LTO.de - Legal Tribune Online - Aktuelles aus Recht und Justiz
 

US-Law Schools in der Krise: The great legal depression

Dass das Jurastudium deprimierend sei, hört man immer wieder einmal. Der Blick nach Amerika zeigt jedoch: Es könnte alles schlimmer sein. Die hohen Studiengebühren kann der schwächelnde Anwaltsmarkt oft nicht mehr kompensieren, alarmierende Depressionsraten unter Studenten passen zu den Schreckensbotschaften über das Leben und Lernen an den Law Schools.

Wenn einschlägige amerikanische Justiz- oder Wirtschaftsmedien in den letzten Jahren über Law Schools berichtet haben, dann oft in einer Tonalität, wie man sie sonst bei Artikeln über Scientology oder Crystal Meth vermuten würde. "Bleibt bloß weg!" lautet der relativ einhellige Rat an alle High School Absolventen, die mit einer juristischen Karriere liebäugeln. Diverse Blogs dokumentieren die Missstände im amerikanischen Law-School-Wesen minutiös; der wohl größte, "Inside the Law School Scam", verzeichnet mehrere Millionen Zugriffe und über 50.000 Nutzerkommentare.

Hinter alledem verbirgt sich keine Verschwörung alternder Juristen, die ihre Pfründe sichern wollen, sondern eine handfeste Rezession. Der Anwaltsmarkt wirft für viele nicht mehr genug Geld ab, um den Eintrittspreis in Form von Studiengebühren zu rechtfertigen.

Und die sind beträchtlich; sie reichen von etwa 10.000 (für sehr günstige und wenig prestigeträchtige Law Schools) bis zu 57.000 US-Dollar (für Spitzenuniversitäten wie Columbia, Yale oder Harvard). Wohlgemerkt: pro Jahr, bei einer Studienzeit von drei Jahren, und zuzüglich Zinsen, Ausgaben für Lernmaterial und Lebenserhaltungskosten. Der durchschnittliche amerikanische Volljurist kam so im Jahr 2012 auf eine Schuldensumme von 122.158 US-Dollar (bei Besuch einer privaten) bzw. 84.600 US-Dollar (bei Besuch einer öffentlichen) Law School.

Darin nicht enthalten sind zudem die Kosten der vorherigen Ausbildung. Anders als in Deutschland ist Jura in den USA kein grundständiges Fach. Wer an die Law School will, muss zuvor einen Bachelor an der Uni machen – der ist zwar vergleichsweise günstiger, schlägt über vier bis fünf Jahre Studienzeit aber auch schnell mit einer niedrigen bis mittleren fünfstelligen Summe zu Buche.

Gehälter: Top oder Flop, wenig dazwischen

Diesen Kosten stehen zwar enorme Einstiegsgehälter gegenüber, die bei einigen Law Firms deutlich jenseits der 160.000 Dollar liegen. Aber entsprechende Jobs sind in den USA mindestens so schwer zu kriegen wie in Deutschland – und mit nicht weniger großen Belastungen verbunden.

Hier wie dort verläuft die Einkommensverteilung zudem alles andere als gleichmäßig: Das Gros der Gehälter liegt im Bereich zwischen 40.000 und 70.000 Dollar, daneben gibt es die Spitzenverdiener – und dazwischen relativ wenig. Nach Steuern, Altersvorsorge, Lebenserhaltungskosten usw. bleibt den Berufsanfängern von ihrem Einstiegsgehalt von beispielsweise 55.000 Dollar also nicht allzu viel übrig, um den eigenen Schuldenberg abzutragen.

Freilich mehr als bei jenen, die im Anschluss an die Law School überhaupt keine Anstellung finden. Neun Monate nach ihrem Abschluss waren gut elf Prozent der Absolventen des 2013-er Jahrgangs noch erfolglos auf Jobsuche, weitere 20 Prozent arbeiteten in Berufen, für die ein Law School Abschluss gar nicht notwendig gewesen wäre. Darüber, ob er zumindest einen Vorteil im Bewerbungsverfahren bedeutet, gehen die Ansichten weit auseinander.

Zitiervorschlag

Constantin Baron van Lijnden, US-Law Schools in der Krise: The great legal depression . In: Legal Tribune Online, 04.02.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/14573/ (abgerufen am: 11.08.2020 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 06.02.2015 00:02, Karl-Theodor

    Leute, die das Bar Exam für die Abschlussprüfung einer US Law School halten, sollten keine Artikel über US Law Schools schreiben.

  • 10.03.2015 13:36, Paul

    Der Artikel sagt nicht, dass es sich um die Abschlussprüfung einer US-Law School handelt. Die Bezeichnung als Abschlussprüfung ist jedoch trotzdem falsch, da es sich vielmehr um eine Zulassungsprüfung im jeweiligen Bundesstaat handelt.

    Ob das jetzt ein Beweis mangelnder Kompetenz des Autors bezüglich des Themas ist, wage ich zu bezweifeln.