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Digitalisierung im Anwaltsmarkt: Ver­än­de­rung ja, Revo­lu­tion nein

10.04.2019

Die Digitalisierung wird den Rechtsmarkt beeinflussen – aber nicht völlig umwälzen. Dieser Schluss lässt sich aus einer Studie unter mehr als 900 Rechtsanwälten ziehen, die in dieser Woche veröffentlicht wurde.

Foris und AdvoAssist wollten wissen, welche digitalen Trends sich in den nächsten fünf bis zehn Jahren am deutschen Rechtsmarkt durchsetzen werden. Dazu führten die beiden Unternehmen im November 2018 eine Befragung durch, an der 928 Anwälte per Online-Fragebogen teilgenommen haben. 80 Prozent der Antwortenden stammen aus kleinen Sozietäten: Sie sind entweder als Einzelanwalt oder in Kanzleien mit bis zu fünf Anwälten tätig.

Es zeigt sich: Die Befragten sehen durchaus Auswirkungen der Digitalisierung auf ihren Berufsalltag. Wie stark diese aber sein werden, dabei gehen die Meinungen auseinander.

So glaubt etwa die ganz große Mehrheit der Befragten, nämlich 94 Prozent, dass Angebote wie Flightright oder wenigermiete.de, die Verbrauchern einen besseren Zugang zum Recht ohne Kostenrisiko ermöglichen wollen, zumindest ein wenig den Markt prägen werden. Indes erwartet nur ein Drittel einen "starken" bzw. "sehr starken" Einfluss dieser Portale auf den Anwaltsmarkt.

Dass künftig Verträge mehr oder weniger automatisiert erstellt werden, glauben insgesamt 92 Prozent der Befragten; doch nur 32 Prozent glauben "stark" bzw. "sehr stark" daran. Und 86 Prozent rechnen damit, dass es mittelfristig auch zu einer Digitalisierung von Vertragsabschlüssen, etwa durch Blockchain-Grundbücher, kommen werde. Besonders davon überzeugt sind indes wieder nur ein gutes Drittel.

Mehrheit erwartet starken Einfluss der Digitalisierung

Einen großen Einfluss der Digitalisierung erwarten die Umfrageteilnehmer hingegen in der Mandantenberatung. Knapp 40 Prozent rechnen damit, dass sich beispielsweise Online-Formulare, mit denen der Sachverhalt aufgenommen wird, "sehr stark" bzw. "stark" durchsetzen werden. Eine Digitalisierung des "Bewertens" – also eine automatisierte rechtliche Subsumtion sowie Einschätzung der Risiken – erwarten immerhin noch 26 Prozent. Doch nur etwas mehr als ein Fünftel der Umfrageteilnehmer rechnet damit, dass Computer-Programme aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz den Anwälten in Zukunft das aussichtsreichste Vorgehen empfehlen werden.

Fast 70 Prozent der Umfrageteilnehmer denken, dass ihre eigene Kanzlei in fünf Jahren vom Einsatz digitaler Technologien "sehr stark" oder "stark" beeinflusst wird. Der zweitwichtigste Trend, den die Befragten für ihr eigenes Geschäft sehen, hat dabei gar nichts mit Legal Tech zu tun: Die fachliche Spezialisierung werde "stark" oder "sehr stark" zunehmen, glaubt etwas mehr als die Hälfte. Auf den Plätzen drei und vier der wichtigsten Zukunftstrends folgen aus Sicht der Teilnehmer die Nutzung mobiler Anwendungen und dass sich Mandanten auf Anwaltsbewertungsportalen im Internet informieren.

Wichtigstes Akquise-Mittel: Die Weiterempfehlung

Für die eigene Geschäftsentwicklung setzen die Teilnehmer der Studie allerdings nicht unbedingt auf das Internet. Die Weiterempfehlung durch zufriedene Mandanten ist für den ganz überwiegenden Teil der Befragten das zentrale Akquise-Mittel: 86 Prozent halten die Mundpropaganda für "sehr wichtig".

Rund ein Drittel hält eine Kanzleiwebsite für die Akquise für "sehr wichtig", weitere 30 Prozent halten die eigene Webpräsenz immerhin noch für "wichtig". Etwas abgeschlagen auf dem dritten Rang landet die Etablierung einer Kanzleimarke: Nur 13 Prozent der Befragten sagen, dass dies zur Neugeschäftsgewinnung "sehr wichtig" ist.

Gegenüber der Studie, die die Unternehmen vor zwei Jahren durchgeführt haben, gewinnt ein eigener Kanzlei-Blog an Bedeutung beim Thema Akquise – wenn auch auf eher niedrigem Niveau: Einen solchen halten immerhin sechs Prozent der Befragten für "sehr wichtig", das sind zwei Prozentpunkte mehr als bei der letzten Auflage der Studie.

Beim Recruiting indes spielt das Internet für die Umfrageteilnehmer keine besonders große Rolle. Bei der Suche nach Berufsträgern sind das persönliche Netzwerk, die Anwaltskammer und Initiativbewerbungen sowie der Anwaltsverein bzw. das Anwaltsblatt zentral. Und wenn Anwälte beruflich im Internet surfen – nach eigenen Angaben tun sie das etwas mehr als zwei Stunden pro Tag -, dann suchen sie ganz überwiegend fachliche Inhalte.

ah/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Digitalisierung im Anwaltsmarkt: Veränderung ja, Revolution nein . In: Legal Tribune Online, 10.04.2019 , https://www.lto.de/persistent/a_id/34835/ (abgerufen am: 17.10.2019 )

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