Was tun ohne Prädikatsexamen?: "Zwei aus vier" und andere Lösungs­wege

von Sabine Olschner

14.03.2018

Absolventen mit zweimal Vollbefriedigend oder besser stehen alle Türen offen: Gericht, Staatsanwaltschaft, Großkanzlei – sie haben die Wahl. Und alle anderen? Sie können clever planen und von rückläufigen Absolventenzahlen profitieren.

Die zwei Staatsexamina, die Juristen absolvieren müssen, haben es in sich: Mit einem Vollbefriedigend, mit dem sich Absolventen anderer Fachrichtungen gar nicht erst zu bewerben brauchen, gehören Jura-Absolventen schon zu den besten 15 (erstes Examen) beziehungsweise 18 (zweites Examen) Prozent. Noten sind dabei für die klassischen juristischen Berufe der ausschlaggebende Faktor bei der Einstellung – entsprechend gute Chancen haben alle, die mindestens zweimal neun Punkte aus ihren Examina vorweisen können.

Vor allem Großkanzleien legen viel Wert auf exzellente Studienabschlüsse, haben aber vermehrt um ihren Nachwuchs kämpfen. Und das, obwohl sie mit immer höheren Einstiegsgehältern von bis zu 140.000 Euro Jahresbrutto Grundgehalt um die Top-Absolventen buhlen: "Die Auswahl über Noten ist ein heikles Thema in der Branche", verrät die Personalerin einer großen Wirtschaftskanzlei, die nicht genannt werden will. "Natürlich behauptet jeder, er suche nur Kandidaten mit den besten Noten. In der Realität werden aber oft auch Bewerber mit weniger als 18 Punkten in Summe eingestellt." Dass viele es so halten, erkenne sie zum Beispiel daran, wenn Anwälte anderer Großkanzleien sich für einen Wechsel bei ihr bewerben - und damit auch ihre Abschlussnoten offenlegen.

Häufig wird bei den Großen deshalb die "2-aus-4-Regel" angewandt: Hat der Bewerber "nur" in einem Examen ein Vollbefriedigend erreicht und die begehrte Note beim anderen Examen (knapp) verpasst, kann er das durch einen LL.M.-Abschluss oder eine Promotion ausgleichen. "Auch Kandidaten, die wir vor dem Berufseinstieg schon über ein Praktikum oder im Referendariat kennen und schätzen gelernt haben, müssen nicht unbedingt über ein Prädikatsexamen verfügen", berichtet die Personalerin weiter. Anders sei es auch gar nicht möglich, genügend Anwälte zu bekommen – so viele exzellente Absolventen, wie gebraucht würden, gebe der Markt gar nicht her. Und so einige von ihnen entscheiden sich auch bewusst gegen die Arbeit in einer Großkanzlei.

Warum wird trotzdem solch ein Geheimnis um die Einstellungspraxis gemacht? "Weil unsere Mandanten von uns nur die beste Rechtsberatung und damit Top-Kandidaten erwarten", lautet die Antwort aus der Wirtschaftskanzlei.

Spezialisierung und wirtschaftliche Kenntnisse gleichen aus

Großkanzleien sind natürlich nicht die einzigen Arbeitgeber. Mittelständler und Boutiquen legen zwar auch Wert auf ordentliche Noten, achten aber stärker als die internationalen Player darauf, dass der Einsteiger zum Team passt oder – vor allem bei den Boutiquen – Erfahrungen aus dem gefragten Rechtsgebiet mitbringt. Johanna Eyser, Mitglied im Vorstand der Rechtsanwaltskammer Berlin, kennt sogar Anwälte, die eine Ausbildung als Krankenpfleger gemacht haben und im Sozialrecht arbeiten. Oder Verkehrsrechtsanwälte, die Erfahrung in der Automobilbranche gesammelt haben. "Durch den Blick über den Tellerrand gehen sie ganz anders an ihre Anwaltstätigkeiten heran", meint Eyser. Das wüssten spezialisierte Arbeitgeber wie auch potenzielle Mandanten besonders zu schätzen.

Sich mit einer eigenen Kanzlei selbstständig zu machen, sei regelmäßig ebenfalls eine gute Option für alle Juristen, die kein Prädikatsexamen haben, so die Expertin. So fragt keiner nach den Noten, sondern nur nach den Leistungen in der Praxis. Außerdem beobachtet Eyser, dass selbst der Staatsdienst in einigen Bundesländern von seinen hohen Notenanforderungen abrückt und häufig Abschlüsse zwischen sieben und acht Punkten als Voraussetzung für die Arbeit als Richter oder Staatsanwalt genügen lässt. Der Grund ist auch hier derselbe: "Es fehlt schlichtweg der juristische Nachwuchs", so die Anwältin.

"Natürlich wollen auch wir die Besten", sagt Bärbel Kuhlmann, Partnerin in der Ernst & Young Law GmbH (EY Law), die zusammen mit Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern von EY multidisziplinäre Beratungsleistungen in allen Bereichen des Wirtschaftsrechts anbietet. "Zu den Besten gehören aus unserer Sicht Kollegen mit exzellentem juristischen Fachwissen, gepaart mit wirtschaftlichem Sachverstand." Sie kenne aber auch hervorragende Juristen, die nicht in der Lage waren, ihr Wissen in beiden Examina vollständig zu zeigen. "Deshalb leisten sie trotzdem exzellente Arbeit", erklärt Kuhlmann, für die auch andere Qualifikationen der Bewerber wichtig sind: Auslandserfahrung, Sprachkenntnisse sowie eine Affinität für Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung und Unternehmensberatung sind Pluspunkte.

Letzteres gelte natürlich noch mehr für Bewerber, die in der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft von EY in den Unternehmensbereichen Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung arbeiten wollen, wo erst keine juristischen Prädikatsexamina erwartet würden.

Soft Skills zählen auch bei Behörden

Auch viele Behörden legen das Gewicht eher auf persönliche Qualifikationen als auf Noten. "Bei uns genügt mindestens ein Befriedigend", berichtet Hedwig Kaschube, Leiterin des Personalreferats bei der Bundesnetzagentur. "Wir haben aber auch Mitarbeiter, die mit der Note 'gut' abgeschlossen und sich bewusst für uns und gegen eine Großkanzlei entschieden haben." Kaschube achtet bei der Auswahl neuer Mitarbeiter darauf, dass sie universell im Haus eingesetzt werden können, denn nicht selten wechseln die Juristen etwa vom Justiziariat in ein Fachreferat, wo sie sich zum Beispiel mit Regulierungsfragen zum Netzausbau beschäftigen. "Interdisziplinäres Arbeiten, Teamfähigkeit und die Bereitschaft, früh Verantwortung zu übernehmen, sind uns besonders wichtig." Die Aussicht auf interessante und sinnvolle Aufgaben für die Allgemeinheit, auf eine Verbeamtung und eine bessere Work-Life-Balance als in Großkanzleien seien oft genannte Gründe für die Arbeit in einer Behörde.

Möglichkeiten, auch ohne Prädikatsexamen einen interessanten Job zu finden, gibt es also genug – sofern man im Vorfeld plant. "Gerade für Absolventen mit durchschnittlichen oder schlechteren Studienabschlüssen ist es von Vorteil, sich bereits in der Ausbildung Gedanken über alternative Karrierewege jenseits ausgetretener Pfade zu machen", empfiehlt Jörg-Christian Lorenz, Anwalt und Autor von Karriereratgebern für Juristen. Interessante Nischenbereiche können Juristen zum Beispiel im Bankwesen, als Steuerberater, als Wirtschaftsprüfer, in Interessen- und Wirtschaftsverbänden, in Arbeitgeber- und Arbeitnehmervereinigungen, im Versicherungswesen, als Journalisten, PR-Manager oder Assistenten der Geschäftsführung finden, so Lorenz.

"Künftige Absolventen sollten frühzeitig für sich eruieren, wo ihre Interessens- und Tätigkeitsschwerpunkte liegen und eventuell notwendige Zusatzqualifikationen erwerben." Praktika oder frühes Netzwerken mit potenziellen Arbeitgebern könnten hier helfen. Außerdem rät Lorenz, sich nicht allein darauf zu verlassen, welche Stellen gerade angeboten werden. "Die meisten Bewerber konzentrieren sich bedauerlicherweise allein auf das rein passive Vorgehen. Dadurch werden jedoch eine Reihe wertvoller Gelegenheiten vergeben, schon während der Ausbildung etwas für bessere Jobchancen zu tun." Diesen Luxus sollten sich seiner Ansicht nach aber gerade juristische Absolventen ohne Prädikatsexamen dann doch nicht erlauben.

Zitiervorschlag

Sabine Olschner, Was tun ohne Prädikatsexamen?: "Zwei aus vier" und andere Lösungswege . In: Legal Tribune Online, 14.03.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/27519/ (abgerufen am: 18.12.2018 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 14.03.2018 14:07, JuraaufmHochreck

    Informationswert des Artikels gleich Null.

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    • 14.03.2018 14:50, Sarah

      Sehe ich auch so

    • 15.03.2018 23:03, LexMe

      Richtig. Absolut schwacher Beitrag.

    • 23.03.2018 14:24, Peter

      Leider wahr.

  • 14.03.2018 14:52, echo

    Liest wirklich jemand LTO, um sich zu informieren?

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  • 14.03.2018 14:55, KarlLagerfeld

    Kompletter Bullshit. Die Realität ist doch mittlerweile folgende:
    Der überwiegende Teil der GroKas - die nicht Magic Circle sind - stellen mit zwei befriedigend und 14 Punkten in der Summe ein. Teilweise auch drunter. Kommt immer auf das Rechtsgebiet und den Standort an.

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    • 14.03.2018 15:57, FinalJustice

      Promotion als "ausgleich" zu einem fehlenden VB verkaufen zu wollen ist auch absoluter Unfug. Wenn man die zwei Buchstaben vor dem Namen hat, interessieren die Examensnoten nur noch rudimentär. "Prädikatsjurist" kann man sich nicht vor den Namen schreiben, "Dr. iur." hingegen schon. Es geht doch nur um Lametta und darum, dass man sich als "die Elite" verkaufen kann. Jeder Mensch weiß, dass der Unterschied zwischen jemandem mit 7,x und 9,x quasi null ist und innerhalb des "weiten Bewertungsspielraum des Prüfers" liegt. Dazu kommt der Umstand, dass - auch wenn man es in den internationalen Großkanzleien natürlich leugnen wird - die Arbeit dort mit deutscher Juristerei teilweise gar nichts mehr zu tun hat. Wie gut man Klausuren schreiben kann, das ist also für den Arbeitsalltag da herzlich egal. Riecht für mich mal wieder schwer nach einem gesponsorten Artikel. Den großen muss das Wasser wirklich bis zum Hals stehen, wenn explizit auf den Verdienstmöglichkeiten rumgeritten wird und das man jetzt auch explizit den "Bodensatz" anspricht, den man ja normalerweise nicht mal mit der Kneifzange anfassen würde. Ist auch leichter, als die Probleme anzugehen, die die qualifizierten Leute woanders hinziehen, nämlich in die Unternehmen und die mittelständischen Kanzleien. Die Arbeitslage ist derzeit üppig genug, dass man keine 60h die Woche zu unmöglichen Arbeitszeiten und de facto ausgeschaltetem Arbeitsrecht runterreißen muss, um auf ein gutes Gehalt zu kommen (man kann die 100k auch knacken, ohne sich für jemand anderes zu Tode zu schindern). Ist ja quasi das umgekehrte Problem des öffentlichen Dienstes: Da stimmt die "Work-Life-Balance" zumindest im Richterdienst, aber für unter 2k in der Probezeit und 3,xk auf R1 (was für Männer derzeit die Spitze der Karriereoptionen darstellt) will man dann doch nicht ran.

      P.S.: In b4 "Lol was der Finaljustice wieder für 1 Unsinn schreibt, lolol der ist bestimmt mit 2x ausreichend raus ausm Examen und schiebt deswegen nen Rochus auf die Großkanzleien" :D

    • 15.03.2018 13:57, SyndikusRA

      Ne, aus meiner Sicht hat der FinalJustice den Artikel treffend durchschaut und den Hintergrund sehr gut auf den Punkt gebracht. Der durchdachte Kommentar hat mir beim Lesen jedenfalls wesentlich mehr Freude bereitet als der Werbebeitrag für die GK’s

      „2-aus-4-Regel“ - in der heutigen Zeit! Muahaha, schon lange nicht mehr so herzhaft gelacht

    • 05.04.2018 09:48, Proberichter für unter 2k?

      @finaljustice: In welchem Bundesland erhält denn ein Proberichter weniger als die reguläre R1 Besoldung. Ich kenne keines.

  • 14.03.2018 15:21, M.D.

    "Sich mit einer eigenen Kanzlei selbstständig zu machen, sei regelmäßig ebenfalls eine gute Option für alle Juristen, die kein Prädikatsexamen haben, so die Expertin."

    Man sollte es zumindest mal versuchen.

    Ich kenne gleich mehrere Anwältinnen mit grottenschlechten Examina, die mit ihren eigenen Kanzleien deutlich mehr verdienen, als Prädikatsjuristen in der Justiz und so manche Associates in einer Großkanzlei, und zwar deutlich mehr.

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    • 14.03.2018 15:32, Daphne Guinness

      Naja, es wird viel erzählt, wenn der Tag lang ist. Hab noch nie erlebt, dass einer frei raus sagt, er krebse gerade am Existenzminimum. Im Gegenteil, alle super erfolgreich und einem geht's besser als dem anderen. Fazit: nirgends wird mehr geflunkert als beim Einkommen.

    • 15.03.2018 09:33, gast

      Ich kenne solche und solche Einzelanwälte. Tatsächlich auch die Hinterhofkanzlei, die sich kaum eine Reno leisten kann, aber es gibt auch die sehr erfolgreiche kleine Kanzlei die sehr gute Mandate bearbeitet und mit durch weniger Ausgabenquote pro Stunde (Großkanzleien haben auf die supertollen Raten ihrer billable hours fast 50% Kosten - die mittelständische eher 35%! Die Privatbibliothek, Partnerurlaube in den Malediven und Mandanten-Golfturniere kosten halt auch Geld) verdient der Anwalt in der kleinen Kanzlei mehr als in der Großkanzlei...

  • 14.03.2018 15:28, Daphne Guinness

    Bald genügen schon 2x4. Warum? Die Leute haben keinen Bock mehr, sich verheizen zu lassen. Aktuell kann man eigentlich gleich auf BA-MA studieren, System wird früher oder später eh umgestellt.

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    • 17.03.2018 08:57, Gast

      Bullshit. Die werden das sicherlich nicht „bald“ umstellen. Vergleich doch mal ein Bachelor-Studium mit dem Studium zum ersten Staatsexamen. Geht nicht. Die Anforderungen im Bachelor sind der reinste Witz!

    • 18.03.2018 10:16, Swissfrancs

      Ja. Eben drum. Zudem: denkste im Ausland checkt jemand wie krass man wegen der Examina geknechtet wurde? Die sehen in Canada, Ch or Australia nur: Bachelor, ok, international, nehmen wir. In England lassen se dich sogar ohne Examen zum Master zu. Mach die Augen auf, Bürscherl.

  • 14.03.2018 16:53, NormalesLeben

    Wieso herrscht unter Jura Studenten so eine Panik? Ohne 2 x VB führt man halt das normale Leben in der Mittelschicht. Halt nur ein VW Toureg und kein Porsche Cayenne.

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    • 14.03.2018 17:01, GrafLukas

      Halte ich schon für gruselige Aussichten, der Tuareg ist doch ein schreckliches Auto! ;-)

    • 15.03.2018 13:31, SyndikusRA

      Ha, der Cayenne ist mittlerweile auch nicht mehr das was er einmal war. Auf meinem täglichen Weg zur Arbeit (vom Dorf in eine Stadt mit ca. 50.000 Einwohnern im Südwesten Deutschlands) fahren jeden morgen mindestens drei davon an mir durch. Ist ja bald fast ein Arme-Leute-Porsche wie der Boxster

    • 18.03.2018 10:19, Swissfrancs

      Ne, die Karre kannst vergessen. Da fahr ich ja lieber noch Ubahn oder Bus.

    • 23.03.2018 15:01, Bike Lawyer

      Pfff... Cayenne, ernsthaft? Den nähme ich nicht mal geschenkt. Außerdem ist da wohl ne ganze Menge zu kompensieren, wenn man sich derart niederlässt, um sich hinter das Lenkrad von so einem häßlichen Dingen für eine viel zu lange Stange Kröten zu klemmen.

      In Anlehnung daran fällt mir gleich der Joke aus einem Film ein (S.E.U. abgekürzt):

      Was ist der Unterschied zwischem einem Porsche Cayenne und einem Pavian? Zuschriften bitte unter diesen Kommentar. Oder schaut's euch den Film an, da gibt's die Auflösung.

      Die richtigen Maestros fahren Radl, Schweizer Militärrad oder ähnliches. Bike Lawyers 4 Life.

  • 15.03.2018 09:36, SunDance

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es letztendlich in der Praxis ohnehin nur auf den Umsatz ankommt. Unabhängig davon, wer welches Examen geschrieben hat und ob man einen Doktortitel hat, LL.M oder Fachanwaltstitel. Spätestens dann, wenn du Umsatzbeteiligt bist, ist es vollkommen egal, welche Examensnoten man mitbringt. Dann kommt es leider auf Fähigkeiten an, die uns wieder im Ersten, noch einen zweiten Staatsexamen mitgegeben wurden. Verkaufstalent, Empathie, die Möglichkeit komplexe Sachverhalte einfach darzustellen, ständige Erreichbarkeit, etc. und vor allem die Selbstvermarktung.

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    • 15.03.2018 13:44, SyndikusRA

      Ja, absolut!

      Die Noten sind nur die Eintrittskarte, wenn man in einer überschaubaren Zeit keinen Umsatz bringt, hat das für die Kanzlei keinen Nutzen, es sei denn, der Partner ist später für seinen eigenen Umsatz auf die Mitarbeit des Associates angewiesen.

      Demjenigen, der unternehmerisch veranlagt ist und nur zwei grottige Examina hat, würde ich auch raten, sich so schnell wie möglich selbständig zu machen. Der kann aus seinen Abschlussnoten allein aufgrund seiner unternehmerischen Qualifikation das meiste rausholen, jedenfalls deutlich mehr wie jemand, der sich mit diesen Noten auf Jobsuche begibt. Die schlechten Noten sind für den Arbeitgeber zumindest in der ersten Zeit ein gutes Argument, um die Bezahlung klein zu halten.

  • 15.03.2018 16:53, Kein Prädikat

    Ich habe das erste Examen mit einer ganz knappen 3 und das zweite mit einer guten 4 bestanden. Heute, 5 Jahre nach Bestehen des Assessorexamens, arbeite ich als Jurist in der Wirtschaft, verdiene knapp 100 TEUR, fahre einen schönen Firmenwagen und muss dafür in einer normalen Woche ca. 50 Stunden arbeiten - wenn ich will geht das auch von zu Hause aus. Ein wie ich finde durchaus gutes Gesamtpaket. Und Warum ist es so gekommen? Weil ich mich zum Betufsstart mit anderen Dingen als den Examensnoten aus der grauen Masse der Durchschnittsabsolventen abheben konnte. Dazu zählte eine abgeschlossene kaufmännische Berufsausbildung, eine jahrelange studien- bzw. referendariatsbegleitende Tätigkeit in einer Feld-, Wald- und Wiesen-Kanzlei sowie im Ausland gefestigte Englischkenntnisse. Das war die Eintrittskarte. Danach muss man einfach nur gute Arbeit abliefern, dann klappt es mit dem beruflichen Aufstieg.

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    • 19.03.2018 03:42, Rechtsbelehrung

      @ Kein Prädikat:

      Zum Vergleich: Ich bin jetzt seit gut fünf Jahren in der Großbutze und inzwischen bei T€ 200 angekommen. Dienstwagen gibt es nicht, dafür ein Eckbüro in einer der attraktivsten Immobilien der Stadt. Arbeitszeit vielleicht 55 Stunden. Ich wollte nicht tauschen.

      Ach ja: zwei Prädikatsexamina, Doktor und abgeschlosses Zweitstudium BWL hatte ich damals im Körbchen, als ich angefangen habe.

      Mein Arbeitgeber hat große Schwierigkeiten, qualifizierte Berufsanfänger zu finden. Aber Einstellungen unter den Anforderungen bringen es im Ergebnis halt auch nicht. Die sind nach zwei Jahren wieder weg, kosten bis dahin viel Ausbildungsressourcen (das Gehalt ist gar nicht mal der Punkt) und bringen bis dahin nur sehr überschaubaren Output. Und ja, ich glaube schon, dass das auch etwas mit den Noten zu tun hat. Wer keinen Biss hat, hat meistens auch keine guten Examina.

    • 20.03.2018 09:57, Bayerin

      Ja, schöne Büroräume komplett verglast mit Dachterrasse haben Sie oft, so ein gewisses Gefühl des Luxus, der einfach Laune macht, ist schon gegeben. Wo hast du Bwl im Anschluss studiert, wenn ich fragen darf? Nochmal neu auf Bachelor oder einen dieser Schmalspurmaster, die mit ausschließlich jur. Vorwissen möglich sind? Hast du nebenberuflich studiert oder nocheinmal in Vollzeit? Falls ja, wie hast du das Zweitstudium finanziert? Leistungen gibt's ja keine und Alg II fließt nur ohne Vollzeitstudentenstatus etwa bei TZ Studium oder Promo. Kombi mit Tzjob häufig wegen der Zeiten schwierig....
      Kredit? Falls ja welchen?

    • 28.03.2018 09:39, Rudas

      @Rechtsbekehrung. Das würde mich auch mal interessieren, was Bayerin da fragt. Hätten Mama und Papa Geld?

    • 28.03.2018 22:17, Rechtsbelehrung

      BWL habe ich parallel studiert, Vordiplom neben dem ersten Staatsexamen, Diplom neben der Diss.

      Reguläres Studium zum Diplom-Kaufmann an der Fernuni Hagen (Regelstudienzeit in Vollzeit vier Jahre, in Teilzeit acht). Die Kosten waren zu vernachlässigen, der zeitliche Aufwand nicht ganz, aber ich war halt sehr ehrgeizig.

      Reiche Eltern? Leider nein. Das Geheimnis ist einfach nur Disziplin.

    • 30.03.2018 16:39, Rudas

      Wenn dem so ist, zolle ich Ihnen Respekt. Ist nur schwer zu glauben, aber soll es geben. Hut ab!

  • 15.03.2018 21:30, Der Jurist

    Wieder ein Artikel um die Examensnoten zu relativieren. Natürlich hat das Schreiben von Klausuren nichts mit der Arbeitsrealität zu tun?! Wieso verstehen die Kolleginnen und Kollegen nicht, was der Sinn und Zweck der Prüfungen war?! Es geht um eine bestimmte Herangehensweise Probleme in einer vorgegebenen Zeit zu erkennen und zu lösen. Diese Fähigkeiten werden abgeprüft. Das Ergebnis dieses Stresstests ist ein starkes Indiz dafür, wie der Kandidat später im Beruf arbeiten wird. Natürlich bekommt auch der schlechtere Jurist ein Problem in 8 Stunden gelöst und nicht in 5 Stunden, wie der Prädikatsjurist. Ich bin aber lieber in 5 Stunden fertig mit einem Auftrag, weil ich noch andere Probleme lösen muss und um 19 Uhr Feierabend machen will. Nicht wie andere, die bis 22 Uhr bleiben und die Arbeit Tag für Tag mehr wird. Dazu kommen noch die Stunden, die man nicht in Rechnung stellen kann und damit Minusstunden sich beim Partner anhäufen.

    Für die, die es immer noch nicht verstanden haben: Auf die Noten kommt es doch an!

    Ich kenne diese Leute noch aus den Schulzeiten mit Sätzen wie: „Wozu muss ich Differentialgleichungen können. Ich brauche es später sowieso nicht.“

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    • 15.03.2018 22:31, Studierst'e Recht-echt?

      Dem kann ich nur zustimmen.
      Diese "ich kauf mir die Welt" Attiüde, die die moderne wohlstandsverwahrloste Jugend an den Tag legt, wird später wieder auf sie zurückfallen.
      Gerade habe ich mein erstes Staatsexamen abgelegt, und ich schätze mehr als die Hälfte von meinen Mitstudenten hat mit Jura nur angefangen, weil die "irgendwas ohne Mathe" machen wollten.

    • 10.04.2018 00:02, Familienmensch

      Gebe Ihnen Recht. Es kann immer Ausrutscher in einzelnen Klausuren geben, aber im Schnitt! bilden 6 Klausuren im 1. Staatsexamen und 8-10 Klausuren (je nach Bundesland) einfach doch ganz gut das juristische Verständnis und die Fähigkeit, eine Aufgabe in beschränkter Zeit vernünftig zu lösen ab. Mit anderen Worten: Wer in 6 Klausuren nur 6 Punkte im Schnitt hat wird eben in der Regel! kein Topjurist. Das bedeutet allerdings nicht, dass ein Durchschnittsabsolvent einen vermeintlichen Überflieger laut Staatsexamina nicht im Berufsleben aufgrund anderer Faktoren wie Charakter, unternehmerisches Verständnis oder Softskills kartieretechnisch abhängen kann. Dennoch kann man denke ich schon sagen: Die Tendenz der Exanensnote lügt in der Regel nicht.

  • 15.03.2018 23:02, LexMe

    Dieser Artikel geht völlig an der Realität vorbei. LTO Artikel können nur von den Grosskanzleien gesponsert sein. Was für ein Quatsch, zu suggerieren, dass „trotz“ keinem Doppel-VB man bei „gezielter“ Planung eine Chance auf dem Arbeitsmarkt hat. Was soll das? Ganz ehrlich. Was soll das LTO? Was sind das für Menschen, die bei Euch arbeiten? So ein denunzierendes Elitendenken, das Ihr damit verbreitet. Das stiftet doch nur Verunsicherung... Schade, aber eure Artikel sind einfach zum großen Teil absolut realitätsfern. Auch im Bereich Legal Tech. Ihr kritisiert nur. Anstatt die Realität wahr zu nehmen. Liegt das an der Meinung derer, die Eure Seite finanzieren? Grosskanzleien, die bei Euch Anzeigen schalten? Schwach, elitär und ganz einfach realitätsnegierend.

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  • 18.03.2018 18:58, Pariserin

    ACHTUNG PARIS preislich mittlerweile attraktiver als MÜNCHEN. Wollte nur Bescheid geben, falls jemand eine neue Homebase außerhalb Deutschlands sucht.

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  • 30.03.2018 16:42, Rudas

    Wieso schreibt dann das Prüfungsamt, dass man selber nur bedingt Einfluss auf die Note hat und es anerkannt ist, dass eine Abweichungen von bis zu 2 Punkten auf Glück und Willkür beruht? Es für den Studenten aber einen RIESEN Unterschied macht, ob er 6 oder 8 hat?

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