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QS World University Ranking 2016 – Law: Deut­sche Jura­fa­kul­täten bauen ab

von Marcel Schneider

14.04.2016

Die aktuellen Zahlen des jährlichen QS World University Rankings sind bekannt: Im Bereich "Law" fallen deutsche Universitäten im Vergleich zu den Vorjahren teils enorm zurück. Ob das nur an den modifizierten Bewertungskriterien liegt?

Der Karriere- und Bildungsdienstleister Quacquarelli Symonds (QS) veröffentlicht seit 2004 einmal jährlich ein weltweites Universitäten-Ranking, das sich auch nach Fachbereichen sortieren lässt. So kann man sich die jeweils 200 besten Hochschulen pro Forschungsgebiet anzeigen lassen. Wer das für die Rechtswissenschaften ("Law and Legal Studies") macht, stellt schnell fest: Gerade einmal fünf deutsche Lehranstalten haben es in die internationale Top 100 des Rankings geschafft. Das sind eine weniger als noch 2015 und zwei weniger als 2014.

In die gesondert aufgeführten Top 50 schaffen es mit den Platzierungen 39 beziehungsweise 48 die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und die Ludwig-Maximilians-Universität München so gerade noch. Die Humboldt-Universität zu Berlin, die Universität Frankfurt am Main und die Universität Hamburg gehen in dieser Reihenfolge bereits im gröber zusammengefassten Abschnitt der Plätze 51 bis 100 ein wenig unter. Die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, letztes Jahr noch auf dem jetzigen Platz der Universität Hamburg, ist sogar aus den Top 100 in den ebenfalls nur noch grob sortierten Bereich der Plätze 101 bis 150 abgerutscht.

In den Top 10 tut sich hingegen wenig: Dort tauschen lediglich die University of Oxford und die University of Cambridge die Plätze zwei und drei miteinander. Auf dem ersten Platz findet sich wie in den Jahren zuvor die Harvard University. Überhaupt tummeln sich in den oberen 25 Plätzen überwiegend Hochschulen aus Großbritannien, den Vereinigten Staaten und Australien. Das hat sicherlich damit zu tun, dass deutsches Recht eben sehr speziell und weitaus weniger weit verbreitet ist als das Common Law, das an den Top-Universitäten des Rankings gelehrt wird. Trotzdem erzielte die Heidelberger Universität vor zwei Jahren mit Platz 24 noch einen beachtlichen Spitzenrang. Am mangelnden Fokus auf deutsches Recht im Ranking scheinen die Platzverluste also nicht zu liegen.

Vernetzen sich deutsche Universitäten international zu wenig?

Ein Grund für das über die Jahre immer schlechtere Abschneiden deutscher Universitäten dürften die überarbeiteten Bewertungskriterien sein. Machten in den ersten Jahren des Rankings auch softe Faktoren wie Ausstattung der Bibliothek, soziales Engagement der Hochschule oder auch behindertengerechte Zugänge einen Teil der Bewertung aus, zählen in den letzten Jahren nur noch harte Faktoren, die mehr oder weniger viel über die Internationalität und die wissenschaftliche Arbeit an einer Fakultät im jeweiligen Fachbereich aussagen.

Mit 40 Prozent am meisten zählt dabei der internationale Ruf unter Kollegen. Weltweit sind vom wissenschaftlichen Mitarbeiter bis zum Professor die wissenschaftlich arbeitenden Beschäftigten an Lehrstühlen gefragt worden, welchen anderen Universitäten sie eine hohe akademische Expertise auf dem Fachgebiet zuschreiben, in dem sie selbst tätig sind. Ihre eigene Hochschule durften die Teilnehmer der Befragung dabei nicht nominieren, eine Mehrfachnennung war aber möglich. Für das gesamte Ranking sind nach QS-Angaben über 72.000 Antworten ausgewertet worden. Wie viele Antworten davon für die Rubrik Law and Legal Studies gegeben wurden, lässt sich der Studie nicht entnehmen.

Als zweitwichtigste Kriterien mit jeweils 20 Prozent fließen das Lehrkörper-Studenten-Verhältnis sowie die Zitierungen – und damit einhergehend die Veröffentlichungen - pro wissenschaftlichem Lehrstuhlmitarbeiter in die Bewertung ein. Die Macher der Studie schreiben selbst, dass es keine allgemein akzeptierten Standards gibt, ab wann man von einem gesunden Verhältnis von Lehrenden zu Studierenden sprechen kann. Auch die Qualität der Lehre hängt damit nicht zwangsläufig zusammen. Trotzdem behält QS diesen eher groben Indikator bei, weil er etwas über die Ressourcen aussage, die eine Hochschule in die Lehre investiere. Beim Kriterium der Veröffentlichungen und Zitierungen schneiden die deutschen Universitäten naturgemäß schlechter ab: Zwar wird auch in Deutschland fleißig publiziert, aber eben überwiegend in Landessprache. Dass die Anzahl der Zitierungen deshalb niedriger ausfällt, ist nur logisch.

Zitiervorschlag

Marcel Schneider, QS World University Ranking 2016 – Law: Deutsche Jurafakultäten bauen ab . In: Legal Tribune Online, 14.04.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/19077/ (abgerufen am: 06.08.2020 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 14.04.2016 19:12, Siggi

    Wenn der Fokus auf angloamerikanisches Recht in den Rankings so entscheidend ist, wie kommt es dann dazu, dass auch jede Menge Unis aus Ländern vertreten sind, die weder englischsprachig sind noch ein case law System haben? zB Frankreich, Holland, Belgien, Singapur, China, Mexiko, Chile(Platz 38, Heidelberg 39), Japan, Korea.. Kann es nicht eher sein, dass die deutschen stolzen Dogmatiker sich mit Nichenfragen beschäftigen, die im Rest der Welt niemanden interessieren, und außerdem die Internationalisierung verpennt haben?

  • 16.04.2016 01:41, Gast

    Das QS-Ranking misst Forschungsleistung nach Publikationen bzw. Zitierungen, indem es die Scopus-Datenbank des privaten Anbieters Elsevier auswertet. Diese Datenbank berücksichtigt an sich durchaus in Deutschland erscheinende Zeitschriften, nur eben so gut wie überhaupt keine juristischen, während insbesondere die in englischsprachigen Ländern erscheinenden juristische Publikationen sehr viel vollständiger erfasst sind (auch da scheint die Auswahl aber völlig willkürlich zu sein - vielleicht hat sie etwas mit der Bereitschaft der Verlage zu tun, mit dem Elsevier-Verlag zu kooperieren). Was in deutschen juristischen Publikationen veröffentlicht wird, geht deshalb selbst dann nicht in die Scopus-Datenbank ein, wenn es in einer vom System erfassten ausländischen Quelle zitiert wird.

    Praktisch müsste dies an sich bedeuten, dass deutsche Autoren bzw. Universitäten völlig unanhängig vom Umfang ihres wissenschaftlichen Outputs mit einer Forschungsleistung von nahe Null in das QS- Ranking eingehen. Wenn dem so ist, hat das QS-Ranking für für den weltweiten Vergleich von Rechtsfakultäten ebenfalls eine Aussagekraft von nahe Null (jedenfalls im Hinblick auf die deutschen und - abhängig von den Zufälligkeiten der Reichweite der Scopus-Datenbank - für die Rechtsfakultäten der meisten anderen nicht-englischsprachigen Länder).

  • 16.04.2016 22:33, Mike M.

    Gerade in den Rechtswissenschaften ist deutsch noch eine wichtige Wissenschaftssprache. Warum soll man sich das kaputt machen lassen? Japan, Taiwan, Südkorea, Südamerika, Griechenland ... alle Länder orientieren sich immer noch stark am deutschen Recht. Deutsche Das Common Law lässt sich schwer exportieren. Lehrbücher werden in die jeweiligen Landessprachen übersetzt. Deutsche Rechtswissenschaftler arbeiten an Kommentaren und Monographien, alles fällt nicht in die Statistik.

  • 16.04.2016 23:27, Mike M.

    "...Das Common Law lässt sich schwer exportieren. Deutsche Lehrbücher werden in die jeweiligen Landessprachen übersetzt...." sollte es heißen.

    Dass US-Universitäten wieder ganz oben stehen ist im Fach Jura besonders albern, da es Rechts-"Wissenschaften" in den USA als Studienfach eigentlich gar nicht gibt. Jura ist ein Postgraduiertenstudiengang, der auf das Bar Exam des jeweiligen Bundesstaates vorbereitet. Gerade in den USA ist das extrem provinziell.