Blackberry OS 6 und Blackberry Torch
Die neue Brombeeren-Ernte
24.11.2010

Bild: RIM.com
Praktisch, aber nicht sexy. Das ist das Image, das Blackberrys schon immer anhaftet. Das hat vor allem mit dem Hype rund um das iPhone zu tun: Das Apple-Smartphone zieht eben alle Blicke auf sich. In der Geschäftswelt erfreuen sich die Modelle des kanadischen Herstellers "Research in Motion" (RIM) aber nach wie vor großer Beliebtheit. Oder kennen Sie viele Leute mit Dienst-iPhones?
Der Hauptunterschied liegt in den Bedienkonzepten: Blackberry-User schwören auf ihre bewährte physische Tastatur, iPhone-Besitzer fummeln auf dem Touchscreen herum. Der Versuch, mit dem Blackberry Storm ein Handy mit berührungsempfindlichem Bildschirm auf dem Markt zu platzieren, ging für RIM mächtig daneben. Die Gründe für das Scheitern sind vielfältig, haben aber vor allem mit der Software zu tun: Ein Touchscreen-Smartphone benötigt eben ein maßgeschneidertes Bedienkonzept.
Aufgeräumte Oberfläche
Mit dem neuen Betriebssystem "Blackberry 6" soll der Neustart gelingen. Ziel der RIM-Entwickler war es, die Business-Handys zugänglicher zu machen, ohne dabei an Tiefgang zu verlieren. Kurz gesagt: Blackberrys sollen viel leisten, dürfen aber ruhig auch Spaß machen.
Blackberry 6 ist zwar keine Revolution, aber ein großer Schritt nach vorne. Traditionalisten seien beruhigt: Es ist und bleibt ein Blackberry. Bisherige Nutzer werden sich sofort zurechtfinden. Schließlich ist das Betriebsystem keine völlige Neuentwicklung (wie etwa Windows Phone 7), sondern ein gründliches Neudesign der bestehenden Software. Das zeigt besonders das aktualisierte Interface, das auch für Touch-Bedienung ausgerichtet ist. Sämtliche Funktionen, Anwendungen und Kontakte sind nun auf fünf Kategorien unterteilt: Alle, Favoriten, Medienzugriff, Downloads und Häufig.
Die Größe der eingeblendeten Fenster kann verändert werden: In der Minimalansicht sind vier Icons am unteren Bildrand zu sehen, die Symbol-Übersicht kann aber auch bildschirmfüllend aufgezogen werden. Besonders interessant ist der Menüpunkt "Häufig": Wie der Name schon sagt, werden dort alle besonders oft genutzten Programme und Daten verknüpft, was sich in der Praxis als sehr bequem erweist. Gleiches gilt für die neue Suchfunktion, mit der man das gesamte Handy, also Daten wie Mails oder Kontakte sowie Anwendungen, durchsuchen kann.
Zeitgemäßes Surfen
Die zweite und wahrscheinlich noch wichtigere Verbesserung betrifft den Browser. Der war, mit Verlaub, bisher eine mittlere Katastrophe: langsam, fehleranfällig und mühsam zu bedienen. Der aktuelle Webbrowser ist eine komplette Neuentwicklung und basiert auf "Webkit", das auch bei iPhone und Android zum Einsatz kommt. Nun lassen sich auch auf dem Blackberry mehrere Browser-Fenster öffnen, außerdem werden Multitouch-Gesten unterstützt und beim Reinzoomen Texte automatisch umgebrochen.
Die E-Mail-Funktionalität mit ihrer speziellen Firmenserver-Struktur war schon immer die Paradedisziplin der Blackberrys. Was nicht kaputt ist, repariert man auch nicht, und so sind die Veränderungen hier nur minimal. Stärker ins Visier wurden dagegen soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter genommen. Auf die greift man nun mit "Social Feed" zu: Diese App vereint zentral die bereits erwähnten Netzwerke sowie Instant-Messenger und RSS-Feeds. Für Gelegenheitsnutzer ist die Anwendung eine gute Sache, wer aber etwa Facebook häufig verwendet, wird die eine oder andere Funktion vermissen. Das ist allerdings nicht besonders tragisch, da man in der "Blackberry App World" genügend maßgeschneiderte Ersatz-Lösungen findet. Insgesamt stehen inzwischen etwa 10.000 dieser Mini-Programme zur Verfügung.
Das erste Modell mit Blackberry 6 ist dieser Tage in den Handel gekommen: Der Blackberry Torch ist ein Touchscreen-Handy mit ausziehbarer (Slider-)Tastatur. In den Tests haben Gerät und neues Betriebssystem hervorragend abgeschnitten. SPIEGEL Online urteilt sogar, dass der Torch "der wohl beste Blackberry, den RIM je gebaut hat" sei.
Zitiervorschlag
Witold Pryjda, Blackberry OS 6 und Blackberry Torch: Die neue Brombeeren-Ernte. In: Legal Tribune ONLINE, 24.11.2010, http://www.lto.de/persistant/a_id/2014/ (abgerufen am 21.05.2012)
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