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Aussage des früheren CEO im Wirecard-Prozess: Braun weist alle Ankla­ge­punkte zurück

13.02.2023

Markus Braun

Markus Braun im Gerichtssaal der JVA Stadelheim vor seiner ersten Aussage im Wirecard-Prozess. Bild: picture alliance / SVEN SIMON | Frank Hoermann / SVEN SIMON

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat der ehemalige Wirecard-Vorstandschef Markus Braun einen Milliardenbetrug mitzuverantworten. Braun selbst beteuert vor Gericht seine Unschuld.

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"Ich hatte keinerlei Kenntnisse von Fälschungen oder Veruntreuungen", sagte Markus Braun am Montag im Münchner Wirecard-Prozess und wies sämtliche Vorwürfe der Anklage zurück. Er habe sich auch mit niemandem zu einer Bande zusammengeschlossen, betonte der 53-Jährige am 13. Prozesstag in seiner ersten Stellungnahme seit Beginn des Verfahrens im Dezember. 

Mit seinen Angaben widerspricht Braun auch dem Kronzeugen der Staatsanwaltschaft, der seinen einstigen Vorstandsvorsitzenden im bisherigen Prozessverlauf schwer beschuldigt hat. Der Kollaps des einstigen Dax-Konzerns im Juni 2020 sei für ihn "ein echtes Schockerlebnis" gewesen, betont der österreichische Manager. "Der 18.6. ist auch heute noch für mich ein Tag des tiefsten Bedauerns" - äußerte Braun im Hinblick auf den Schicksalstag, an dem der Wirecard-Vorstand einräumen musste, dass 1,9 Milliarden Euro nicht auffindbar sind. 

Es folgten die Insolvenz und für Braun die Untersuchungshaft. Seit über zweieinhalb Jahren sitzt der Manager im Gefängnis. Abgesehen davon hat Braun nahezu sein gesamtes Vermögen verloren, das er zum allergrößten Teil in Wirecard-Aktien angelegt hatte. Die 1,9 Milliarden Euro waren angeblich auf Treuhandkonten in den Philippinen verbucht und werden bis heute vermisst. "Tiefes Bedauern" spricht Braun auch Aktionären und seinen ehemaligen Mitarbeitern in dem mittlerweile vom Insolvenzverwalter weitgehend abgewickelten Unternehmen aus.

Braun schildert seine Sicht der Geschehnisse

In dem bunkerartigen unterirdischen Gerichtssaal der JVA München-Stadelheim will Braun die Wirecard-Geschichte von Anfang an erzählen und tritt dabei sachlich und seriös auf. Der Wirtschaftsinformatiker arbeitete seit Anfang der 2000er Jahre bei Wirecard. Das damals noch kleine Unternehmen verdiente nach Brauns Worten sein Geld hauptsächlich mit Kommissionsgebühren bei der Abwicklung von Kreditkartenzahlungen im Internet für Adult-Angebote - zu Deutsch Pornografie - und Glücksspiel.

Braun wandelte Wirecard in einen börsennotierten Konzern um, Höhepunkt des kometenhaften Aufstiegs als deutsches Technologiewunder war 2018 die Aufnahme in die Dax-Oberliga der Frankfurter Börse. Dort war Wirecard zeitweise über 20 Milliarden Euro wert, und Braun als größter Aktionär steinreich geworden. Laut Anklage beruhte der Aufstieg auf Lug und Trug. Die Münchner Staatsanwaltschaft wirft Braun, seinen beiden Mitangeklagten und mehreren weiteren Beschuldigten gewerbsmäßigen Bandenbetrug vor. Sie sollen Umsätze in Milliardenhöhe erfunden, die Bilanzen gefälscht und die Kreditgeber des Unternehmens um über drei Milliarden Euro geprellt haben.

Die erfundenen Gewinne wurden demnach als Erlöse sogenannter Drittpartner verbucht. Diese wickelten im Wirecard-Auftrag Zahlungen in Ländern ab, in denen der bayerische Konzern selbst keine entsprechende Lizenz hatte. Der allergrößte Teil dieser Geschäfte soll frei erfunden gewesen sein, ohne Scheingeschäfte hätte Wirecard laut Anklage Verluste geschrieben.

Braun bestreitet keineswegs, dass es Kriminelle im Unternehmen gab, aber er ahnte nach eigenen Worten nichts von den Manipulationen. Er sei davon ausgegangen, dass sowohl das Drittpartnergeschäft als auch die Erlöse daraus "voll existent" gewesen seien. "Ich hatte keine Kenntnis, dass diese Gelder veruntreut wurden."

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"Glücksgriff" Marsalek soll Schlüsselrolle gespielt haben

In dem Prozess steht Angeklagter gegen Angeklagten, denn als Kronzeuge der Staatsanwaltschaft tritt der bis 2020 in Dubai für Wirecard tätige Manager Oliver Bellenhaus auf. Er hat Braun im bisherigen Prozessverlauf schwer beschuldigt. Bellenhaus zufolge war Braun ein alles dominierender Chef, der in den Milliardenbetrug voll eingebunden war und alles wusste.

Braun geht im ersten Teil seiner Stellungnahme noch nicht darauf ein, wer die Täter gewesen sein, wer die Wirecard-Bande geführt haben könnte. Brauns Verteidiger haben den Kronzeugen Bellenhaus als "professionellen Lügner" attackiert. Eine Schlüsselrolle bei Wirecard spielte der seit 2020 untergetauchte Vertriebschef Jan Marsalek, das wird bereits zu Beginn von Brauns Vortrag deutlich.

"In der gesamten Gruppe waren viele talentierte junge Menschen, aber Marsalek ist wirklich herausgestochen", berichtet Braun. "Gefühlt war Marsalek damals ein Glücksgriff". In den kommenden Tagen und Wochen muss Braun sich auf Fragen des Gerichts einstellen.

dpa/sts/LTO-Redaktion

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Aussage des früheren CEO im Wirecard-Prozess: . In: Legal Tribune Online, 13.02.2023 , https://www.lto.de/persistent/a_id/51048 (abgerufen am: 15.10.2026 )

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