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Nachwuchssorgen in der Thüringer Justiz: Zahl der Jura­stu­die­renden geht zurück

30.08.2023

Zwei Studierende im größten Hörsaal des Abbe-Campus der Uni Jena

An der Universität Jena geht die Zahl Jurastudierenden zurück. Da es in dem Land keine weitere Jura-Fakultät gibt, gerät die Justiz auch deshalb in Personalnot. Foto: Jan-Peter Kasper (Universität Jena)

Der Fachkräftemangel in der Justiz zeichnet sich in manchen Bundesländern bereits anhand der Zahlen fürs Jurastudium ab: In Thüringen kann man nur noch an einer Uni Jura studieren – und an der gehen auch noch die Studierendenzahlen zurück.

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Gerichten und Staatsanwaltschaften in Thüringen fehlt es auch aus Sicht des Thüringer Richterbunds an Fachkräften. "Die Nachwuchsgewinnung, das ist unser Kernproblem", sagte der Landesvorsitzende Holger Pröbstel nun. Lange Arbeitszeiten, schlechte Ausstattung und deutlich attraktivere Bezahlung in der Wirtschaft nannte Pröbstel als Gründe, weshalb Volljuristinnen und -juristen sich gegen die Arbeit etwa als Richterin oder Staatsanwalt entschieden.

Zudem böten andere Bundesländer bessere Besoldung bei geringerem Arbeitspensum. Dabei brauche die Justiz neue Fachkräfte, schon allein mit Blick auf die erwartete große Pensionierungswelle, die insbesondere die neuen Bundesländer betreffen wird. Die Nachwuchsgewinnung sei deshalb auch Thema bei der Jahresversammlung des Thüringer Richterbunds am Mittwoch, sagte Pröbstel.

"Das Problem beginnt aber schon damit, dass die Studierendenzahlen rapide zurückgehen", so Pröbstel weiter. Das bestätigt auch die Uni Jena: Die Hochschule ist die einzige in Thüringen, an der man noch Jura studieren kann. Seit dem Wintersemester 2018/19 (1.427 eingeschriebene Jurastudierende) geht die Zahl der an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät Eingeschriebenen kontinuierlich zurück, im vergangenen Wintersemester zuletzt auf insgesamt 1.313 Jurastudierende.

Thüringen liegt im allgemeinen Negativtrend

Mit diesen Problemen steht Thüringen aber nicht alleine da. Wie aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes und Berechnungen des Centrums für Hochschulentwicklung hervorgeht, sinkt die Studierendenzahl für den Studiengang Rechtswissenschaft (Staatsexamen) bundesweit. Das betrifft sowohl die Gesamtzahl der für Jura Immatrikulierten als auch die Ersteinschreibungen: Waren es im Wintersemester 2020/21 noch 15.159 Studienanfängerinnen und -anfänger in Jura, verkleinerte sich diese Zahl um fast 1.000 Personen auf 14.283 im Wintersemester 2021/22.

Wie Ende Juli bekannt wurde, ist auch die Zahl der Absolventinnen und Absolventen rückläufig. Im Jahr 2021 (das sind die aktuellsten Zahlen) haben 8.730 Studierende erfolgreich die Erste Juristische Prüfung absolviert. Die Zahl der erfolgreichen Prüflinge ist damit gegenüber dem Vorjahr 2020 (9.028) erneut leicht zurückgegangen.

An der Uni Jena sucht man derweil nach Gegenstrategien. Um einem noch stärkeren Rückgang entgegenzuwirken, sei es dort mittlerweile sogar möglich, im Sommersemester für Jura immatrikuliert zu werden, teilte ein Sprecher der Uni mit.

Aktuell sind in der Thüringer Justiz nach Angaben des zuständigen Ministeriums 689 Richter und Staatsanwälte auf Lebenszeit und 134 auf Probe beschäftigt. Bis ins Jahr 2033 werden 415 davon in den Ruhestand gehen. Auch mit diesen altersbedingten Personalsorgen steht die Thüringer Justiz bundesweit nicht allein da.

dpa/mk/LTO-Redaktion

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Nachwuchssorgen in der Thüringer Justiz: . In: Legal Tribune Online, 30.08.2023 , https://www.lto.de/persistent/a_id/52595 (abgerufen am: 17.01.2026 )

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