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Groteske Auswüchse der Juristenflut: Biete: An­walts­tä­tig­keit, fordere: 22.000 AU$, zahle: nichts

von Constantin Baron van Lijnden

25.06.2015

Juristenflut

© Syda Productions - Fotolia.com

Es klingt unglaublich, ist aber wahr: Eine australische Kanzlei fordert von Berufseinsteigern 22.000 $ für einen Job – ein garantiertes Gehalt gibt es nicht. Das Überangebot an Juristen sei so groß, dass sich schon viele gemeldet hätten.

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Die frisch gegründete Kanzlei adlawgroup in der australischen Stadt Adelaide will ihre Tore offiziell im Juli öffnen. Doch auch, wenn die Mandanten zunächst ausbleiben sollten, dürfte die Finanzierung fürs Erste gesichert sein. Denn von ihren Associates verlangt sie die stolze Summe von 22.000 australischen Dollar (in etwa 15.000 Euro) ganz einfach dafür, dass sie bei der Kanzlei anheuern dürfen.

Damit nicht genug des Großmuts: Ein garantiertes Gehalt verspricht adlawgroup seinen <del>Leibeigenen</del> Anwälten vorsichtshalber nicht – Zahlungen sollen sie nur erhalten, wenn sie für Mandanten arbeiten. Wer bei ihnen keine direkt mandatsbezogenen Aufgaben zugeteilt bekäme, der werde sich vermutlich nach einem neuen Job umsehen wollen, erklärte Projektmanagerin Tina Hailstone gegenüber der australischen ABC News. "Vermutlich".

Dünn bemäntelte Ausbeutung

Das Angebot, das mehr wie eine Satire auf die Auswüchse des Arbeitsmarktes anmutet, ist durchaus ernst gemeint. "Zu Anfang gab es eine Reihe von Leuten die gesagt haben 'Ja, bitte, wo muss ich unterschreiben?'", so Hailstone. Es gebe nur sehr wenige Möglichkeiten für frisch zugelassene Anwälte, und im Angebot der Kanzlei spiegele sich eben der Aufwand wieder, den es bedeutet, frischen Absolventen eine Chance zu geben.

Auch auf ihrer Homepage macht die Kanzlei keinen Hehl aus ihren Methoden, sondern versucht diese im Duktus jugendlicher Vitalität und Anpassungsfähigkeit zu bewerben. Dort heißt es etwa "The adlawgroup mission is to become a thriving <del>sweatshop</del> hothouse for new legal talent in South Australia". Unter den "core values" sind Hohlphrasen wie "passion and motivation" oder "energy" aufgelistet – die Bereitschaft zur gnadenlosen Selbstausbeutung bedurfte wohl keiner ausdrücklichen Erwähnung.

"Weil wir's können"

Unter der Überschrift "why adlawgroup?" findet sich nicht etwa eine leere Seite, sondern längere Ausführungen über die Lage im australischen Jobmarkt für Anwälte, die letztlich auf eine traurige und im Original etwas selbstgefälliger formulierte Realität hinauslaufen: Man könne sich Methoden des übelsten Manchesterkapitalismus eben schlicht und ergreifend leisten, weil über 2.000 Juraabsolventen aktuell keinerlei greifbare Aussichten auf eine Anstellung hätten und ohne praktische Berufserfahrung auch keine finden würden.

Wenn nicht von wirtschaftlicher Seite, so droht der Kanzlei jedoch juristisches Ungemach. Wie ABC News berichtet, prüft der Ombudsmann für  faire Arbeitsbedingungen aktuell das Angebot der adlawgroup und hat bereits erste Verfahren eingeleitet; eine Sprecherin erklärte, es sei illegal, eine Zahlung für die Einstellung als Mitarbeiter zu fordern. Die Kanzlei will den Start ihres "junior lawyer" Programms nun verschieben, um auf die rechtlichen Bedenken einzugehen.

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Constantin Baron van Lijnden, Groteske Auswüchse der Juristenflut: . In: Legal Tribune Online, 25.06.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/15984 (abgerufen am: 12.01.2026 )

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