Druckversion
Dienstag, 17.02.2026, 09:47 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/feuilleton/f/rechtsgeschichte-unesco-gedenktag-zum-sklavenhandel
Fenster schließen
Artikel drucken
16682

Sklavenrecht: Mensch als Eigentum

von Martin Rath

23.08.2015

Sengbe Pieh, Anführer beim Aufstand auf der "Amistad" (Porträt von 1839) von Nathaniel Jocelyn (1796-1881)

Bild: wikipedia.org

Welchen Sinn ergibt ein Gedenktag zum Sklavenhandel? Der Versuch der Vereinten Nationen und ihrer Tochterorganisationen, dem Kalender durch alle erdenklichen Gedenktage höhere Weihen zu verleihen, wirkt manchmal etwas komisch.

Anzeige

So dürfen sich beispielsweise am 21. Juni jedes Jahres gelangweilte Hausfrauen und ihre Gymnastiklehrer am "Internationalen Tag des Yoga" erfreuen, die Letzteren dürfen sich noch einmal am 5. Oktober über die Aufmerksamkeit der Welt freuen, wenn der "Welttag der Lehrerin und des Lehrers" im Kalender steht.

Der 23. August als "Internationaler Tag der Erinnerung an Sklavenhandel und dessen Abschaffung" ist weniger albern, eigentlich gehört er in den juristischen Dienstkalender. Denn die Abschaffung des Sklavenhandels beruht auf einem der nicht allzu zahlreichen normativen Sätze, die weltweit Geltung beanspruchen. Das Sklavereiverbot wird zum völkerrechtlichen ius cogens gezählt, zum zwingenden Völkerrecht.

Juristinnen und Juristen dürfen sich am 23. August jeden Jahres aber nicht nur über das neue Rechtsinstitut freuen, sondern auch eines Rechtsgebiets gedenken, das ihnen im 19. und 20. Jahrhundert abhandenkam.

Einige Rechtsprobleme der Sklaverei: Amistad

Zu den berühmtesten sklavenrechtlichen Fällen zählt der Streit um die Eigentumsverhältnisse an jenen Menschen, die am 26. August 1839 von einem Kutter des US-amerikanischen Zolls vor der Küste von New York aufgebracht wurden. Ihr Schiff, "La Amistad", gab 1997 dem Film Steven Spielbergs seinen Namen, in dem ein Teil ihrer Geschichte erzählt wurde.

Die juristischen Verwicklungen betrafen das Verhalten von und die Eigentumsrechte an zuletzt 39 Personen, gebürtig in Westafrika, sowie eines Sklaven namens Antonio, der in dieser oft erzählten Rechtsgeschichte gern vergessen wird, weil mit seinem Anliegen kein Staat zu machen war, nur doppelbödige Moral.

Das Wort "Verwicklung" trifft auf den Fall Amistad so gut wie selten, wenn es auch zunächst um einen schlichten Vorgang der Selbstbefreiung ging: Im Juli 1839 übernahmen 49 Männer, Frauen und Kinder, die an Bord des Schoners Amistad als menschliche Fracht in den Gewässern der spanischen Kolonie Kuba transportiert wurden, die Gewalt über das Segelschiff. Der Kapitän und der Schiffskoch sowie zwei der Frachtraum-Insassen kamen dabei zu Tode. Den persönlichen Sklaven des Kapitäns, Antonio, sowie zwei Besatzungsmitglieder, von denen sich die bis hierher Gefangenen Hilfe bei der Navigation nach Afrika versprachen, ließen die Meuterer am Leben.

Wer wird hier gleich von Verbrechern reden

Beim Wort "Meuterer" zuckt der innere Strafverteidiger auf, denn die Frage, ob es sich um eine Meuterei handelte, war eine der Rechtsfragen, die vor US-amerikanischen Gerichten verhandelt wurden, nachdem das Schiff im August 1839 vor der nordamerikanischen Küste aufgebracht worden war. Die Navigationshilfe hatte sich als unzuverlässig erwiesen.

Verwickelt wurde es nun, das erzählt auch Spielberg in seinem Film vergleichsweise akkurat,  durch die Vielzahl der juristischen und politischen Akteure und in Betracht kommenden Anspruchsgrundlagen. So meldete nicht nur die spanische Krone als Inhaberin der menschlichen Fracht und flaggenführender Staat Rechte an. Offiziere des Zollkutters beanspruchten auf seerechtlicher Grundlage ("admirality law"), für ihre Bemühungen um die Bergung der Amistad entlohnt zu werden, in Abhängigkeit vom Wert der Fracht. Schließlich hatten die Betroffenen selbst das nicht ganz unwichtige Interesse, als freie Personen anerkannt, nicht als meuternde Sklaven behandelt zu werden.

Seite 1/2
  • Seite 1:

    Wer wird hier gleich von Verbrechern reden

  • Seite 2:

    UNESCO-Gedenktage, vielleicht gar nicht so albern

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

Martin Rath, Sklavenrecht: . In: Legal Tribune Online, 23.08.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/16682 (abgerufen am: 17.02.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Menschenhandel
    • Menschenrechte
    • Rechtsgeschichte
Eine stark befahrene Straße in München im Jahr 1970. 15.02.2026
Rechtsgeschichte

Von Kautschuk über das Dritte Reich bis zum Verkehrsgerichtstag:

Rad der Zeit, gut ver­drängt

Der 15. Februar 1936 war ein besonderes Datum in der Geschichte der Kfz-Bereifung: Synthetisches Gummi wurde praxistauglich. Zum vermeintlich harmlosen Reifen lassen sich gleich mehrere juristische "Krimis" erzählen – eine Auswahl.

Artikel lesen
Soldaten der in Deutschland stationierten britischen Armee kühlen am 04.08.1961 in einem See auf der Bundesgartenschau in Stuttgart ihre Füße. 08.02.2026
Rechtsgeschichte

Diskussionen und Rechtstreitigkeiten um die Alliierten:

Bade­mäntel und Damen­k­leider auf Besat­zungs­kosten

Noch in den 1990er-Jahren waren Rechtsfragen zu den Kosten der alliierten Besatzung nach dem Zweiten Weltkrieg zu klären. Bereits der erste Deutsche Bundestag stritt jedoch emsig und überraschend selbstbewusst über diese Angelegenheiten.

Artikel lesen
Mitglieder der Revolutionsgarden bei einer Militärparade am 21.09.2024. 05.02.2026
Terrorismus

Mehr als eine Sanktion:

Was bedeutet die Ter­r­or­lis­tung von Irans Revo­lu­ti­ons­garden?

Als Reaktion auf die schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen hat die EU Irans Revolutionsgarden als Terrororganisation eingestuft. Eva Ghazari-Arndt erklärt, inwiefern die Folgen über bisherige Sanktionen hinausgehen.

Artikel lesen
Ein schwarz-weiß Bild, auf dem Kinder im Mai 1955 auf dem hagener Spielplatz zu sehen sind, der in der Nähe des verseuchten Brunnens lag. 01.02.2026
Rechtsgeschichte

Typhus und Justiz:

Aus dem Land der win­ter­lich damp­fenden Gruben

Vor 70 Jahren entschied der BGH zu den Folgen einer Typhus-Epidemie in Bayern. Nicht nur der Freistaat war betroffen. In den 1950er Jahren trat die Infektionskrankheit immer wieder in skandalösem Ausmaß auf.

Artikel lesen
Europapalast mit Europarat und Inschrift Council of Europa, EU-Flagge 26.01.2026
Anwaltsberuf

Völkerrechtlicher Schutz für Anwälte:

Deut­sch­land unter­zeichnet Euro­pa­rats-Kon­ven­tion

Rechtsanwälte sollen künftig besser vor Angriffen und staatlicher Repression geschützt werden. Deutschland hat dafür eine neue Europarats-Konvention unterzeichnet. Damit die in Kraft treten kann, müssen sich noch weitere Staaten anschließen.

Artikel lesen
Mehrere Brockhaus-Bände stehen nebeneinander in einem Regal. 18.01.2026
Rechtsgeschichte

Heute Wikipedia, gestern Brockhaus:

Welt­wissen aus der Gerichts­bi­b­lio­thek

Vor 25 Jahren wurde die Wikipedia gegründet, über deren Wert sich bis heute streiten lässt. Lange Zeit griffen Gerichte zum großen Konversationslexikon. Was etwa der "Brockhaus" erläuterte, galt als belastbar und Teil allgemeiner Bildung.

Artikel lesen
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von Polizeipräsidium Heilbronn
Lei­tung des Re­fe­rats Per­so­nal (w/m/d)

Polizeipräsidium Heilbronn , Heil­b­ronn

Logo von Deutsche Rentenversicherung Rheinland
Füh­rungs­kräf­te (m/w/d)

Deutsche Rentenversicherung Rheinland , Düs­sel­dorf

Logo von A&O Shearman
Rechts­an­wäl­te (m/w/d) Le­vera­ged Fi­nan­ce- und...

A&O Shearman , Frank­furt am Main

Logo von Wolfgang Metzner GmbH & Co KG
Fach­lek­tor (m/w/d)

Wolfgang Metzner GmbH & Co KG , Ber­lin

Logo von Clifford Chance Partnerschaft mbB
Wis­sen­schaft­li­che*r Mit­ar­bei­ter*in (m/w/d) im Steu­er­recht mit In­ter­es­se am...

Clifford Chance Partnerschaft mbB , Frank­furt am Main

Logo von A&O Shearman
Rechts­an­wäl­te (m/w/d) im Be­reich Im­mo­bi­li­en­fi­nan­zie­rung

A&O Shearman , Frank­furt am Main

Logo von Unternehmerverband Frankfurt Rhein-Main e.V.
Voll­ju­rist / Syn­di­kus­rechts­an­walt für Ar­beits­recht (w/m/d) in...

Unternehmerverband Frankfurt Rhein-Main e.V. , Frank­furt am Main

Logo von McDermott Will & Schulte
As­so­cia­te (m/w/d) In­sol­venz­recht & Re­struk­tu­rie­rung

McDermott Will & Schulte , Düs­sel­dorf

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Logo von CMS Deutschland
Update Vergaberecht - Schwellenwerte und Relevanz des Auftragswerts

25.02.2026

Logo von GvW Graf von Westphalen
Rechtsprechungs­report: Arbeitsrecht

24.02.2026

Logo von GvW Graf von Westphalen
Rechtsprechungs­report: Presse- und Äußerungsrecht

24.02.2026

Wegzüge und Zuzüge im Steuerrecht

24.02.2026

Infoanlass (online) «Berufsbegleitendes Doktoratsstudium der Rechtswissenschaften»

24.02.2026

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH