamtliche Vorgaben.

Anzeige

Zweifel an Unabhängigkeit der Sachverständigenkommission

Zweifel äußern die Unionspolitiker auch an der Unabhängigkeit der eingesetzten Sachverständigen-Kommission und daran, dass diese überhaupt ergebnisoffen berät. So sei es höchst bedenklich, "dass die Mitglieder der Kommission zur reproduktiven Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin lediglich von der Regierungskoalition ausgewählt wurden. Die Kommission deckt ein sehr begrenztes Spektrum ethisch relevanter Bereiche unserer Gesellschaft ab und deutet auf eine gezielte Vorauswahl zur Sicherstellung eines in der Koalition gewollten Ergebnisses hin". 

Lindholz, Bär, Krings und Breher hoffen nun, dass ihr Brief die Kolleginnen und Kollegen in der Fraktion aufrüttelt und sie für das Thema sensibilisiert. Ihr Appell: "Gerade wir als CDU/CSU-Fraktion dürfen die Behandlung dieser bedeutenden ethischen Fragen nicht allein der Bundesregierung und der von ihr eingesetzten Kommission überlassen. Wir werden daher selbst in geeigneter Form allen Abgeordneten die Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit diesen grundlegenden Themen eröffnen und dabei neben dem Selbstbestimmungsrecht der Frau auch dem Schutz des ungeborenen Lebens und der Einhaltung unserer Grundrechtsordnung den angemessenen Stellenwert einräumen." 

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

Warnung vor Streichung von § 218 StGB: . In: Legal Tribune Online, 06.09.2023 , https://www.lto.de/persistent/a_id/52645 (abgerufen am: 17.10.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Abtreibung
    • Schwangerschaft
    • Schwangerschaftsabbruch
Maja Göthberg im Spiel von Lazio Rom gegen Inter Mailand am 12.10.2023 24.06.2026
Fußball

Verein kündigte ihr wegen Schwangerschaft:

Lazio Rom muss Ex-Spie­lerin ent­schä­d­igen

Noch vor Saisonbeginn berichtete Maja Göthbergs Berater von ihrer Schwangerschaft, danach hielt Lazio Rom den Arbeitsvertrag plötzlich für ungültig. Der Verein muss ihr nun eine Entschädigung zahlen, so der CAS in diesem Präzedenzfall.

Artikel lesen
Joachim Volz in Hamm 05.02.2026
Kirche

LAG Hamm: Nebentätigkeit erlaubt:

Che­f­arzt darf Schwan­ger­schafts­ab­brüche nicht für Klinik durch­führen

Die Kirche darf dem Chefarzt Volz in Lippstadt keine medizinisch indizierten Abbrüche für seine Nebentätigkeit untersagen. Für die Klinik hat diese Dienstanweisung bestand, so das LAG Hamm.

Artikel lesen
Demonstrierende stehen vor einem großen Banner, auf dem steht: "Meine Hilfe ist keine Sünde" 03.02.2026
Schwangerschaftsabbruch

Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen vor dem LAG Hamm:

Nächste Runde von Che­f­arzt Volz gegen katho­li­sche Vor­gaben

Seit der Fusion mit einer katholischen Klinik gelten andere Regeln im Klinikum Lippstadt. Chefarzt Volz soll auch bei medizinischer Indikation keine Schwangerschaftsabbrüche vornehmen. Am Donnerstag verhandelt das LAG Hamm.

Artikel lesen
§ 218f. StGB 23.12.2025
Strafverteidiger, StV

Schwangerschaftsabbruch:

Eine Reform ist über­fällig

Die Debatte über eine Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs ist verhärmt, den Reformgegnern fehlt echte Diskursbereitschaft. Die Frauen diskriminierende Vorschrift des § 218 StGB scheint unverrückbar. Eine Analyse von Liane Wörner.

Artikel lesen
Besucher in der Reichstagkuppel in Berlin 26.10.2025
Interview

Interview mit dem Vorsitzenden des Deutschen Ethikrates:

"Die Bür­ger­geld-Reform ist in weiten Teilen Sym­bol­po­litik"

Strafrechtler und Ethikrat-Vorsitzender Helmut Frister spricht über das rechtliche Risiko einer Abtreibungsreform, die Widerspruchslösung bei der Organspende und warum er nicht an die vom BMJV angestrebte effizientere StPO glaubt.

Artikel lesen
Karla Steeb, Lilian van Rey, Lilith Rein (von links nach rechts) 28.09.2025
Studium & Referendariat

Feminist Law Clinic in Köln:

"Sexua­li­sierte Gewalt sollte auch im Jura­stu­dium ein Thema sein"

Anfang 2025 startete die Feminist Law Clinic in Köln ihre Beratungen, inzwischen gibt es deutschlandweit Ortsgruppen. Eine der Gründerinnen erzählt, welche Rechtsfragen ihnen begegnen, wie es weitergehen soll – und ob auch Männer mitmachen.

Artikel lesen
lto karriere logo

LTO Karriere - Deutschlands reichweitenstärkstes Karriere-Portal für Jurist:innen

logo lto karriere
Jetzt registrieren bei LTO Karriere

Finde den Job, den Du verdienst 100% kostenlos registrieren und Vorteile nutzen

  • LTO Job Matching: Finde den Job & Arbeitgeber, der zu Dir passt.
  • Jobs per Mail: Verpasse keine neuen Job-Angebote mehr.
  • Easy Apply: Die einfache und schnelle Bewerbung zu Deinem neuen Job.
Das Passwort muss mindestens 8 Zeichen lang sein und mindestens einen Großbuchstaben, einen Kleinbuchstaben, eine Zahl und ein Sonderzeichen enthalten (z.B. #?!@$%^&*-).
Pflichtfeld *

Nur noch ein Klick!

Wir haben Dir eine E-Mail gesendet. Bitte klicke auf den Bestätigungslink in dieser E-Mail, um Deine Anmeldung abzuschließen.

Weitere Infos & Updates einfach und kostenlos direkt ins Postfach.

LTO Karriere Newsletter

Das monatliche Update mit aktuellen Stellenangeboten & Karriere-Tipps.

LTO Daily

Jeden Abend um 18 Uhr die wichtigsten News vom Tag.

LTO Presseschau

Jeden Morgen um 7:30 Uhr die aktuelle Berichterstattung über Recht und Justiz.

Pflichtfeld *

Fertig!

Um die kostenlosen Nachrichten zu beziehen, wechsle bitte nochmal in Dein Postfach und bestätige Deine Anmeldung mit dem Bestätigungslink.

Du willst Dein Bewerberprofil direkt anlegen?

Los geht´s!
ads lto paragraph
lto karriere logo
ads career people

Wir haben die Top-Jobs für Jurist:innen

Jetzt registrieren
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von McDermott Will & Schulte
As­so­cia­te (m/w/d) Pri­va­te Equi­ty

McDermott Will & Schulte, Frank­furt am Main

Logo von Baker McKenzie Rechtsanwaltsgesellschaft mbH von Rechtsanwälten und Steuerberatern
Ju­ris­ti­sche Mit­ar­beit und Re­fe­ren­da­riat (m/w/d) | Dis­pu­tes -...

Baker McKenzie Rechtsanwaltsgesellschaft mbH von Rechtsanwälten und Steuerberatern, Frank­furt am Main

Logo von Niedersächsisches Justizministerium
Ju­ris­tin / Ju­ris­ten (w/m/d)

Niedersächsisches Justizministerium, Wol­fen­büt­tel

Logo von ndF: neue deutsche Filmgesellschaft mbH
Voll­ju­rist (m/w/d) in Voll­zeit

ndF: neue deutsche Filmgesellschaft mbH, Un­ter­föh­ring

Logo von McDermott Will & Schulte
Le­gal Spring 2027 – Das Prak­ti­kan­ten­pro­gramm

McDermott Will & Schulte, Düs­sel­dorf und 3 wei­te­re

Logo von Hogan Lovells Cadwalader International LLP
HLC Next­Gen – In­sight and Im­pact: Prak­ti­kan­ten­pro­gramm Früh­jahr 2027

Hogan Lovells Cadwalader International LLP, Frank­furt am Main

Logo von Osborne Clarke GmbH & Co. KG
Rechts­an­walt mit Be­ruf­s­er­fah­rung (w/m/d) IT-Recht / Soft­wa­re-Com­p­li­an­ce...

Osborne Clarke GmbH & Co. KG, Ber­lin und 1 wei­te­re

Logo von Baker McKenzie Rechtsanwaltsgesellschaft mbH von Rechtsanwälten und Steuerberatern
Ju­ris­ti­sche Mit­ar­beit (m/w/d) | Au­ßen­wirt­schafts­recht | Ber­lin

Baker McKenzie Rechtsanwaltsgesellschaft mbH von Rechtsanwälten und Steuerberatern, Ber­lin

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Jura ohne Fragezeichen - Kostenlose Fragerunde für Studierende

28.10.2026

Kompass Rechtsschutzversicherung, Teil 2: Versicherungsfall und Obliegenheiten

26.10.2026

Das notarielle Nachlassverzeichnis – Sonderfragen

26.10.2026

Fit fürs Notariat – Modul 2

26.10.2026

Logo von Deutscher Anwaltverein
DAV Associate Summit – Talks & Drinks

27.10.2026, Frankfurt am Main

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH