Verwaltungsstation in Brüssel: "Hallo, hier spricht die Euro­päi­sche Kom­mis­sion!"

von Marcel Schneider

07.12.2016

Roman Seifert macht derzeit Station bei der Generaldirektion Wettbewerb der Europäischen Kommission. Wie man dort hinkommt und wie es sich anfühlt, im Namen der Europäischen Union Fusionen und Unternehmenskäufe zu prüfen, verriet er im Gespräch.

 

Referendarstation bei der Europäischen Kommission – das geht? Aber ja doch. Es wissen nur die wenigsten. Auch Roman Seifert ist bei seiner Suche nach einer Stage für die Verwaltungsstation eher zufällig darauf gestoßen: "Auf Kanzlei-Websites schreiben Anwälte das ausdrücklich in ihren Lebenslauf, ab und an habe ich auch im Gespräch mit anderen Referendaren davon gehört." Wie man jedoch an einen solchen Posten herankommt und diesen am besten ins Referendariat integriert, dazu findet er im Internet wenig bis gar keine Informationen.

"Selbst auf der Website der EU ist es schwierig an Informationen zu kommen. Geholfen hat mir letztlich meine Nebentätigkeit im Bundeskartellamt. Dort kannte jemand jemanden, der in Brüssel tätig ist", sagt Seifert. Der Kontakt konnte Licht ins Dunkel bringen: So gibt es zunächst das offizielle Blue-Book-Programm der EU, eine Art bezahltes, organisiertes Praktikum. Das sei aber keine Option gewesen, weil es länger als die für die Verwaltungsstation vorgesehenen drei Monate dauert, erklärt der Kölner Referendar.

Für deutsche Rechtsreferendare eigne sich vielmehr die Arbeit als Stagiaire Atypique. Dieser Posten ist nicht bezahlt und wird auch nicht gesondert beworben. Wer sich dafür interessiert, muss selbst die Initiative ergreifen: "Theoretisch kann man in jeder EU Generaldirektion Station machen. Deshalb ist es wichtig, genau zu wissen, wo man hin möchte." Der 27-Jährige mit Schwerpunkt im Kartell- und Fusionskontrollrecht hatte seine Wunschabteilung mit der Generaldirektion Wettbewerb sofort gefunden.

Bewerbung der etwas anderen Art

Die Kontaktdaten der Abteilung gab es auf der Internetseite der EU. Nach kurzem Schriftverkehr war dann auch geklärt, wo und wie Seifert sich bewerben musste. "Zu den nötigen Unterlagen gehören ein Anschreiben und der Lebenslauf. Voraussetzung sind außerdem sehr gute Englischkenntnisse", sagt er. Da es für die Stage Atypique keine gesonderte Personalabteilung gibt, werden die Bewerbungsdokumente direkt von der jeweiligen Abteilung gesichtet.

Hält man den Bewerber für geeignet und sind auch noch Kapazitäten für den gewünschten Zeitraum frei, folgt ein Telefon-Interview – "mit das außergewöhnlichste Bewerbungsgespräch, das ich je geführt habe", wie Seifert erzählt. Nicht nur, dass gleich drei Gesprächspartner abwechselnd mit verschiedenen Akzenten etwas wissen wollten. Zusätzlich waren viele Fragen seinem Eindruck nach darauf ausgelegt, den Bewerber zu verunsichern und zu testen, ob und was er unter Stress zu sagen hatte und wie sicher er im Englischen war. Obwohl er sich bei den fachlichen Fragen nicht schlecht geschlagen hatte, rechnete sich Seifert nach dem Telefonat keine großen Chancen aus.

Einige Zeit später erhielt er dennoch die Zusage und auch sein Dienstherr spielte mit, indem er die Station im Ausland vollständig anerkannte, was nicht immer der Fall ist. Zusätzlich zur Unterhaltsbeihilfe wurde ihm ein Kaufkraftausgleich von knapp 60 Euro pro Monat bewilligt; für ein kleines Zimmer in einer recht zentral gelegenen Sechser-WG in Brüssel sollten 460 Euro pro Monat fällig werden.

Zitiervorschlag

Marcel Schneider, Verwaltungsstation in Brüssel: "Hallo, hier spricht die Europäische Kommission!". In: Legal Tribune Online, 07.12.2016, https://www.lto.de/persistent/a_id/21370/ (abgerufen am: 16.12.2017)

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