Das Einmaleins des Berufseinstiegs für AnwälteZwischen Pressemitteilung und Gebührenordnung

von Jens KahrmannVistenkarte

12.03.2013

Timmendorfer Strand

Anfang März zog es 165 Junganwälte, Assessoren und Referendare aus ganz Deutschland an den Timmendorfer Strand. Der Verein Deutsche Anwaltakademie hatte in Kooperation mit dem Forum Junge Anwaltschaft zum Seminar "Forum – Start in den Anwaltsberuf" geladen. Über den Schweigehasen eines Strafverteidigers, die Gefahren der Pressearbeit und den Gegner von morgen.

Das Ambiente hätte besser nicht sein können: Pünktlich zur Veranstaltung bezwang die Sonne den womöglich trübsten Winter aller Zeiten. Die breite Fensterfront des Seminarraums bescherte den Veranstaltungsteilnehmern einen traumhaften Blick auf die Ostsee.

Aber auch auf dem Podium wurde einiges geboten: Hochkarätige und begnadete Redner griffen vom Kanzleimarketing, über das Berufsrecht und Haftungsfragen bis hin zum Anwaltshonorar praktisch alle Themen auf, die Nachwuchsanwälte umtreiben.

Dass dabei keine Langeweile aufkommen würde, war schon beim ersten Vortrag absehbar. Der Strafverteidiger, nebenberufliche Pianist und Hobbyfußballer Matthias Ehspanner referierte in sehr kurzweiliger Form über seine erfolgreiche Kanzleigründung. Sein Markenzeichen: Der "Schweigehase", der verdächtig an eine handgeformte Schattenfigur erinnert. Zum Einsatz kommt er bei ihm aber nicht im Schattenspiel, sondern wenn ein Mandant bei einer Vernehmung anfängt, etwas zu viel preiszugeben.

Anschließend führte Rechtsanwalt Martin Lang durch die verschiedenen Phasen eines Mandates – vom ersten Anruf des Rechtssuchenden bis zur Zwangsvollstreckung. Neben vielen praktischen Tipps gab es auch sehr deutliche Ansagen: "Sie müssen ein Verhandlungsprofi werden, sonst sind Sie im Anwaltsberuf falsch."

DAV-Pressesprecher: "Relevanz der Pressearbeit wird oft verkannt"

Das Referenten-Duo Micha Guttmann und Swen Walentowski nahm sich schließlich der Frage an, wie man durch gute Öffentlichkeitsarbeit neue Mandate gewinnen kann. Guttmann startete nach dem Assessorexamen eine langjährige journalistische Karriere u.a. für RTL und den WDR, bevor er schließlich seine Zulassung beantragte, um sich auf Medienrecht und Krisen-PR zu spezialisieren. Swen Walentowski ist Rechtsanwalt und Pressesprecher des Deutschen Anwaltvereins.

Beide wiesen in ihrem äußerst lebendigen Vortrag darauf hin, dass Öffentlichkeitsarbeit kostenlose Werbung für den Anwalt sei und gaben praktische Tipps, wann und womit man sich an welche Medien wenden sollte. Auch wurde erläutert, wie eine vernünftige Pressemitteilung aufgebaut sein muss.

Auf Nachfrage erklärt Swen Walentowski gegenüber der LTO: "Die Relevanz der Pressearbeit wird oft verkannt – vielen Anwälten ist die darin liegende Chance nicht bewusst." Den Hinweis auf fehlendes handwerkliches Geschick und sich dadurch ergebende Fallstricke lässt er nicht gelten: "Die viel größere Gefahr ist, es gar nicht erst zu versuchen."

Berufsrechtler: "Anwälte wissen erschreckend wenig über das Berufsrecht"

Dass man sich auch mit dem Berufsrecht leidenschaftlich befassen kann, bewies im Anschluss Rechtsanwalt Dr. Michael Kleine-Cosack. Dieser hat nicht nur einen 800 Seiten starken Kommentar zur Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO) verfasst, sondern auch mit den Verfahren gegen die Standesrichtlinien vor dem Bundesverfassungsgericht Berufsrechtsgeschichte mitgeschrieben.

Nach einem kurzen geschichtlichen Abriss führte er die Junganwälte mit viel Elan durch die verschiedenen zu beachtenden Regeln der BRAO, der Berufsordnung und des Strafrechts und schilderte, welche Sanktionen drohen. "Mitunter wissen die Anwälte erschreckend wenig über das Berufsrecht", sagte Kleine-Cosack auf Nachfrage. Schuld daran hätten auch die Rechtsanwaltskammern, die zu wenig Aufklärungsarbeit leisteten.

Insolvenzverwalter: "Sie können einem Mandat das Haftungsrisiko nicht ansehen"

Danach referierte Prof. Dr. Volker Römermann über das wichtige und nicht minder gefürchtete Thema der Anwaltshaftung. Als Insolvenzverwalter weiß er nur zu gut, was alles schief laufen kann. Und er mahnt zur Vorsicht: "Sie können einem Mandat das Haftungsrisiko nicht ansehen."

Das Highlight des kürzeren zweiten Tages war wohl der Vortrag zum Thema Anwaltshonorar. Referent war der von vielen als Gebührenpapst gelobte Rechtsanwalt Norbert Schneider. Auch er war nicht um deutliche Worte verlegen und stellte mit Blick auf die häufig auftretenden Gebührenstreitigkeiten klar, dass das Sprichwort "Der Mandant von heute ist der Gegner von morgen" nicht von ungefähr kommt.

Nur wenige Referendare

Bei den Teilnehmern selbst stieß die Veranstaltung auf viel Zuspruch. Stefan Harder ist zwar seit 2009 zugelassener Rechtsanwalt, betreibt aber erst seit 2012 gemeinsam mit einem Kollegen eine Kanzlei: "Vor allem die Vorträge zum Haftungsrecht und Berufsrecht waren sehr interessant – ich habe die Themen ein wenig unterschätzt." Es sei toll, dass man auf der Veranstaltung Kontakte zu Anwälten in ähnlicher Situation knüpfen könne.

Die Assessorin Reyam Joudeh überlegt, mit einer Studienkollegin eine eigene Kanzlei zu eröffnen: "Ich habe hier meine Einschätzung bestätigt bekommen, dass es viele Risiken zu bedenken gibt." Am Nutzwert der Veranstaltung zweifelt sie aber nicht an: "Wenn wir uns für die Selbstständigkeit entscheiden, komme ich bestimmt erneut zu diesem Seminar."

Zwar richtet sich die Veranstaltung auch ausdrücklich an Referendare, gekommen waren jedoch wenige. Referendarin Mandy Konrad meint: "Die Veranstaltung ist sehr interessant, wenn der Berufsstart unmittelbar bevorsteht. Als Referendar erhält man immerhin einen Eindruck davon, worauf man sich bei einer Kanzleigründung einlässt."

Den größten Nutzen aus der Veranstaltung ziehen wohl in der Tat diejenigen, die unmittelbar vor der Kanzleigründung stehen oder gerade als selbstständiger oder angestellter Anwalt in den Beruf eingestiegen sind. Das wird auch dadurch deutlich, dass sie es sind, die die Referenten mit konkreten Praxisfragen löchern. Zumindest zur Kontaktpflege und Entscheidungsfindung mit Blick auf die berufliche Zukunft ist die Teilnahme aber auch für Referendare interessant.

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Jens Kahrmann, Das Einmaleins des Berufseinstiegs für Anwälte: Zwischen Pressemitteilung und Gebührenordnung. In: Legal Tribune ONLINE, 12.03.2013, http://www.lto.de/persistent/a_id/8300/ (abgerufen am 31.10.2014)

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Kommentare

13.03.2013 13:06
Das Forum Start in den Anwaltsberuf ist immer wieder eine Teilnahme wert, zumal wenn es am traumhaften Timmedorfer Strand stattfindet. Forumsmitglieder koennen die Seminarunterlagen hier downloaden:
http://www.davforum.de/ueber-uns/berufseinsteigerseminare/
Ilona CosackVistenkarte Auf diesen Kommentar antworten

13.03.2013 15:02
Der Artikel ist unvollständig. Ich selbst habe nämlich als fortgeschrittener selbständiger Rechtsanwalt innerhalb der vergangenen 4 Jahre die sehr schöne Erfahrung machen dürfen, dass es nicht nur für Berufsstarter, wie hier dargestellt, eine ausserordentliche Bereicherung ist oder zumindest sein kann, an einer der Veranstaltungen des Forums "Start in den Anwaltsberuf" teilzunehmen. -
Anmerkung (mal ganz ehrlich): Der "Start in den Anwaltsberuf" findet jeden Tag statt, wenn ein Anwalt seine Kanzlei betritt, spätestens jedoch dann, wenn er seriöserweise regelmässig seine eigene Situation auf den Prüfstand gestellt hat und zu dem Ergebnis kommt, als Anwalt weiterzumachen.
Gunther Marko
D-72172 Sulz am Neckar, Mittwoch, 13. März 2013, 15 Uhr 03.
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