Backende Anwältin: Der Hunger kommt beim Bloggen

Nach einem langen Tag in der Kanzlei schnell eine Tiefkühlpizza: Das kommt Mara Hörner nicht in den Ofen. In dem wäre neben veganen Apfelmuffins, karibischem Bananenkuchen oder Erdbeerscones oft auch gar kein Platz: Für ihren Foodblog kreiert die Heidelberger Anwältin nach Feierabend fast täglich neue Rezepte. Ein aufwendiges Hobby mit leckerem Nebeneffekt.

 

LTO: Frau Hörner, Ihr Blog trägt den Namen "Life is full of Goodies". Wenn ich auf Ihre Startseite klicke, erscheinen dort vor zartrosa Hintergrund zahlreiche Fotos von Keksen, Kuchen und Schoko-Lollies. Sind das die Goodies?

Mara Hörner: Das sind einige meiner Goodies, richtig. Rezepte für extrem kalorienreiche Backwaren werden auf meinem Blog eben am liebsten angeklickt! Aber genauso gibt es bei mir Rezepte für gesunde Gerichte und Anleitungen für Goodies, die nicht in der Küche entstanden sind. Ich pflanze zum Beispiel mein eigenes Gemüse an oder dekoriere mein Haus mit Selbstgemachtem. Über all diese Projekte schreibe ich auch. Kurz: Goodies sind alle großen und kleinen Dinge, an denen ich mich im Alltag erfreuen kann.

LTO: Auch wenn Ihre aufwändig dekorierten Torten einen anderen Eindruck machen: Hauptberuflich sind Sie nicht Konditorin, sondern Rechtsanwältin. Wie kamen Sie auf die Idee, neben Ihrer Arbeit in der Kanzlei einen eigenen Foodblog aufzubauen?

Mara HörnerHörner: Gebacken und gekocht habe ich schon immer gerne. Und vor allem gegessen! Schon als kleines Kind gab es nichts Besseres als Omas selbstgemachte Dampfnudeln. Weil ich gerne experimentiere, probiere ich viele Rezepte aber nur einmal aus. An die ein oder andere gelungene Kreation konnte ich mich allerdings schon bald nicht mehr erinnern, weil ich sie nicht aufgeschrieben hatte. Mein Blog war daher zuerst als eine Art Online-Rezeptsammlung gedacht. Ich hatte mir vorgenommen: Du ziehst das Bloggen jetzt ein Jahr lang durch, dann schaust du weiter.

"Statt die Nacht durchzutanzen, backe ich bis ein Uhr morgens"

LTO: Heute ist Ihr Blog doch etwas mehr als eine private Rezeptesammlung. Seit anderthalb Jahren laden Sie dort zwei bis drei neue Anleitungen pro Woche hoch. Mal ehrlich: Haben Sie wirklich alle Rezepte auf Ihrem Blog selbst nachgebacken? Und wenn ja – wann?

Hörner: Na klar! Darum geht es ja. Dafür geht’s oft abends nach der Arbeit auf direktem Weg in die Küche. Statt am Freitag die Nacht durchzutanzen, backe ich dann eben bis ein Uhr morgens. Manchmal stehe ich auch am Wochenende schon um sieben Uhr auf, um ganz in Ruhe am Herd zu werkeln. Dann backe ich aber nicht nur ein Rezept, sondern probiere gleich drei, vier neue Sachen aus. Dadurch habe ich eine kleine Auswahl an Beiträgen für den Blog als Vorrat angesammelt.

LTO: Das klingt ziemlich zeitaufwendig.

Hörner: Das ist es auch. Fünf, sechs Stunden kostet ein Blogbeitrag im Schnitt sicherlich: Erst überlege ich mir, worüber ich bloggen möchte, kaufe ein oder stöbere im Kühlschrank nach den Zutaten, dann kommen Mixer und Rührschüssel zum Einsatz. Wenn das Resultat aus dem Ofen kommt, fotografiere ich es. Das führt übrigens manchmal dazu, dass meine Gäste kurz auf ihr Stück Kuchen warten müssen, weil ich eine halbe Stunde nach der passenden Einstellung und dem richtigen Licht suche. Dann sortiere ich die besten Bilder für den Blog heraus und bearbeite sie, tippe das Rezept ab und schreibe meinen Blogpost. Der wird dann hochgeladen und mit den sozialen Medien verlinkt.

Von Avocadoschaum bis Zitrus-Panna Cotta

LTO: Zu diesem straffen Programm können Sie sich am Sonntagmorgen um sieben Uhr motivieren?

Hörner: Sicher, denn für mich ist das Bloggen keine Arbeit, sondern ein toller Ausgleich zu meinem Beruf als Anwältin – auch wenn es mittlerweile tatsächlich so viel Zeit in Anspruch nimmt wie ein Nebenjob. Aber ich muss zugeben: nachdem ich eine Weile gebloggt hatte, habe ich einen ziemlichen Ehrgeiz entwickelt. Ich will meinen Lesern schließlich regelmäßig neue Ideen liefern und freue mich dann ungemein, wenn sie mir liebe Kommentare unter meinen Rezepten hinterlassen oder Fotos von einem Kuchen schicken, den sie nach meinem Rezept gebacken haben.

LTO: Wir haben mal nachgezählt: rund 150 Rezepte haben Sie schon auf Ihrem Blog veröffentlicht – von Avocadoschaum auf Kürbissuppe bis Zitrus-Panna Cotta mit flambiertem Orangenkompott und Buttermilch-Mousse. Woher nehmen Sie die Ideen für Ihre Kreationen?

Hörner: Die kommen von ganz allein, da reicht manchmal schon ein Blick in den Kühlschrank. Oder ich überlege mir, worauf ich selbst gerade Lust habe. Wenn ich eine Zeit lang viel Süßes gebacken habe, mache ich mal wieder was Salziges. Und falls mir die Ideen doch mal ausgehen sollten, kann ich immer noch in eines meiner über 100 Kochbücher oder einen der 20 Ordner voll gesammelter Rezepte gucken. Die stapeln sich in meinem privaten Büro mittlerweile, direkt neben den Jurabüchern aus dem Studium.

"Die Foodbloggerin in mir ist allgegenwärtig"

LTO: Apropos Jura, wird beim Bloggen auch mal die Anwältin in Ihnen aktiv?

Hörner: Hin und wieder schon. Vor kurzem habe ich bei einem bekannten Online-Magazin ein Rezept von mir samt meinem Foto entdeckt – ohne meine Erlaubnis und ohne Hinweis auf mich als Urheberin. Da werde ich schon mal sauer und schreibe eine Rechnung, und eine Abmahnung mit Kostennote könnte man sicherlich ebenfalls gleich mitschicken.

LTO: Und andersherum: ist die Foodbloggerin in Ihnen auch bei der Arbeit in der Kanzlei präsent?  

Hörner: Die Foodbloggerin in mir ist allgegenwärtig, in der Kanzlei aber meist still und leise. Vor einem halben Jahr habe ich beim Perfekten Dinner auf Vox mitgekocht und täglich darüber gebloggt. Damals wurde ich im Büro das eine oder andere Mal auf mein Hobby angesprochen. Manchmal bringe ich auch Kuchen oder Kekse mit. Die Kollegen sind dankbare Abnehmer!

LTO: Klingt, als ließe sich das Foodbloggen gut mit ihrem Job als Anwältin vereinen.

Hörner: Alles eine Frage des Willens, der Organisation und des Zeitmanagements. Übrigens: vor kurzem habe ich mir extra einen Plätzchenausstecher in Paragraphenform gekauft. Damit werde ich dieses Jahr meine Weihnachtskekse backen.

Mara Hörner ist Rechtsanwältin und führt einen Foodblog unter www.lifeisfullofgoodies.com

Das Interview führte Anna-Katharina Bernzen.

Zitiervorschlag

Anna K. Bernzen, Backende Anwältin: Der Hunger kommt beim Bloggen. In: Legal Tribune Online, 22.10.2014, http://www.lto.de/persistent/a_id/13553/ (abgerufen am: 23.08.2016)

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Kommentare
  • 23.10.2014 16:30, Whatlauriloves

    Eine tolle Idee - ich blogge selbst neben meinem Job als Anwältin in einem Konzern über fashion und food. Mich würde brennend interessieren, wo die Plätzchenausstecher in Paragraphenform zu kaufen sind!

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 27.10.2014 19:34, Mara

      Hi Whatlauriloves!
      Habe deinen Kommentar eben erst gesehen! Mein Paps hat mich darauf aufmerksam gemacht und hat prompt heute extra noch einen Ausstecher gekauft!
      Schreib mir doch mal über den Blog!!!
      Bis dahin liebe Grüße
      Mara

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