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Karrieresackgasse Counsel-Status?: "Einfach mal in Ruhe erfolgreich sein"

von Désirée Balthasar

08.05.2015

Sackgasse

© bluedesign

Der Counsel-Status ist die Sackgasse auf dem Karriereweg. Wer dort landet, wird niemals Partner, und zeigt er noch so viel Einsatz. So zumindest lauten die Vorurteile. Zwei Counsel berichten vom Alltag zwischen Budgetdruck und fehlender Anerkennung, erzählen aber auch von Freiheit und Flexibilität.

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Einst galt die Position des Counsel als die geniale Idee von Kanzleien, um mit einem Wisch alle Nachwuchssorgen loszuwerden. Viele Großkanzleien haben den Status zwischen Associate und Partner eingeführt, um die jüngeren Anwaltsgenerationen anzulocken, die nicht mehr die Partnerschaft als ultimatives Berufsziel anvisieren. Vor allem Berufseinsteiger und jüngere Associates wünschen sich mehr Freizeit und weniger Budgetdruck bei größtmöglicher Freiheit. Die Position des Counsel schien die ideale Alternative zum Vollpartner zu sein.

Doch die Realität sieht anders aus: Viele fühlen sich als Counsel festgefahren, ohne Aussicht auf Weiterentwicklung. Außerdem werde die Arbeit nicht honoriert, selbst wenn die Umsatzerwartungen erfüllt würden, heißt es häufig. In manchen Kanzleien werden Counsel in Fachbereichen eingesetzt, an die man eigentlich nicht mehr glaubt, sie aber auch nicht ganz aufgeben will. Und dort, wo der Counsel theoretisch zur Partnerschaft führen könnte, wird dieses Versprechen oft nicht eingelöst. Was hauptsächlich an den vielfach intransparenten Kriterien des Karrierewegs liegt.

Viel Arbeit, wenig Anerkennung

"Für mich heißt Counsel sein, eigenverantwortlich zu arbeiten und eigenständig Mandate zu akquirieren. Also mit großer Freiheit und Flexibilität zu agieren", sagt Dr. Nicola Ohrtmann (40). Die Vergaberechtlerin war sieben Jahre lang Counsel bei Bird & Bird in Düsseldorf. Die Sozietät hat eine konkrete Umsatzerwartung an den Counsel als angestellten Anwalt.

Persönlich könne man sich in dieser Position gut entfalten, meint Ohrtmann: "Ich beantworte mir die wichtigen Fragen selbst: Wie kann ich mich am Markt positionieren? Welche Vorträge halten? Welche fachliche Nische besetzen? Und ich kann eigenständig beraten. Diese Freiheiten sind mir wichtig." Und diese Freiheiten nutzte Ohrtmann, um ihr Profil zu schärfen. Erst kürzlich wechselte die Vergaberechtlerin zur mittelständischen Kanzlei Aulinger nach Essen. Dort ist sie Salary-Partnerin, versteht die Position aber genau wie die des Counsels zuvor bei Bird & Bird.

Ohrtmanns Definition klingt so gar nicht nach Abstellgleis, sondern nach großer Freiheit und Entfaltung. Stimmt dieser Eindruck? "Das kommt ganz darauf an, wie es in der Kanzlei gelebt wird und wie der zuständige Partner damit umgeht", sagt die Anwältin. Bei Bird & Bird waren es strukturelle Probleme, weshalb die Vergaberechtlerin ihre Counsel-Position nicht bis zum Ende ihres Berufslebens genießen konnte.

Sieben Jahre ohne Gehaltserhöhung

"Die Kosten einer Großkanzlei wie Bird & Bird sind enorm. Die vorgegebenen Stundensätze passen nicht zur Kostenrealität der öffentlichen Hand", erzählt Ohrtmann. "Ein Grund, mich für Aulinger zu entscheiden, war daher die Tatsache, dass ich hier auf schlankeren Kostenstrukturen aufsetze und Vergütungsmodelle entwickeln kann, die sich am konkreten Mandat orientieren." Ein weiterer Grund für den Wechsel war der Wunsch Ohrtmanns, sich nicht mehr ausschließlich dem Vergaberecht zu widmen, sondern mehr Compliance-Beratung anzubieten.

Und letztlich gibt es auch einen persönlichen Grund: "Ich habe mich seit meinem ersten Kind vor sieben Jahren dafür entschieden, in Teilzeit zu arbeiten. Und seit sieben Jahren habe ich mich bei Bird & Bird gehaltsmäßig nicht weiterentwickelt." Hierin liegt die Krux des Counsels: Einerseits hat man viele Freiheiten, akquiriert eigenständig Mandate und bildet Nachwuchsjuristen aus; andererseits haben viele das Gefühl, dass ihre Arbeit nicht angemessen honoriert wird. Den Grund sieht Ohrtmann in der Erwartungshaltung an den Counsel: "Es sollte eigentlich heißen: weniger Gehalt für weniger Verantwortung. Stattdessen sieht die Realität oft so aus: weniger Gehalt für dieselbe Verantwortung wie ein Vollpartner. Aber das macht keinen Sinn."

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  • Seite 1:

    Viel Arbeit, wenig Anerkennung

  • Seite 2:

    Gutes Modell, jedoch noch nicht ausgereift

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Désirée Balthasar, Karrieresackgasse Counsel-Status?: . In: Legal Tribune Online, 08.05.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/15473 (abgerufen am: 13.04.2026 )

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