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Das neue iPhone: Apple aktiviert den Will-haben-Modus

Witold Pryjda

08.06.2010

iPhone 4

Wie es aussieht, war dank eines Gadget-Blogs bereits bekannt. Apple hatte bei der Vorstellung des iPhone 4 dennoch genügend Trümpfe in der Hand: Das neue Wunder-Smartphone bietet ein brillantes Display, eine längere Akkulaufzeit und Funktionen wie Multitasking oder die Aufnahme von High-Definition-Videos.

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Es war der Technik-Thriller des Jahres: Ein Mitarbeiter verliert im April in einer Bar einen Prototypen des neuesten Apple-Smartphones. Ein 21-Jähriger findet das streng geheime Handy und bietet es einem US-amerikanischen Technik-Blog an. Gizmodo kauft es für 5.000 US-Dollar und präsentiert das neue iPhone-Modell ausführlich im Internet. Außer eines Blicks auf die Hardware kann Gizmodo aber nicht viel bieten – Apple hatte das Handy gleich nach dem Bekanntwerden des Verlustes ferngesteuert deaktiviert.

Apple-Chef Steve Jobs tobt jedoch, Gizmodos Exklusivstory wird zum Kriminalfall: Obwohl der Prototyp alsbald zurückgegeben wird, kommt es zu einer Hausdurchsuchung bei Jason Chen, dem Chefredakteur der Gadget-Seite. Dadurch erreicht der Fall eine Dimension, die nicht nur Technik-Fans interessiert: Nämlich die Frage, ob Blogger auch durch das Redaktionsgeheimnis geschützt sind und das Eindringen in die Privaträume somit nicht rechtens war. Die Frage ist bis heute nicht geklärt, die Ermittlungen dauern nach wie vor an. Apple strafte Gizmodo auch mit Liebesentzug: Journalisten der Seite waren bei der Präsentation des iPhone 4 nicht erwünscht.

Dünner, länger, detailreicher

Bei der offiziellen Vorstellung stellte sich bald heraus, dass Gizmodo tatsächlich ein echtes iPhone 4 in den Händen hatte. Das bloße Aussehen – das Steve Jobs mit einer "wunderschönen alten Leica-Kamera" verglich – war aber nicht der Punkt, der für Aufsehen sorgte.

Das laut Jobs mit 9,3 Millimetern Tiefe "dünnste Handy der Welt" begeistert mit einem Bildschirm, der detailreicher ist als alles bisher Dagewesene. Bei einer Auflösung 960 x 640 Bildpunkten habe es eine Pixeldichte von 326 Punkten pro Zoll: Der "Retina Display" getaufte Bildschirm ist damit genauer, als es das menschliche Auge überhaupt erfassen kann (300 Pixel/Zoll). Tatsächlich versprechen erste Erfahrungsberichte eine beeindruckende Darstellung, gleiches gilt für die Kameras und deren Funktionen.

Die Modi, die Fotos und Bewegtbilder erlauben, wurden nämlich generalüberholt: Zunächst spendierte man dem iPhone eine Frontkamera, die unkomplizierte Videotelefonie erlaubt. Die Optik der Kamera an der Rückseite wurde verbessert und bietet eine Auflösung von fünf statt drei Megapixel. Der eigentliche Clou ist aber der neue HD-Videomodus: Mit dem iPhone 4 können Filme in einer Auflösung von 720p aufgenommen werden – bei konstanten 30 Bildern pro Sekunde.

HD-Videos und hochwertige Fotos

Möglich wurde das erst durch den neuen A4-Prozessor. Die Apple-Eigenentwicklung, die übrigens auch im iPad steckt, ist nicht nur enorm leistungsfähig, sondern auch stromsparend: Das iPhone 4 verspricht sieben Stunden UMTS-Sprechzeit, sechs Stunden Internetsurfen über das Telefonnetz und zehn über WLAN, außerdem zehn Stunden Video- bzw. 40 Stunden Audio-Wiedergabe, im Standby sollen es 300 Stunden sein. Mit dem neuen Prozessor wird nun auch erstmals echtes Multitasking möglich, ein Software-Feature, das längst überfällig war.

Die in der Praxis vielleicht wichtigste Verbesserung hat mit dem Design des Gerätes zu tun: Das kantige Aussehen ergibt sich nämlich dadurch, dass der Metall-Gehäuserahmen gleichzeitig als Antenne dient. Die alles andere als optimale Gesprächsqualität der Vorgängermodelle soll damit der Vergangenheit angehören – auch weil ein zusätzliches Mikrophon künftig störende Nebengeräusche elektronisch herausfiltern soll.
Begeisterung, bald auch in Deutschland

Die ersten Journalisten, die das Gerät nach dessen offizieller Enthüllung ausprobieren durften, waren begeistert: Das Technik-Blog Engadget nannte das iPhone 4 "unglaublich sexy", das Magazin "Wired" verglich die Qualität der Fotos mit Aufnahmen einer "High-End-Kamera".

Erfreulich für heimische Apple-Fans: Deutschland gehört neben USA, Frankreich, Großbritannien und Japan zu den ersten fünf Ländern, an die die neueste Obsternte ausgeliefert wird. Am 24. Juni ist es soweit, Vorbestellungen sind ab dem 15. möglich. Exklusivpartner ist in Deutschland erneut T-Mobile, das auch die dazugehörige Bestellseite bereits geöffnet hat. Preislich hat sich allerdings nichts getan: Das iPhone 4 wird wie bisher je nach Speichergröße (8, 16 und 32 GB) zwischen 99 und 299 Dollar kosten.
Ein Verkaufshit ist ohnehin vorprogrammiert: Zu gut hat Apple es wieder einmal verstanden, das "Will-haben" in uns zu wecken

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Witold Pryjda, Das neue iPhone: . In: Legal Tribune Online, 08.06.2010 , https://www.lto.de/persistent/a_id/664 (abgerufen am: 16.05.2026 )

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