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Nach manipulierten Abgastests: VW droht Kla­ge­welle in den USA

24.09.2015

Auspuff

Bild: © ruigsantos - fotolia.com

Die Abgas-Affäre von VW zieht immer weitere Kreise. In den USA jagt Berichten zufolge schon eine Zivilklage die nächste - Kanzleien bereiten Sammelklagen in großem Stil vor.

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Steve Berman war sofort zur Stelle. Noch am selben Freitag, an dem sich US-Behörden VW wegen Abgas-Manipulationen vorknöpften, bereitete der Anwalt aus Seattle die erste Sammelklage gegen den deutschen Autoriesen vor. "Wir haben Tausende Anfragen erhalten und antworten, so schnell wir können", erklärte seine Kanzlei Hagens Berman am Donnerstag. Eine zweite Klage sei bereits eingereicht, die dritte folge Ende der Woche. "Sie soll Vertreter aus jedem US-Bundesstaat umfassen."

Als Kläger kommen vor allem VW-Kunden infrage, die sich getäuscht sehen. Die Leute hätten einen Aufschlag gezahlt, weil sie dachten, es handele sich um Autos mit besonders sauberer Technologie, sagt Berman. Aber: "Nicht nur, dass sie nicht bekamen, wofür sie bezahlten - diese Autos waren in Wirklichkeit eine Bedrohung für die Umwelt." VW war für eine Stellungnahme hierzu zunächst nicht zu erreichen.

Sammelklagen in den USA und Kanada

Berman, der bereits den Autokonzernen General Motors und Toyota mit Sammelklagen zu schaffen machte, ist bei weitem nicht der einzige Anwalt, der in den Startlöchern steht. Eine Flut von Sammelklagen in den USA und in Kanada zeichnet sich ab: Nach Informationen des NDR und der Süddeutschen Zeitung sind bereits 37 davon bei US-Gerichten eingegangen, zwei weitere in Kanada.

VW gerät damit immer weiter unter Druck. Wegen der Manipulation von Emissions-Messwerten mit einer speziellen Software, die die Abgasreinigung bei fast einer halben Million Dieselautos allein in den Vereinigten Staaten im Normalbetrieb abschaltete, droht bereits eine Strafe von bis zu 18 Milliarden Dollar durch die US-Umweltbehörde EPA. Der Konzern hat inzwischen eingeräumt, dass es weltweit Unregelmäßigkeiten bei rund 11 Millionen Dieselautos gibt.

Auch strafrechtliche Konsequenzen drohen

Das Justizministerium in Washington soll auch wegen möglicher strafrechtlicher Vergehen ermitteln. Mehrere Bundesstaaten schmieden zudem eine Allianz, die prüft, inwiefern der bereits seit 2009 andauernde Abgas-Schwindel justiziabel sein könnte.

Die Zivilklagen, die Berman und Co. anstrengen, kommen da noch oben drauf und verursachen weitere Kosten. Die Empörung über die Dreistigkeit, mit der VW die Emissions-Tester ausgetrickst haben soll, ist in den USA riesig. Auf Twitter machen schon seit Tagen Besitzer von betroffenen VW-Diesel-Autos ihrem Ärger Luft. "Ich fordere Entschädigung", schreiben viele von ihnen.

Im US-Recht ist es relativ leicht, sich bei solcher Wut im Bauch einer Klage anzuschließen. Für Anwälte sind aussichtsreiche Sammelklagen gegen Großkonzerne lukrativ, sie übernehmen die Fälle häufig gegen eine Beteiligung an den erstrittenen Entschädigungs- oder Vergleichssummen. VW hat gegenüber der EPA bereits ein Fehlverhalten eingeräumt.

Aber es ist noch zu früh, um das gesamte Ausmaß abzuschätzen. Bislang handelt es sich nur um eingereichte Klagen, denen sich andere Kläger anschließen, und die dann als Sammelklagen vor Gericht zugelassen werden müssen. Entscheidungen der Justiz gibt es noch nicht.

Fest steht aber: Auf VW kommt einiges zu. Die Wolfsburger haben mit den Staranwälten von Kirkland & Ellis bereits hochkarätige Verstärkung verpflichtet, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg - auch hierzu schwieg Volkswagen bisher. Die Kanzlei hatte schon den britischen Ölkonzern BP nach der Explosion der Ölplattform "Deepwater Horizon" im Jahre 2010 vertreten.

dpa/mbr/LTO-Redaktion

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Nach manipulierten Abgastests: . In: Legal Tribune Online, 24.09.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/17001 (abgerufen am: 13.09.2026 )

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