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Ehemalige Mitarbeiterin erhebt neue Vorwürfe: Staats­an­walt­schaft ermit­telt nun doch gegen Kar­dinal Woelki

10.11.2022

Rainer Maria Woelki

Laut einer ehemalige Mitarbeiterin von Kardinal Woelki hat dieser frühzeitig von Missbrauchsvorwürfen gewusst. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft. Bild: picture alliance/dpa | Oliver Berg

Es wird eng für Rainer Maria Woelki: Die Staatsanwaltschaft Köln hat ein Ermittlungsverfahren gegen den umstrittenen Kirchenmann eingeleitet. Nun wird der Ruf laut, dass der Kardinal sein Amt vorerst ruhen lassen soll.

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Gegen den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki laufen seit Mittwoch strafrechtliche Ermittlungen. Untersucht werde der Vorwurf der falschen Versicherung an Eides Statt, sagte der Kölner Oberstaatsanwalt Ulf Willuhn. Darauf stehen im Falle einer Verurteilung bis zu drei Jahre Haft oder Geldstrafe. Woelki selbst weist alle Vorwürfe als unberechtigt zurück.

Auslöser für die Ermittlungen ist ein am Mittwoch im Kölner Stadt-Anzeiger veröffentlichtes Interview mit der ehemaligen Assistentin des Personalchefs im Erzbistum Köln, Hildegard Dahm. In dem Interview sagt sie, dass sie Woelki frühzeitig über Missbrauchsvorwürfe gegen den früheren Sternsinger-Chef Winfried Pilz informiert habe. Sie habe es "nicht mehr ausgehalten (...), Dinge aus erster Hand zu wissen, die den öffentlichen Aussagen von Kardinal Woelki widersprechen", sagt die Katholikin. Deshalb habe sie sich dazu entschlossen, an die Öffentlichkeit zu gehen.

Dem 2019 gestorbenen Pilz werden Missbrauchsvorwürfe gemacht. Woelki hat in einem presserechtlichen Verfahren versichert, erst ab der vierten Juniwoche dieses Jahres mit dem Fall befasst worden zu sein. Doch nun sagt Dahm in dem Interview, sie habe bereits im Januar 2015 persönlich eine Excel-Liste für Woelki erstellt mit allen damals aktuellen Missbrauchsfällen. Auf dieser Liste hätten 14 Namen gestanden, darunter der von Pilz. Ihr Chef habe die Liste in ein Gespräch mit Woelki mitgenommen. Hinterher habe sie ihren Chef gefragt, was Woelki zu der Liste gesagt habe. Darauf habe dieser geantwortet: "Das hat den Kardinal überhaupt nicht interessiert."

Erzbistum geht in Offensive

Vom Kölner Stadt-Anzeiger darauf hingewiesen, dass Woelki sage, er sei erst im Juni 2022 mit dem Fall Pilz befasst worden, antwortet Dahm: "Das ist nicht wahr. Mag sein, dass er sich das Blatt mit Pilz und den anderen 13 Namen nicht angeschaut hat. Aber befasst habe ich ihn damit. Ganz eindeutig. Deshalb war ich auch so entsetzt über die Selbstdarstellung des Kardinals in der Öffentlichkeit."

Das Erzbistum Köln ging in einer am Mittwoch veröffentlichten Stellungnahme zur Gegenoffensive über. Woelkis Sprecher sagte, er persönlich habe den Verdacht, dass der Kardinal vor seinem in der nächsten Woche anstehenden Besuch beim Papst in Rom "von interessierten Kreisen noch einmal mit uralten Geschichten, die längst geklärt sind, an den Pranger gestellt werden" solle. Gegen Dahm werde das Erzbistum arbeitsrechtliche Schritte prüfen: "Denn diese hat aus dem sensiblen Bereich der Personalführung berichtet und dafür ihre Vertrauensstellung benutzt. Das ist streng untersagt und das kann kein Arbeitgeber dulden."

Inhaltlich verwies das Erzbistum darauf, dass Dahm in dem Interview selbst gesagt habe, sie sei sich nicht sicher, ob sich Woelki die von ihr erstellte Liste überhaupt angeschaut habe. Woelki habe niemals versichert, dass der Name von Pilz nicht auf einer von wem auch immer erstellten Liste gestanden habe. Vielmehr habe er versichert, dass er dessen Akte nicht gekannt habe.

In diesem Jahr war Woelki bereits mehrfach wegen falscher Versicherung an Eides Statt angezeigt worden. Auf LTO kritisiert Rechtsprofessor Holm Putzke, dass die StA Köln bei einer ähnlichen Strafanzeige im Oktober die Aufnahme von Ermittlungen abgelehnt habe. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft habe die Beweislage nicht ausgereicht. Durch das Interview hat sich das nun geändert.

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Papst hat noch nicht über Woelkis Rücktrittsgesuch entschieden 

Für Woelki wird es nun eng. Der Kirchenrechtler Thomas Schüller sagte der dpa: "Ich hoffe, dass die Ermittlungen zeitnah zu einem Ergebnis führen und dass dann am Ende eine Anklage steht - zum Wohle der Betroffenen, die ein Recht darauf haben zu erfahren, was der Kardinal gewusst hat und was er nicht gewusst hat."

Der oberste Katholik von Bonn, Stadtdechant Wolfgang Picken, sagte, Woelki wäre vermutlich gut beraten, wenn er bis zur Klärung der Vorwürfe seine Amtsgeschäfte ruhen lassen würde, um einer weiteren Eskalation vorzubeugen. Die Ermittlungen ließen sich nur schwer mit der Autorität des Bischofsamtes vereinen.

Der 66 Jahre alte Woelki, der als Erzbischof von Köln das größte katholische Bistum in Deutschland leitet, steht seit Jahren unter Druck. Unter anderem wird sein Umgang mit Missbrauchsvorwürfen kritisiert. Papst Franziskus hatte ihn vor einiger Zeit aufgefordert, ein Rücktrittsgesuch bei ihm einzureichen. Das hat Woelki getan. Der Papst hat bisher aber noch nicht darüber entschieden, ob er es annimmt - stattdessen will er nach eigenem Bekunden warten, bis sich die Lage im Erzbistum Köln beruhigt habe.

Viele Beobachter glauben, dass Franziskus sich vor allem deshalb nicht von Woelki trennen will, weil dieser der profilierteste Gegner des derzeitigen Reformprozesses der deutschen Katholiken, des Synodalen Wegs, ist. Diese Erneuerungsbemühungen werden auch von Franziskus selbst mit äußerster Skepsis verfolgt.

Woelki selbst hat sich bisher immer entschlossen gezeigt, seinen Posten nur dann zu räumen, wenn ihn der Papst abberufen sollte.

dpa/acr/LTO-Redaktion

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Ehemalige Mitarbeiterin erhebt neue Vorwürfe: . In: Legal Tribune Online, 10.11.2022 , https://www.lto.de/persistent/a_id/50135 (abgerufen am: 10.09.2026 )

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