Druckversion
Samstag, 18.07.2026, 07:10 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/feuilleton/f/trendgewuerz-baerlauch-wenn-seltenes-kraut-zum-mainstream-wird
Fenster schließen
Artikel drucken
32

Trendgewürz Bärlauch: Wenn seltenes Kraut zum Mainstream wird

von Andrea Himmelstoß

23.04.2010

Bärlauch-Blätter und Bärlauch-Öl

© Twilight_Art_Pictures - fotolia.com

Seine Blätter erinnern an Maiglöckchen, sein Geruch an Knoblauch, und seine heilende Wirkung war schon im Mittelalter bekannt und geschätzt: der Bärlauch. Seit einigen Jahren erlebt er als Gemüse und Gewürz eine Renaissance. Doch langsam droht aus dem neuen Trend ein Mainstream zu werden.

Anzeige

Es ist noch gar nicht so lange her, da kannten nur wenige Eingeweihte die krautige Pflanze, der seit einiger Zeit landauf, landab Küchenchefs und Hobbyköche zu Füßen liegen. Manche sogar wortwörtlich. Denn was ist authentischer, als sich die Trend-Würze direkt aus dem Wald zu holen? Kein Wunder, dass der Siegeszug des Bärlauchs durch die deutschen Küchen die Naturschützer auf den Plan rief: Von jeder Pflanzen solle man doch bitte nur einen Stengel ernten, empfiehlt der Naturschutzbund Deutschland.

Ein wenig Zurückhaltung ist aber nicht nur aus Umweltschutzgründen angebracht. Muss wirklich alles nach Bärlauch schmecken? Bärlauchsuppe, Bärlauchpesto - gut. Aber wenn das Kraut im gemischten Salat ebenso wie in Schupfnudeln, in Gnocchi wie in der Quiche seine Heimat gefunden hat, wenn er den Gourmet wirklich allüberall mit seinem Aroma begrüßt, dann hat er einen Status erreicht, der selbst den besten Geschmack zum Mainstream der Langeweile verkommen lässt.

Der Bärlauch ist kein Einzelfall. Immer wieder überschwemmen Geschmackswellen die Küchen jedes Niveaus.

"In den 70er Jahren machten die Töpfe hierzulande mit dem Knoblauch intensive Bekanntschaft. Seit Jahrhunderten war er den Menschen vertraut, doch dann wurde er zum Küchenstar", sagt Heinzrolf M. Schmitt, der viele Jahre das "Goldene Posthorn" in der Nürnberger Altstadt betrieb, das damals den ersten Michelin-Stern nach Deutschland holte. "Der unangenehme Geruch wurde zwar nicht wirklich salonfähig, aber zunehmend geduldet. Wer am nächsten Tag einen Termin hatte, verzichtete." Aber an allen anderen Tagen stellte der Knoblauch unter Beweis: Wir sind weltoffen. Wir liegen im Urlaub nicht nur am Strand und sehnen uns nach Eisbein, nein, wir greifen gern die kulinarischen Anregungen anderer Kulturen auf.

Weniger Mode, mehr Kochkunst

Und natürlich erkannte man bald: Knoblauch ist gesund. So gesund, dass er sogar den Titel der Arzneipflanze des Jahres ergatterte. Doch das war erst 1989, als eigentlich schon ein neuer Trend die Gourmets in Verzückung versetzte. Die Kräuter der Provence. "Die Mischung aus Lavendel, Lorbeer, Oregano, Rosmarin, Salbei und Thymian hielt in ländlich-romantischen Tontöpfen Einzug in die modernen Küchen der Republik", erinnert sich Heinzrolf M. Schmitt.

Vorausschauende Gourmets hoffen, dass nicht schon wieder die nächste Welle vor der Tür steht. Der Nürnberger Privatkoch Stefan Wagner etwa, der Anfang der 90er Jahre in Eckart Witzigmanns Restaurant "Aubergine" kochte, wäre froh, wenn in Zukunft seine Devise "Einfach ist mehr" das Kochen stärker beeinflussen würde - und weniger ein bestimmtes Gewürz oder Kraut. "Für mich besteht die Kunst des Kochens darin, den Charakter eines Grundprodukts - sei es Fleisch, sei es Fisch - hervorzuheben", so Wagner, "denn der wahre Gourmet, der vieles probiert hat, schätzt am Ende das Einfache".

Die Autorin Andrea Himmelstoß lebt als freie Journalistin und Texterin in Fürth. Sie ist Verfasserin zahlreicher Beiträge und Ratgeber u. a. zu den Themen Essen & Trinken, Reise und Wellness.

Anzeige
  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

Andrea Himmelstoß, Trendgewürz Bärlauch: . In: Legal Tribune Online, 23.04.2010 , https://www.lto.de/persistent/a_id/32 (abgerufen am: 18.07.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
logo lto karriere
TopJOBS
Wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ter (m/w/x) für den Be­reich Li­fe Sci­en­ces

Covington & Burling LLP, Frank­furt am Main

Logo von Mayer Brown LLP
RECHTS­AN­WALT (W/M/D) IM BE­REICH BAN­KING & FI­NAN­CE IN FRANK­FURT AM...

Mayer Brown LLP, Frank­furt am Main

Re­fe­ren­da­re (m/w/x) für den Be­reich Ar­beits­recht

Covington & Burling LLP, Frank­furt am Main

Logo von Wolters Kluwer
Ju­rist als Pro­dukt­ma­na­ger Print & On­li­ne (m/w/d)

Wolters Kluwer, Hürth

Logo von Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.
Voll­ju­rist*in als Re­fe­rent*in für Grund­sat­z­fra­gen

Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V., Mün­chen

Logo von Frankfurter Sparkasse
Be­ra­ter (w/m/d) für Te­s­ta­ments­voll­st­re­ckung, Nach­lass­ab­wick­lung und...

Frankfurter Sparkasse, Frank­furt am Main

Re­fe­ren­da­re (m/w/x) für den Be­reich Li­fe Sci­en­ces

Covington & Burling LLP, Frank­furt am Main

Logo von O&W Rechtsanwaltsgesellschaft mbH
Wirt­schafts­ju­rist/in für Fach­re­dak­ti­on (m/w/d)

O&W Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, Ham­burg

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Green Claims: Umweltaussagen rechtssicher gestalten

28.07.2026

EU AI Act Compliance im Griff – Schritt für Schritt zur Umsetzung

28.07.2026

Wie Sie Ihr Legal & Regulatory Monitoring in ein proaktives Frühwarnsystem verwandeln

30.07.2026

Logo von Hengeler Mueller
Chancen@Hengeler Stipendium 2026

01.10.2026

Spezielle Testamentsklauseln und ihre Verwendung in der Praxis

03.08.2026

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH